Parteitag in Göttingen Zerbricht die Linke am Führungschaos?

Die Linkspartei steuert auf einen turbulenten Parteitag zu. Wochenlange Diskussionen um die Nachfolge von Klaus Ernst und Gesine Lötzsch haben die Linke in ein existenzielles Führungschaos gestürzt. In Göttingen entscheidet sich die Zukunft der gesamtdeutschen Partei.

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Angefangen hatte alles mit dem Rücktritt von Gesine Lötzsch. Aus Rücksicht auf ihren kranken Mann kündigte die Vorsitzende der Linken im April überrraschend an, ihr Amt niederzulegen. Es folgten zwei verheerende Landtagswahlen mit Ergebnissen deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde und eine sich bis hin zur Posse zuspitzende Personaldiskussion.

Was wird aus Parteichef Klaus Ernst? Wirft Oskar Lafontaine noch einmal seinen Hut in den Ring? Tritt Dietmar Bartsch für den Altmeister von seinen Ambitionen zurück? Soll eine weibliche Doppelspitze es richten? Könnte Aushängeschild Sahra Wagenknecht die zerissene Partei einen? 

Nur einige von unzähligen Personalfragen, welche die Linkspartei in ein beispielloses Führungschaos gestürzt haben. Klar ist nach wochenlangen Diskussionen nur, wer es nicht macht. Oskar Lafontaine zog sein Angebot einer Kandidatur beleidigt zurück, nachdem Dietmar Bartsch keine Anstalten machte, zu verzichten. Seine wenig später ins Gespräch gebrachte Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht lehnte ebenfalls ab. Sie möchte weiter als stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende fungieren. Auch die ehemaligen Frontmänner Gregor Gysi oder Lothar Bisky verzichteten auf Nachfrage dankend.

Für den am Samstag beginnenden Parteitag in Göttingen verbleiben damit vier Männer und acht Frauen im Rennen um die vorgeschriebene Doppelspitze, die mindestens zur Hälfte weiblich besetzt werden muss. Hinzu kommt möglicherweise Klaus Ernst, der am Vortag einen überraschenden Schwenk vollführte und sich eine erneute Kandidatur vorbehielt.

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Das Gebot der Stunde heißt Integration

Hinter dem personellen Machtkampf der Linken verbirgt sich eine schwierige Interessen- und Gemengenlage in der 2007 aus PDS und WASG hervorgegangenen Partei. Die Führungsdiskussion lässt die Unterschiede zwischen West und Ost, zwischen radikalen Linken und Reformern, offen zutage treten. 

Der Reformerflügel stützt vor allem Bundestagsfraktionsvize Dietmar Bartsch, der linke Flügel hatte sich Hoffnungen auf eine Rückkehr von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine gemacht. Als Ersatz für ihn wird nun der baden-württembergische Landeschef Bernd Riexinger ins Rennen gehen.

Das Frauenduo Katja Kipping und Katharina Schwabedissen wirbt dagegen konsequent für eine integrative Lösung. Linke-Vize Katja Kipping betonte kurz vor dem Parteitag gegenüber der Nachrichtenagentur dapd, sie wolle die Partei als Vorsitzende auf einen «Weg jenseits des Lagerdenkens» führen. Schwabedissen plädierte dafür, die «Pole der Partei» zusammenzuführen. Kipping und Schwabedissen gehen als Doppelpack ins Rennen.

Wer auch immer das Ruder der Linken übernehmen wird, tritt einen harten Job an. Laut einer aktuellen Umfrage des Institutes YouGov traut fast die Hälfte der Deutschen der Linkspartei den Wiedereinzug in den Bundestag im kommenden Jahr nicht mehr zu. Noch verheerender erachten die Befragten deren Perspektive: Nur 27 Prozent sehen für die Linke überhaupt eine Zukunft als gesamtdeutsche Partei.

zij/news.de/dapd

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • ART
  • Kommentar 5
  • 05.06.2012 11:29
Antwort auf Kommentar 4

Die Anständigen waren die Wähler, die zur letzten Bundestagswahl die fdp auf 14,6 Prozent brachte. Die Hälfte aller Wahlberechtigten wurden von der cdu,csu und fdp als Bürger bezeichnet. Man sprach vom bürgerlichen Lager. Die andere Hälfte der deutschen Wahlberechtigten kam nicht vor. Nun wissen die "Kleinbürger"wozu sie behutzt wurden. Ich spreche vom"Bürgerdumm"! Die"Fratze des Kapitalismus"getragen von den fdp-Finanzmatratzen haben der Linken Platz im politischen Spektrum gegeben.Der Genosse der Bosse hat die SPD verkauft und nun leckt das Bürgerdumm und die Linke ihre Wunden.

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  • Siegfried Kunze
  • Kommentar 4
  • 04.06.2012 09:09

Allen Unkenrufen zum Trotz ist Die Linke nicht zerbrochen, nun tot gesagte leben länger. sicher, es muss sich da noch einiges tun damit eine homogene Einheit entsteht die Geschlossenheit zeigt und die Themen abarbeitet, die unter den Nägeln brennen. Chaos herrscht auch beim schwarzgelben Haufen, der sich Regierungskoalition nennt, da braucht der Politpsychopath RAG gar nicht das Maul aufzureißen, denn dieser irre Kapitalismuseinpeitscher langweilt nur. Wen meint er eigentlich mit "Anständigen" ? Etwa solche Politverbrecher wie Rösler und Konsorten? RAG redet wie ein Blinder von der Farbe!

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  • hpklimbim
  • Kommentar 3
  • 03.06.2012 10:49
Antwort auf Kommentar 1

Ich muss Ihnen hier erneut ganz energisch widersprechen. Es muss die Linken genauso geben wie die Rechten. Schon allen, damit die demokratische Mitte das Volk nicht aus den Augen verliert. Genau daran mangelt es derzeit ganz gewaltig. Denn bei der demokratischen Mitte ist schon viel zu lange nur noch der Name das Programm, der Rest ist geistloses Gehunze als volksfremde Politik und amtlich betriebene Hartz-IV-Zucht.

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