Syrien-Konflikt Neues Massaker erschüttert Hama

Mindestens 80 Menschen sind nach Angaben von Oppositionellen bei einem neuen «Massaker» in der syrischen Provinz Hama getötet worden. Unter den Opfern in zwei Dörfern seien viele Frauen und Kinder.

Syrien-Konflikt: Assads brutaler Krieg

Der Sprecher der in London ansässigen Oppositionsgruppe Syrian Observatory for Human Rights, Rami Abdel Rahman, sagte, dass das neue Massaker von Angehörigen der regimetreuen Schabiha-Miliz verübt worden sei, nachdem die Gegend tagsüber heftig mit Granaten beschossen worden war.

«Ich kann bestätigen, dass Dutzende von Menschen tot sind, darunter Frauen und Kinder», sagte Abdel Rahman. Filmmaterial auf oppositionellen Webseiten zeigte Körper von Kindern, die bis zu Unkenntlichkeit verbrannt waren. Frauen und Kinder seien erstochen worden, erklärten Oppositionsaktivisten aus der Gegend. Der arabische Fernsehsender Al-Arabija berichtete, in einem Dorf hätten nur vier Bewohner überlebt.

Eine unabhängige Bestätigung für die Aussagen gab es nicht. Der UN-Sprecher für die Beobachtermission in Syrien, Kieran Dwyer, sagte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, die Blauhelme hätten entsprechende Medienberichte gehört. Sie seien tief betroffen. Da es aber in Syrien spät in der Nacht sei, könnten sie nicht überprüfen, was geschehen sei. Die UN warteten auf Berichte von Beobachtern vor Ort. Bei Tagesanbruch würden UN-Beobachter in das Gebiet aufbrechen, um Untersuchungen anzustellen.

Das syrische Staatsfernsehen machte «Terroristen» für die Tötungen verantwortlich. Wie der US-Sender CNN berichtete, hieß es im Staatsfernsehen, damit solle vor den UN-Sitzungen Druck auf Damaskus ausgeübt werden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Sondervermittler Kofi Annan informieren heute die Vereinten Nationen über die Situation in dem Land. Zuerst werden beide Diplomaten in offener Sitzung zu den Vertretern der 193 Mitgliedsstaaten in der UN-Vollversammlung sprechen. Fünf Stunden später wollen Ban und Annan auch die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrates unterrichten. Weil diese Sitzung vertraulich ist, werden hier die deutlicheren Worte erwartet. Zudem kann nur der Sicherheitsrat Sanktionen gegen das Regime in Damaskus verhängen. Wegen des anhaltenden Widerstands aus Moskau ist aber nicht mit einer Resolution zu rechnen.

Erst kürzlich hatte ein Blutbad in der Nähe von Homs international für Empörung gesorgt. In Al-Hula waren mehr als 100 Menschen getötet worden.

Sorge um Ausweitung wächst

Angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien wächst die Sorge über eine Ausweitung der Krise auf den gesamten Nahen Osten. Bei einem Treffen von Außenministern der sogenannten Syrien-Freundesgruppe am Mittwochabend in Istanbul herrschte nach Angaben von Teilnehmern «große Besorgnis» über die andauernden Verstöße gegen den Friedensplan von Sondervermittler Annan. Alle Minister seien sich einig darin gewesen, den Druck auf das Regime von Machthaber Baschar al-Assad zu verstärken. Konkrete Beschlüsse wurden nicht bekannt.

Bei dem Treffen waren unter anderem US-Außenministerin Hillary Clinton, Frankreichs neuer Außenminister Laurent Fabius sowie mehrere Ressortchefs aus der arabischen Welt dabei. Für Deutschland nahm Bundesaußenminister Guido Westerwelle daran teil. Anschließend hieß es, es bestehe auch die Gefahr einer Ausweitung der Krise auf die Region.

Nach Angaben aus Delegationskreisen wurde auch darüber gesprochen, den UN-Sicherheitsrat erneut einzuschalten. Dort blockieren die Veto-Mächte Russland und China ein härteres Vorgehen gegen Assad. Westerwelle rief bei dem Treffen dazu auf, Russland einzubinden und die Gespräche mit Moskau fortzusetzen. Der FDP-Politiker hatte sich zuvor schon für eine neue UN-Resolution ausgesprochen, mit der weltweite Sanktionen gegen das Assad-Regime verhängt werden könnten.

Einen Militäreinsatz lehnt Deutschland ab. Grundlage für eine politische Lösung soll weiterhin der Annan-Plan sein. Westerwelle räumte allerdings ein, dass es «wachsende Zweifel» an dessen Umsetzung gebe. Das nächste Treffen der gesamten Freundesgruppe aus etwa 60 Staaten und Organisationen ist für Anfang Juli in Paris geplant.

US-Finanzminister Timothy Geithner forderte unterdessen weitere Länder auf, sich den Wirtschaftssanktionen gegen Syrien anzuschließen. «Diese Nationen, die bisher keine formellen Sanktionen gegen das syrische Regime und seine Unterstützer erlassen haben, drängen wir, das schnell zu tun», sagte Geithner am Mittwoch in Washington bei dem Treffen einer Arbeitsgruppe der «Freunde des syrischen Volkes».

Die USA, die EU-Staaten und andere Länder haben angesichts der eskalierenden Gewalt gegen das eigene Volk in Syrien auch Sanktionen gegen Großbanken des Landes erlassen. Geithner lobte unter anderem die Arabische Liga, die Türkei und Katar dafür, dass sie diese Strafaktionen unterstützten. «Die USA hoffen, dass alle verantwortungsbewussten Länder bald mitmachen, angemessene ökonomische Maßnahmen gegen das syrische Regime zu ergreifen.»

wam/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • kelevra
  • Kommentar 1
  • 08.06.2012 00:57

Na sicher, die Arabische Liga, das sind unsere Arschlöcher gemäß Definition Kissingers,die machen brav mit sonst werden sie von ihren Bürgern weggespült wie Schweinedreck,und auch sonst gibt es Abhängige genug die billig zu kaufen sind.Jeder sollte"http://www.youtube.com/watch?v=m7BEenUr6ZQ" gesehen haben.Dank sei G'tt,daß Putin deren Chuzpe auch kennt.Den Zionnazis ist nämlich jedes Mittel recht um Syrien zu desavouieren und ihre Ziele zu erreichen.Sei es die Drohung mit Atomwaffen,sie verweigern ja jede Kontrolle,sei es das Dahinmetzeln ihnen mißliebiger Personen überall auf dieser Erde!

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