Euro-Schulden Die Horrorzahlen der Eurokrise

Schuldenkrise
Der Euro in Not
Zwar haben Bundestag und Bundesrat am 29. Juni 2012 den ESM zur Euro-Rettung gebilligt, doch reichten die Linke, der CSU-Abgeordnete Gauweiler und eine Bürgerinitiative Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht ein. (Foto) Zur Fotostrecke

Von news.de-Redakteur Martin Walter
Europa und das Acht-Billionen-Problem: Die 17 Eurostaaten ächzen unter einem gigantischen Schuldenberg, Deutschland trägt fast ein Viertel davon. Die Billionen-Schulden der Banken könnten uns endgültig des Genick brechen, fürchten Wissenschaftler. Ein Streifzug durch die Zahlen des Horrors.

«Krise», «Konkurs», «Katastrophe», «Kernschmelze»: Immer gewaltiger werden die medialen Dimensionen der Währungskrise. Die Währungsgemeinschaft taumelt von einer Schreckensbotschaft zur nächsten, negative Superlative zur Lage der Euroländer gehen allmählich zur Neige. Kaum noch zählen lässt sich, wie oft Europa bereits am Abgrund stand und immer wieder steht.

Fünf von 17 Eurostaaten sind bereits unter den milliardenschweren Rettungsschirm ESMDer Europäische Stabilitäts-Mechanismus ESM soll den EFSF ab Mitte 2012 ablösen. Er ist der dauerhafte Rettungsschirm, der durch Notkredite und Bürgschaften hoch verschuldete Euro-Länder stützen soll. geschlüpft. Auf Griechenland, Irland und Portugal folgten zuletzt Spanien und Zypern. Es stellt sich die bange Frage, wie lange das schützende Dach wohl hält.

Noch düsterer wird die Lage bei einem Blick auf die Schuldenbilanz der Eurostaaten. In der vergangenen Woche wurden die neuesten Zahlen veröffentlicht, Deutschland hat erstmals die Zwei-Billionen Euro-Marke geknackt - trotz ergiebig sprudelnder Steuereinnahmen. Auch wenn man sich im Zuge der Euro- und Finanzkrise an horrende Milliardensummen gewöhnt hat, stellen diese ausgeschriebenen 2.098.000.000.000 Euro einen beinah grotesk riesigen Betrag dar.

Zur groben Einordnung der gigantischen Zahl: Selbst wenn die zehn reichsten Deutschen ihr gesamtes Vermögen dafür aufwenden würden, deutsche Staatsschulden zu tilgen, verspräche das kaum Besserung. 100 Milliarden Euro würden zusammenkommen, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Mit dieser Rekordverschuldung nimmt Deutschland unter den Eurostaaten den unrühmlichen Spitzenplatz ein, gefolgt von Italien (1,9 Billionen Euro) und Frankreich (1,7 Billionen). Die bedürftigen Rettungsschirmländer Spanien (748 Millionen), Griechenland (355 Millionen), Portugal (175 Millionen), Irland (169 Millionen) und Zypern (12 Millionen) rangieren auf den Plätzen vier, sieben, neun, zehn und 14. Addiert man die Zahlen des Grauens, steht die gesamte Eurozone mit mehr als acht Billionen Euro in der Kreide.

Griechen führen das Schulden-Ranking an

Den eigentlichen Krisenindikator stellt jedoch die SchuldenquoteDie (Staats-)Schuldenquote bezeichnet das Verhältnis der Schulden eines Staates zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt. Je höher die Quote, desto schlechter ist das Verhältnis zwischen volkswirtschaftlicher Gesamtleistung und Schuldenstand. dar. Ein Prozentwert, errechnet aus dem Verhältnis von Verschuldung und Bruttosozialprodukt. Hier offenbart sich ein anderes Bild: Wenig überraschend führt Griechenland das Schulden-Ranking an. Die Staatsschuldenquote der krisengebeutelten Hellenen liegt bei über 160 Prozent. Italien, Portugal und Irland ächzen ebenfalls unter einer Quote von über 100 Prozent. 

Die Wirtschaftsmacht Deutschland kommt dank eines großen Bruttosozialprodukts auf eine Schuldenquote von 82,2 Prozent. Ein Mittelfeldplatz innerhalb der Euroländer. Erschreckend wird die Zahl allerdings beim Blick auf den Maastricht-VertragAls Vertrag von Maastricht wird der Vertrag über die Europäische Union (EUV) bezeichnet. Der Europäische Rat stellte mit dessen Unterzeichnung am 7. Februar 1992 die Weichen zur europäischen Integration. Unter anderem werden darin die Europäische Union (EU) als übergeordneter Verbund für die Europäischen Gemeinschaften, die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie die Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Inneres festgelegt. . Dort wurde als Kriterium für die europäische Haushaltsstabilität einst eine Schuldenstandsquote von unter 60 Prozent festgelegt. Keines der großen Mitgliedsländer kann diese auch nur ansatzweise erfüllen.

Verzweifelter Hilferuf der Wissenschaft

Doch nicht genug der Horrorzahlen: Wie dramatisch es wirklich um Europa steht, unterstrichen am Donnerstag 160 Wirtschaftswissenschaftler mit einem Aufruf zum Bürgerprotest. Die große Angst der Ökonomen: Nicht die Staatsschulden, sondern die Verbindlichkeiten der Banken könnten die Euroländer endgültig in die Knie zwingen. Die Experten kritisieren einen Beschluss des letzten EU-Gipfels, für diese Schulden im Notfall zu haften. Kostenpunkt: mehrere Billionen Euro.

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Milliarden-Rangliste
Die reichsten Deutschen
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zij/news.de

Leserkommentare (49) Jetzt Artikel kommentieren
  • Nichtwähler
  • Kommentar 49
  • 19.07.2012 11:05
Antwort auf Kommentar 45

Sie glauben also, dass, wenn die EZB die Staatsschulden trägt, dann kommt ein Absturz? Nein, dann kommt die Geldpresse in Schwung und wir können aus diesem Gebilde aus der EUDSSR ausbrechen und die Südländer können sich selbst stützen. Eine Zentralbank hat Geld in unbegrenzter Menge und man entkommt zum Preis der Inflation aus dem Zinzproblem raus. Die Poltik muß die Wirtschaft ausgleichen, d.h. Handelsüberschuß erzielen und damit die Schulden zurückzahlen können, dann kommt man zurück zum Kapitalmarkt. Nur dürfen sie nicht die alten Volksbetrüger wöhlen aus dem LinksgrünCDU Mainstream Kartel

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  • Nichtwähler
  • Kommentar 48
  • 19.07.2012 11:01
Antwort auf Kommentar 43

Das ist Musik in meinen Ohren, vor allem der Part mit den Migranten aus dem Islamischen Raum sollte es heissen, denn man sucht sich immer die Störenfriede. Wo gibt es ein solche Partei? Macht die FW wirklich bei sowas mit?

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  • Nichtwähler
  • Kommentar 47
  • 19.07.2012 10:56
Antwort auf Kommentar 45

Also doch lieber die Mittelschicht ausbluten lassen für fremde Interessen und jeden hausbesitzer abzocken? Es ist richtig nach Inflationen dieser Art kommt häufig eine Deflation, aber ein total zusammenbruch reisst die ganzen Firmen mit in den Abgrund. Ich gebe Ihnen den Rat, sollten sie angst um ihr erspartes haben, dann kaufen sie sich was und das Geld ist vor dem sozialistischen Zugriff geschützt. Mit inflation durchbricht man das Problem, dass Marode Banken die Staaten in den Abgrund reissen, dazu mus die EZB Staatsfinanzierung betreiben. Banken im Casino gehen aber pleite.

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