Syrien Jetzt spricht Assad von Krieg

Syrien-Konflikt
Assads brutaler Krieg

Syriens Präsident Assad hat seinen Ton geändert: Erstmals sagt er, in seinem Land herrsche Krieg. Jüngster Vorfall: Ein regierungsnaher TV-Sender wurde gestürmt und mehrere Menschen getötet. Nach Einschätzung des US-Geheimdienstes droht Syrien ein langer Bürgerkrieg.

Der syrische Präsident Baschar Assad hat den Aufstand im Land erstmals als Krieg bezeichnet. «Wir leben in einem echten Kriegszustand», sagte Assad am Dienstag vor seinem neuen Kabinett. Er kündigte an, er werde all seine Energie darauf verwenden, den Konflikt zu überwinden. Bisher hatte Assad stets erklärt, ausländische Terroristen hätte die Gewalt im Land angezettelt.

Das neue Kabinett wurde am Dienstag vereidigt. Assad hatte nach der Wahl Anfang Mai zugesagt, auch Politiker anderer Parteien in seine Regierung zu holen. Die neue Regierung wird jedoch von einem Vertrauten Assads geführt, die Minister für Äußeres, Verteidigung und Inneres behielten ihre Ämter. Die Opposition hatte die Wahl boykottiert.

Anschlag auf regierungsnahen TV-Sender

Bei einem Anschlag auf den regierungsfreundlichen syrischen Fernsehsender Ichbarija TV sind nach Regierungsangaben sieben Angestellte getötet und mehrere entführt worden. Bewaffnete seien am frühem Morgen in zwei Gebäude der 20 Kilometer südlich von Damaskus gelegen Zentrale von Ichbarija TV gestürmt und hätten mehrere Sprengsätze gezündet, sagte Informationsminister Omran al Soebi. Er sprach von einem Massaker an der Pressefreiheit.

Die Rebellen bestritten jede Verantwortung für den Überfall. Angriffe auf regierungsfreundliche Journalisten sind selten. Noch immer befinden sich Mitarbeiter in der Gewalt der Attentäter.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP berichtet, fünf als Büro und Studio genutzte mobile Gebäude seien zerstört worden. Auf dem Boden habe es Blutspuren gegeben, Teile der hölzernen Strukturen hätten noch gebrannt. Stunden nach dem Überfall sendete die TV-Station allerdings noch. Sie übertrug eine Demonstration aus Damaskus, deren Teilnehmer gegen den Überfall auf den Sender protestierten.

Gewalt in Syrien wieder auf Niveau vor dem Waffenstillstand

Die Gewalt in Syrien hat nach Angaben des stellvertretenden UN-Gesandten für das Land, Jean-Marie Guehenno, inzwischen das Niveau vor der Waffenstillstandsvereinbarung Mitte April erreicht oder sogar überschritten, wie er vor dem UN-Menschenrechtsrat erklärte.

Der im Exil lebende syrische Oppositionspolitiker und ehemalige Vorsitzende des Syrischen Nationalrats (SNC), Burhan Ghaliun, erklärte, er habe von Rebellen gehaltene Gebiete im Norden Syriens bereist. Einige Gegenden in der Provinz Idlib regierten sich ohne Einfluss der Regierung aus Damaskus selbst. «Ein Teil des Landes ist befreit», sagte er.

US-Geheimdienst rechnet mit langem Bürgerkrieg in Syrien

Nach Einschätzung von US-Geheimdienstvertretern bleiben die Rebellen den Regierungstruppen aus militärischer Sicht allerdings unterlegen. Die syrischen Streitkräfte blieben weiter einsatzfähig. Die Regierung hält demnach ihre Soldaten mit regelmäßigen Soldzahlungen bei der Stange. Zwar seien tausende Soldaten und mehrere hohe Offiziere fahnenflüchtig, darunter mindestens ein General, doch keiner der Desertierten gehört den Geheimdienstquellen zufolge zum militärischen Führungszirkel, noch gefährden die Überläufer demnach das Überleben des Regimes von Präsident Baschar Assad.

Die Rebellen und Regierungstruppen befinden sich in einer strategischen Pattsituation, in der nach Einschätzung der Informanten keiner der Seiten einen schnellen und entscheidenden Sieg davontragen wird. Daher sei ein sich lange hinziehender Bürgerkrieg wahrscheinlich.

Nicht zuletzt wegen internationaler Sanktionen gehen dem Regime in Damaskus die Devisen aus, und es fehlt zusehends an Nahrungsmitteln und Treibstoff. Der Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges durch die syrische Luftabwehr am Freitag könnte weitere Maßnahmen gegen das syrische Regime nach sich ziehen.

Rebellen setzen auf Guerillataktik

Derweil ist der Widerstandswille der Opposition ungebrochen. Erst am Montag griffen Rebellen Randbezirke der Hauptstadt Damaskus an. Aber die Kräfte der Aufständischen seien über das Land verstreut, sagten US-Geheimdienstvertreter. So hätten sich die Rebellen bisher nicht zusammenschließen können, um die Regierungstruppen mit vereinten Kräften anzugreifen.

Die Rebellen nutzten im vergangenen Jahr eine Waffenruhe, um Landstriche und Stadtteile unter ihre Kontrolle zu bringen. Jedoch eroberten die syrischen Streitkräfte die Hochburgen des Widerstands im Nordwesten des Landes mit Bodentruppen und Luftunterstützung aus den Händen der leicht bewaffneten Rebellen rasch wieder zurück.

Die Rebellen sind seither dazu übergegangen, sich keinen groß angelegten Gefechten zu stellen, viel mehr setzen sie auf Guerillataktik und greifen einzelne Ziele an, wie etwa Kontrollposten. Die syrische Regierung ihrerseits greift laut US-Geheimdienst auf die sogenannte Schabiha-Miliz zurück, um den Widerstand in sunnitisch geprägten Gegenden zu brechen, da die meisten Soldaten selbst sunnitischen Glaubens sind. Den Schabiha wird der Mord an mehr als 100 Zivilpersonen in Hula im Mai zur Last gelegt.

iwi/news.de/dapd

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Resistent
  • Kommentar 5
  • 04.07.2012 00:51

Von großer Interesse ist das Erstürmen des Syriensenders. Das ist ein Zeichen, dass der Westen verhindern will das Informationen aus einem anderen Blickwinkel nach Außen gelangt. Sowas nennt man Zensur auf westliche Weise. Was wir hier mitbekommen sind nur Informationen, die Gehirnwäsche verursachen (siehe Knoppka). Man redet ständig von toten Frauen und Kindern (als ob es keine Männer in Syrien gebe), zeigen aber nur vermumte oder Männer.

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  • Knoppka
  • Kommentar 4
  • 28.06.2012 08:08
Antwort auf Kommentar 2

Wenn hier einer bekloppt ist, dann mit Sicherheit Du. So ein Durcheinander habe ich hier noch nie gelesen. Aber einen guten Rat, = kelevra = wenn Du Deinen Kommentar geschrieben hast, lies ihn nochmal durch und korrigiere Deine Fehler.

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  • kelevra
  • Kommentar 3
  • 28.06.2012 00:45

Wer von den Kommentatoren beschäftigt sich schon mit den Untersuchungen der UNO? Vor allem in den "deutschen" Medien wird nur sehr selektiv berichtet! Unter "http://german.ruvr.ru/2012_06_27/79490871/" gibt es etwas kurz mehr Einsicht in die wahrscheinlichen Abläufe und unter ""http://www.youtube.com/watch?v=m7BEenUr6ZQ"" lernt man erfolgreiche "Revolutionen" wie jene in Rumänien und jetzt in Syrien sogleich mit ganz anderen Augen zu sehen!

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