Kipping und Riexinger Linke-Chefs zünden Friedenspfeife an

Linkspartei
Die prominentesten Köpfe der Linken

Von Martin Roy
Vokabeln wie Spaltung und Grabenkämpfe sind für die neuen Chefs der Linkspartei Tabu. Katja Kipping und Bernd Riexinger wollen sich Sachfragen widmen. Ihre Partei müsse Lobbyistin der Schlecker-Frauen und Leiharbeiterinnen werden, fordert Kipping. Sie plant eine Zuhör-Tournee.

Mit Kunst und Kultur zur Versöhnung: Die neue Linke-Vorsitzende Katja Kipping will die Umgangsformen in ihrer zerstrittenen Partei zivilisieren. Nötig seien eine «Kultur der Offenheit» und die «Kunst des Zuhörens» verkündete Kipping in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung.

«Der Schlüssel zum Erfolg ist für uns eine Kultur der Offenheit und ein Gestus: Fragend schreiten wir voran», sagte sie der Zeitung. Die neue Parteiführung wolle mit einer Vorstellungstour durch alle Landesverbände um Vertrauen werben. Sie wolle zudem im Internet einen Blog für Vorschläge von Mitgliedern und Sympathisanten einrichten.

Ärger um Riexinger in Baden-Württemberg

Kippings Kollege an der Spitze der Linkspartei, Bernd Riexinger, will sich voll auf die Sacharbeit konzentrieren. «Wir müssen dringend zur Politik zurückkehren», sagte der 56-Jährige am Montag im Deutschlandfunk. Wenn es in einer Partei 80 Prozent Gemeinsamkeiten und 20 Prozent Differenzen gebe, dürften nicht die Differenzen in den Vordergrund gestellt werden. Die inhaltlichen Barrieren zwischen den Parteiflügeln seien überwindbar. Riexinger gilt als Vertreter des radikalen Flügels um den ehemaligen Parteichef Oskar Lafontaine.

Riexingers Kollegen in Baden-Württemberg verspüren jedoch deutliche Differenzen zu ihrem Landeschef. Aus Ärger über die Wahl trat der Kreisvorstand Zollernalb geschlossen zurück. Mit Riexinger als Parteivorsitzenden könne die Akzeptanz in der Bevölkerung als Voraussetzung für Wahlerfolge nicht erreicht werden. Nach der «katastrophalen» Landtagswahl 2011 habe er nicht ansatzweise dazu beigetragen, im ländlich geprägten Baden-Württemberg kommunalpolitisches Profil für die Linke zu entwickeln. Die Partei war bei der Landtagswahl mit 2,8 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Linke soll Lobbyistin der Schlecker-Frauen sein

Kipping forderte, die Linke müsse Lobbyistin der Leiharbeiterinnen, der bei der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker angestellten Frauen, der Solo-Selbständigen am Laptop und der Erwerbslosen sein, die auf dem Ämtern gedemütigt würden. Die Partei müsse sich zudem für Angestellte einsetzen, die in der gleichen Arbeitszeit immer mehr leisten müssten.

Mit Blick auf die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl im kommenden Jahr äußerte sich Kipping hoffnungsvoll, dass unter anderem Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, der Bundestagsfraktionsvorsitzende Gregor Gysi und Parteivize Sahra Wagenknecht eine wichtige Rolle spielen. Gysi sagte der Leipziger Volkszeitung nach dem harten Schlagabtausch beim Parteitag: «Ich werde noch mal mit Oskar reden.»

Lafontaine und Wagenknecht sind zugeknöpft

Lafontaine gab den beiden aber einen Korb. «Diese Frage habe ich definitiv beantwortet», sagte er der Passauer Neuen Presse. «Wir haben gute Inhalte und auch genügend Personal, das überzeugen kann.» Lafontaine hatte bei seinem Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz auch erklärt, er wolle nicht Spitzenkandidat werden.

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Seine Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht zeigte sich zugeknöpft. «Diese Frage ist für mich offen», sagte sie der Leipziger Volkszeitung. Sie werde sich für ein möglichst gutes Ergebnis bei der Bundestagswahl einsetzen.

Lafontaine forderte die Linke auf, ihre Sachvorschläge in den Vordergrund zu rücken. Der französische Präsident François Hollande halte seine Vorschläge zur Lösung der Euro-Krise für richtig. «Aufgrund unserer Streitigkeiten weiß das in Deutschland nur leider niemand», klagte er. Die SPD forderte er auf, ihr Verhältnis zur Linken neu zu definieren und zur Zusammenarbeit bereit zu sein. Ansonsten verurteile sie sich selbst dazu, im Bund Oppositionspartei zu sein.

iwi/news.de/dapd

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Oliver
  • Kommentar 3
  • 06.06.2012 14:38

Schade ist es schon vorbei mit dem Theater? Hätte ruhig noch ein paar Jahre so weiter gehen können. Es gibt Parteien, auf die man getrost verzichten kann. Sind doch schon alle Themen besetzt und wenn man sich die anderen Parteien so ansieht, dann haben die alle in ganz bestimmten Punkten eine veräterische übereinstimmung... Irgendwann wird Michel schon merken, was er von diesen Lügenbolden hat und den Scherbenhaufen aufräumen müssen.

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  • ART
  • Kommentar 2
  • 06.06.2012 09:15

Vorsicht, noch einer mit "seiner"Wahrheit! Da haben schon ganz andere Wahrheit und Wirklichkeit verwechselt. Die Katholische Kirche mit der Ausrottung ganzer Völker und Kulturen für dessen Gold in Amerika oder ein Herr Hitler mit der Ermordung von 6 Millionen Juden,da ja nur blond und blauäugig seiner Wahrheit entsprach.Oder die Ermordung Andersdenkender durch Stalin,die dessen Wahrheit nicht entsprachen.Ich stell mir gerade vor,was wohl ein uwe schmidt mal macht,wenn es in ein paar Jahren die beiden alten Männer nicht mehr da sind?Holt sich Frau Wagen.... dann einen neuen"Wahrheits-Knecht"?

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  • uwe schmidt
  • Kommentar 1
  • 04.06.2012 23:05

,,ja wenn herr lafontaine, herr gysi und frau wagenknecht federführend für die linken sind,, gruß von der wahrheit,, alles andere wird euch linke an die wand fahren,, !

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