Syrien Assads Familie auf der Flucht

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Baschar al-Assad ist seit 2000 Präsident von Syrien. Statt demokratischer Öffnung erfolgte kurz nach seinem Amtsantritt eine Zentralisierung der Macht. (Foto) Zur Fotostrecke

Das Entsetzen über die eskalierende Gewalt in Syrien ist groß - aber ein Rezept dagegen gibt es auch in den Vereinten Nationen nicht. Erneut ist eine UN-Resolution am Veto von Russland und China gescheitert. Syriens Präsident Assad soll seine Familie indes aus der umkämpften Hauptstadt gebracht haben.

Stunden vor der Entscheidung des UN-Sicherheitsrats über eine neue Syrien-Resolution hatte Generalsekretär Ban Ki Moon noch alle Konfliktparteien dazu aufgerufen, Waffengewalt in jeglicher Form zu beenden und den Friedensplan des UN-Vermittlers Kofi Annan umzusetzen. Doch die Kämpfe in der Hauptstadt Damaskus schwelen weiter. Auch in der UN deutet sich kein Vorankommen bei der Friedenslösung an.

Russland und China haben erneut ihr Veto gegen eine Syrien-Resolution des UN-Sicherheitsrates eingelegt. Der westliche Entwurf, an dem auch Deutschland beteiligt war, ist am Donnerstag in New York gescheitert - trotz großer Mehrheit im Rat und trotz der Eindrücke, die das Sprengstoff-Attentat vom Vortag mit mindestens drei toten Regimegrößen in Damaskus hinterlassen hatte.

Annan sagte, der Anschlag mache nur noch deutlicher, dass der Sicherheitsrat dringend und bestimmt handeln müsse. Er habe mit einigen Mitgliedern des Sicherheitsrates gesprochen und sie aufgefordert, gemeinsam eine Entscheidung zu treffen, die ein Ende des Blutvergießens in Syrien und Impulse für einen politischen Wandel ermögliche, so Annan laut Mitteilung. Auch Ban forderte, der Sicherheitsrat müsse «Verantwortung übernehmen und gemeinsam handeln».

Russland nennt westliche Syrien-Politik «Sackgasse»

Dennoch scheiterte der Resolutionsentwurf, der ein Zehn-Tage-Ultimatum und Sanktionen vorsieht. Über ihn sollte bereits am Mittwoch abgestimmt werden. Wenige Stunden vor dem Beginn beantragten die westlichen Länder dann eine Verschiebung auf Donnerstag, um Spielraum für neue Verhandlungen zu schaffen, wie es von westlichen Diplomaten hieß.

Vetomacht Russland hatte schon vorher eine «harte Linie» - sprich: Blockade - angekündigt. «In einem Moment, wo eine Schlacht um die syrische Hauptstadt tobt, wäre die Annahme von Sanktionen eine einseitige Unterstützung von Revolutionären», unterstrich der russische Außenminister Sergej Lawrow ein weiteres Mal. Die westliche Syrien-Politik kritisierte er als «Sackgasse». China steht in der Syrienfrage traditionell an der Seite Russlands.

Die USA hatten mit Vermittlungsbemühungen keinen Erfolg. In einem Telefonat des US-Präsidenten Barack Obama mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin hätten beide lediglich «die Differenzen ihrer Regierungen über Syrien» anerkannt, teilte das Weiße Haus am Mittwoch in Washington mit. Zugleich seien sie sich aber einig, weiterhin an einer Lösung zu arbeiten. Man unterstütze einen raschen politischen Übergang, um ein Ende der Gewalt zu erreichen.

Zuvor hatte der Sprecher im Weißen Haus, Jay Carney, erklärt, dass Machthaber Baschar al-Assad die Kontrolle über sein Land verliere. Das beweise die jüngste Eskalation der Gewalt in Syrien.

Präsident Assad bringt Familie in Sicherheit

Ein Bombenattentat in Damaskus hatte am Mittwoch das Assad-Regime erschüttert. Mindestens drei wichtige Stützen von Syriens Präsident Baschar al-Assad wurden getötet und etliche weitere verletzt. Bei den Toten handelt sich um den Schwager des Präsidenten, Asef Schawkat, Verteidigungsminister Daud Radscheha sowie dessen Amtsvorgänger Hassan Turkomani. Das bestätigte das Regime in der immer heftiger umkämpften Hauptstadt. In einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur dpa bekannte sich die Freie Syrische Armee zu der Tat am Mittwoch.

Syrien-Konflikt
Assads brutaler Krieg
Regierungstruppen starten am 28. Juli 2012 eine Großoffensive gegen die Rebellen in der Metropole Aleppo. (Foto) Zur Fotostrecke

Unklar blieb das Schicksal von Innenminister Mohammed Ibrahim al-Schaar, der bei dem Anschlag verletzt worden sei: Während Oppositionelle in Damaskus von einem stabilen Zustand sprachen, erklärten ihn Aktivisten im syrisch-türkischen Grenzgebiet für tot. Bei Al-Dschasira hieß es ebenfalls, der Innenminister sei tot.

Am Donnerstag griffen Regierungstruppen Hochburgen der Regimegegner im Großraum Damaskus mit Hubschraubern an. Aktivisten berichteten, Soldaten hätten die Viertel Sajjida Seinab und Al-Hadschar al-Aswad aus der Luft mit Maschinengewehren und Raketen attackiert. Bewohner der nördlichen Viertel, die von den Kämpfen weitgehend verschont blieben, berichteten, die Hauptstadt gleiche einer Geisterstadt. Fast alle Geschäfte seien geschlossen.

Über den Aufenthaltsort von Präsident Baschar al-Assad, seiner Frau und den drei Kindern gab es keine gesicherten Angaben. Regimegegner hatten am Mittwochabend gemeldet, die Präsidentenmaschine sei vom Militärflughafen Messe aus in Richtung der syrischen Hafenstadt Latakia gestartet. Die Assad-Familie stammt aus Kardaha oberhalb von Latakia. Beobachter hatten in den vergangenen Monaten spekuliert, die Führung könnte sich, wenn Damaskus fällt, in eine Art alawitischen Kleinstaat zurückziehen, der die Städte Latakia, Tartus und die Berge im Hinterland umfasst.

zij/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Brigitte Turkmani
  • Kommentar 2
  • 22.09.2012 21:07
Antwort auf Kommentar 1

So ist das wir Telefonieren fast jeden Tag nach Syrien an und nichts ist gewesen die Brüder und Schwestern Nichten und Schwäger würden uns das sagen

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  • Steffen Graf
  • Kommentar 1
  • 20.07.2012 11:22

Hab grad jemand in Damaskus angerufen. Die wissen leider nichts von einem Anschlag. Wenn Ihr schon lügt, dann solltet Ihr es nicht gleich übertreiben.

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