Islamismus-Checkliste Schünemann provoziert Extremismus

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Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Wie erkenne ich einen Islamisten in 26 Punkten - das klingt nach gefährlicher Pogromstimmung. Was der niedersächsische Innenminister sich da ausgedacht hat, ist Ausgrenzung statt Integration. So etwas fördert den Extremismus, statt ihn zu bekämpfen.

Das erste Wort, das sich aufdrängt, ist «Pogrom». Nun muss man in Deutschland nicht immer gleich in derart vergangenheitsorientierten Kategorien denken, doch Sensibilität aufgrund der einschlägigen Erfahrungen mit Rassismus und ja, Pogromstimmung, ist hierzulande einfach oberstes Gebot. Sollte es sein.

Niedersachsens Innenminister lässt eine Broschüre verteilen, in der auf den Seiten 70 bis 72 insgesamt 26 Punkte aufgeführt sind, die Lehrern und Mitarbeitern des Jugendamtes helfen sollen, bei Jugendlichen eine islamistische Radikalisierung zu erkennen. Das Panorama geht von so banalen Aspekte wie dem, dass «kritische Nachfragen zum Islam als Angriff auf die angesprochene Person oder Gruppe verstanden werden» - welcher Jugendliche fühlt sich nicht schnell angegriffen - bis zu dem haarsträubend diskriminierenden Punkt, der vor «sichtbaren äußeren Veränderungen (Kleidung, Verhalten, Gewichtsverlust durch veränderte Essgewohnheiten etc.)» warnt.

Integration
Eine deutsche Schlüsselfrage
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Sicherlich treffen viele der Punkte auf junge Menschen zu, die für radikale islamistische Thesen empfänglich sind - zum Beispiel «Veränderung des sozialen Umfeldes; Abgrenzung von der Familie und dem bisherigen Freundeskreis; Hinwendung zu neuem, durch die Religion
geprägtem Umfeld». Diese Aspekte liegen ohnehin auf der Hand und sind jedem klar – zumal in unserer Gesellschaft auf das Thema Islam ohnhin hypersensibel reagiert wird.

Gefährliches Spiel mit der Angst

Doch darum geht es doch gar nicht. Existiert vom Verfassungsschutz vielleicht eine öffentliche Checkliste für potenzielle Neonazis? Nach dem Motto «kahlrasierter Kopf, verdächtig viele Deutschland-Fähnchen bei internationalen Fußballturnieren und bevorzugte Klamottenmarke Thor Steinar»?

Abgesehen davon, dass man die 26 Punkte auf wenige knappe Aussagen eindampfen könnte, geht es hier weniger um Inhaltliches als um die Art und Weise, wie gefährliche populistische Politik gemacht wird. Allein das gebetsmühlenartige Wiederholen ähnlicher Aspekte in immer neuen Formulierungen multipliziert die Gefahr scheinbar und erhöht das Gefühl der Bedrohung. Dass da noch vorangestellt wird, «absolut sichere Rückschlüsse über konkrete äußerliche Erscheinungsformen» seien nahezu ausgeschlossen, wirkt nur als lahme Rückversicherung, dass man die Persönlichkeitsrechte nicht zu sehr mit Füßen tritt.

Doch gerade das ist extrem fraglich. Denn ja, hier wird Pogromstimmung erzeugt. Gegen den muslimische Jugendlichen, der in Deutschland frustriert ist über die islamfeindliche Stimmung. Der sich vielleicht auch nur intensiv mit seinen Wurzeln beschäftigt. Oder der seine jugendliche Rebellion eben über einen konkreten Teil seiner Identität austrägt, die muslimische Herkunft.

Es ist wieder einmal der Klassiker: Schünemann und sein Ministerium reißen mit dem Hinterteil ein, was in mühsamer, tagtäglicher Arbeit von Lehrern, Sozialarbeitern und anderen vielschichtig denkenden Menschen aufgebaut wird. Nein, so funktioniert Integration nicht. Das ist mutwillige Ausgrenzung. Da mag man fast denken: Kein Wunder, dass manch muslimischer Jugendlicher trotzig wird.

iwi/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Gute_Frage
  • Kommentar 6
  • 29.06.2012 11:15
Antwort auf Kommentar 5

Mit Verlaub, Mohammed war ein Kriegsherr und hat den jüdischen Stamm der Banū Qaynuqāden vertrieben, den jüdischen Stamm der Banū ʾl-Naḍīr vertrieben, den jüdischen Stamm der Banu Quraiza massakriert und vernichtet und die Angehörigen der arabischstämmigen Banu Kilab ibn 'Amir hingerichtet,

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  • Jorel
  • Kommentar 5
  • 29.06.2012 08:37
Antwort auf Kommentar 2

Ich bin der letzte der irgendwelchen Terror egal woher er kommt billigt, aber das Sie keine Ahnung haben und davon ne ganze Menge ist wohl in Ihrem Satz begründet bei dem Sie Hitler , einen feigen Diktator , mit Mohammed dem Propheten des Islamischen Glaubens als eines der grossen Weltrelogionen im gleichen Konsenz darstellen. Das ist mal wieder Typisch , bei uns im Schwabenländle sagt man ......den grossen Zambano spielä abr von tuta und blosa keu ahnung..........

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  • Krischan Piepengruen
  • Kommentar 4
  • 29.06.2012 08:14

Interessante Freud'sche Fehlleistung im Text. Sie schreiben: "Ihre Integration in die deutsche Gesellschaft verläuft nicht immer problemfrei - von beiden Seiten." Richtig wäre nach dem Sprachgebrauch: "FÜR beide Seiten". Dies hieße aber, das wir, die Deutschen, Probleme durch die Zuwanderen bekämen. Weil dies nicht sein darf, wird als innerer Zensurmechanismus die verquere Formulierung benutzt. Interessant.

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