Von news.de-Redakteur Martin Walter
Tiefe Risse: Das neue Führungsduo der Linken übernimmt eine Partei mitten in ihrer schlimmsten Krise. Statt sich zu bekriegen sollen die verfeindeten Lager wieder aufeinander zugehen. Eine Herkulesaufgabe, doch es ist die letzte Chance der Linkspartei.
Katja Kipping und Bernd Riexinger heißen sie, die neuen Hoffnungsträger. Nach Monaten der Selbstzerfleischung soll das am Wochenende gewählte Führungsduo die Linke wieder in ruhigere und erfolgreichere Fahrwasser führen. Eine Herkulesaufgabe, deren Gelingen in den Sternen steht.
Wie tief die Risse in der Partei sind, demonstrierte - bei allen vorwärtsgewandten Parolen - der Parteitag in Göttingen noch einmal eindrücklich. Vor allem der offen geführte Streit zwischen den beiden Grandseigneurs, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, zog Mitglieder und Beobachter in ihren Bann.
Doch die Zerrissenheit der Partei lässt sich nicht an einzelnen Namen festmachen. Sie reicht viel tiefer. Selten kam der breite Graben zwischen den verfeindeten Lagern so offen zum Ausdruck, wie nach der Wahl von Bernd Riexinger.
Der Linke-Vorsitzende aus Baden-Württemberg hatte sich knapp gegen Dietmar Bartsch durchgesetzt und damit für überschwänglichen Jubel bei der westdeutschen Anhängerschar gesorgt. Die Internationale wurde intoniert, Riexinger wie ein Messias gefeiert. Eine Provokation. Auf der anderen Seite herrschte beinahe blankes Entsetzen, war Bartsch doch der große Hoffnungsträger des ostdeutschen Reformerflügels.
Zwischen diesen meilenweit auseinander liegenden Ufern muss das Duo Kipping und Riexinger nun eine Brücke bauen. Ein ambitioniertes Projekt, zumal die neue Spitze sich von Anfang an mit dem Makel eines schwachen Führungsduos herumschlagen muss. Es kann nur dann gelingen, wenn die Grabenkämpfe im Hintergrund beigelegt werden und die prominenten Köpfe der Linken sich künftig in Zurückhaltung üben.
Fünf Jahre nach dem Zusammengehen von PDS und WASG bleibt der Linkspartei gar keine andere Möglichkeit, als mit dem unbelasteten Führungsduo die Chance auf einen Neustart zu ergreifen. Es wird die letzte sein.
ham/news.de
Es liest ja so als ob Herr Walter da mit Herzblut dabei ist. Tut ihm wohl leid, daß sich die schönen linken Ideen als so gar nicht praxistauglich erweisen. Etwas weniger Verbildung ist angesagt, denn grau ist jede Theorie und grün des Lebens goldner Baum!
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