100 Tage Joachim Gauck Erstklassige zweite Wahl

Joachim Gauck hat im zweiten Anlauf geschafft, woran sein Vorgänger Christian Wulff scheiterte: Er ist Bürger geblieben. In der politischen Klasse Deutschlands ist das ein kaum mehr gewohnter Politikstil. Aber es ist einer, der den Menschen nicht der Politik unterordnet.

Joachim Gauck: Vom Pfarrer zum Bundespräsidenten

Zweite Wahl ist etwas, zu dem im Laden nur die wenigsten Deutschen greifen würden. Öffentlich auch noch dahinter zu stehen? Das soziale Stigma wäre den meisten wohl zu erdrückend. Jeder Hinweis darauf wird möglichst versteckt. Bisher.

Denn mit Joachim Gauck ist seit 100 Tagen einer der erste Mann im Staat, der nichts anderes ist als zweite Wahl. Aber es ist eine zweite Wahl, derer sich Deutschland nicht schämen muss. Anders als sein Vorgänger, der gefallene CDU-Protegé Christian Wulff, ist Gauck ein Mann, der sich nicht auf Parteilinie zwingen lässt. Er bleibt Mensch. Er sagt, was ihm am Herzen liegt. Und gerät damit an Mauern, die die politische Klasse bislang als Tabu betrachtet hat.

Joachim Gauck lebt als Bundespräsident das, was nicht nur in seiner Antrittsrede große Thema war, sondern, was das Leben des Ex-Pastors aus Brandenburg schon immer bestimmt hat: die Freiheit. Und das heißt für Gauck eben, seinen eigenen Standpunkt nicht dem politischen Kurs von Deutschlands Eiserner Lady unterzuordnen. Wenn Gauck meint, einen Kontrapunkt zur Kanzlerin setzen zu müssen, dann tut er es. Egal ob es dabei um die Personalquerelen in der Riege der Bundesminister geht oder um seine Ansichten zu Israel.

Gauck hat kein Problem damit, in eingefahrenen politischen Kreisen anzuecken. Damit trifft er nicht zuletzt den Nerv des Volkes, das viel zu oft den Eindruck hat, längst die Macht verloren zu haben, die in einer Demokratie eigentlich von diesem ausgeht. Joachim Gauck sieht sich noch immer auch als Bürger dieses Staates. Etwas, das ihm die Kritiker immer wieder vorwerfen.

Doch warum sollte es schlimm sein, als Bundespräsident nicht zu vergessen, das man selbst Mitglied des Volkes, ein Bürger ist? Mit gleichen Rechten und Pflichten. Schließlich bleibt, spätestens nach zehn Jahren Amtszeit, am meisten im Gedächtnis, was öffentlich wurde. Bei Gaucks Vorgänger Christian Wulff ist das ein fader Beigeschmack von elitärer Bevorteilung.

Natürlich sollte auch ein Joachim Gauck die außenpolitische Linie Deutschlands nicht vollkommen konterkarieren. Hier vorsichtiger zu agieren, das kann Gauck lernen. Nicht mehr zu lernen braucht er, dass ein Bundespräsident eben nicht nur die Bundespolitik zu präsentieren hat, sondern auch ein Volk. Politik und Volk miteinander zu verbinden - das ist der richtige Weg. Joachim Gauck zeigt mit seinem Stil, dass zweite Wahl nicht zweite Wahl bleiben muss.

/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • U.d. O.
  • Kommentar 2
  • 26.06.2012 17:18

Wer kennt Herr Gauck wirklich ??? Es gibt eine Menge offener Fragen - die er nie beantwortet hat ! frau Merkel glaube ich wußte warum er nicht Ihre erste Wahl war und ist. DDR Zeit - warum konnten seine Söhne in der BRD ausreisen , studieren und jederzeit ihren Vater besuchen - Vereinbarung mit DDR Staatsorgane ??? - Wieso war er nach der Besetzung der Stasizentrale 4 Stdt . mit seiner Akte alleine ??? Warum trat er wärend der DDR Zeit in Rostock nicht öffentlich in Erscheinung ??? und noch eine Menge anderer Fragen Wieso ist die SPD ( Gabriel) und die Grünen (Trettin) so für seine Wahl

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  • Werner999
  • Kommentar 1
  • 26.06.2012 13:58

Wer leidet denn hier alles unter Sinnesverwirrung?

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