Fußball-EM 2012 Nackt-Aktivistinnen verprügelt und verhört?

Mit barbusigen Protestaktionen erregt die ukrainische Prostetgruppe Femen immer wieder Aufmerksamkeit. Nun sollen mehrere Frauen am Rande der Fußball-EM 2012 gewaltsam verschleppt und verhört worden sein. Die örtliche Polizei streitet das ab und bestätigt lediglich zwei kurzzeitige Festnahmen.

Frauenprotest: Blanker Busen gegen Missstände

Die Polizei von Donezk hat mehrere Mitglieder der radikalen ukrainischen Protestgruppe Femen zwischenzeitlich festgenommen, Vorwürfe wegen körperlicher Gewalt aber zurückgewiesen. Zwei Frauen seien vor dem EM-Spiel zwischen Co-Gastgeber Ukraine und Frankreich am Freitag verhaftet worden, nachdem eine Zeugin gehört habe, dass diese «etwas Schlechtes planen» würden, sagte der Polizeichef von Donezk, Juri Sednew, bei einer Pressekonferenz am Samstag.

«Wir haben eine dritte Frau auf die Polizeistation gebeten, so dass sie sich überzeugen konnte, dass kein Druck auf die Frauen ausgeübt wird», erklärte Sednew laut englischer Übersetzung weiter. Es sei bei der Festnahme keine Zeitbeschränkung überschritten worden.

Femen spricht von gewaltsamer Verschleppung

Die Feministinnen hatten zuvor auf ihrer Internetseite berichtet, dass eine Aktivistin der für ihre Nacktproteste bekannten Gruppe ins Gesicht geschlagen worden sei. Mitten in der Nacht seien die Frauen dann zum Bahnhof des EM-Spielorts Donezk gebracht worden. Sie hatten eine Protestaktion während des Spiels geplant, waren aber schon kurz nach ihrer Ankunft überwacht worden und schließlich verschwunden.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, zeigte sich darüber beunruhigt. «Ich fordere die ukrainischen Behörden auf, alles zu unternehmen, um die Hintergründe der Tat aufzuklären», sagte Löning am Samstag. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen und die Frauen künftig besser geschützt werden. «Ich bewundere die Frauen von Femen für ihre sehr mutige und offensichtlich gefährliche Arbeit», betonte Löning, der einige der Aktivistinnen im April in Kiew getroffen hatte.

Deren Chefin Anna Hutsol ist sich sicher: «Das waren Spitzel des Geheimdienstes, keine normalen Polizisten.» In einem Bericht legen die Feministinnen nahe, dass es sich bei den Entführern um Sicherheitsleute von Milliardär Rinat Achmetow handelt, dem einflussreichsten Mann in dem Gebiet an der Grenze zu Russland. «(Präsident Viktor) Janukowitsch interessiert uns einen Scheiß, wir bewachen Rinat», habe einer der Männer gesagt, schrieb Femen.

Donezks Bürgermeister Alexander Lukjantschenko verspottete die Gruppe: «Ich kann versichern, dass Frauen aus der Donbass Gegend viel schöner als diese Frauen sind, lokale Journalisten können ihnen dies bestätigen.»

Werden die Feministinnen dauerüberwacht?

Im Dezember 2011 hatte die Gruppe nach einer Protestaktion in Minsk dem weißrussischen Geheimdienst KGB vorgeworfen, drei Mitglieder misshandelt zu haben.

Femen prangert mit Oben-Ohne-Protesten immer wieder Missstände in der Ukraine an. Nach Angaben der Gruppe trägt die Europameisterschaft zu einem deutlichen Anstieg von Sextourismus, Prostitution und Menschenhandel in der Ex-Sowjetrepublik bei. Die Behörden würden die Frauen mittlerweile beschatten und ihre Telefone abhören, behauptet Femen. Erst vor kurzem hatte eine Aktivistin im EM-Spielort Lwiw zu fünf Tagen Arrest abgesessen, nachdem sie den EM-Pokal bei einer öffentlichen Präsentation zu Boden werfen wollte.

zij/news.de/dpa/dapd

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