International 50 Jahre Gefängnis für Ex-Diktator Charles Taylor

Den Haag/Addis Abeba - Eine Warnung für alle Diktatoren mit Blut an den Händen: Wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist der liberianische Ex-Diktator Charles Taylor zu 50 Jahren Haft verurteilt worden.Dieses Strafmaß verkündeten die Richter des UN-Sondertribunals für Sierra Leone am Mittwoch in Leidschendam bei Den Haag.

50 Jahre Gefängnis für Ex-Diktator Charles Taylor (Foto)
50 Jahre Gefängnis für Ex-Diktator Charles Taylor Bild: dpa

Die Zeit seit Taylors Festnahme im Jahr 2006 wird vom Strafmaß abgezogen. In Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, reagierten viele Menschen mit Jubel. Taylors Anhänger in Liberia kritisierten dagegen das Strafmaß als zu hoch.

Der Richterspruch bedeutet für den 64-jährigen ehemaligen Rebellenführer und Politiker «lebenslang». Taylor ist das erste ehemalige Staatsoberhaupt, das seit den Nürnberger Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg von einem internationalen Gericht verurteilt wurde.

Die Richter hatten bereits Ende April entschieden, dass Taylor eine Mitschuld an Grausamkeiten des Bürgerkriegs im westafrikanischen Sierra Leone trägt. Der damalige Präsident Liberias unterstützte die dortigen Kriegsherren. Bezahlen ließ er sich mit «Blutdiamanten».

Taylors Anwälte wollen die Entscheidung anfechten, die Staatsanwaltschaft erwägt ebenfalls eine Berufung. Chefanklägerin Brenda Hollis hatte eine Strafe von 80 Jahren Gefängnis gefordert.

Die elf Anklagepunkte, deren Taylor schuldig gesprochen wurde, «sind außerordentlich gewichtig, was die Größenordnung und Brutalität der Taten angeht», sagte Richter Richard Lussick bei der Verlesung des Strafmaßes.

In dem mehr als zehnjährigen Konflikt in Sierra Leone mordeten, vergewaltigten und verstümmelten die Milizen die Bevölkerung und zwangen Kinder zum Dienst als Soldaten. Taylor musste sich für seine Taten im Zeitraum zwischen November 1996 und Januar 2002 verantworten.

Taylors Anwalt Courtenay Griffiths sprach harsch von selektiver Rechtsprechung: «Die Starken können tun, was sie wollen aber die Armen und Schwachen müssen sich in Acht nehmen - sonst fühlen sie die volle Wucht der internationalen Strafgesetze». Er erinnerte an Syriens Baschar al-Assad, der trotz jüngsten Berichten von Massakern weiter im Amt ist.

Zurückhaltend reagierte die Chefanklägerin. «Heute ist kein glücklicher Tag, denn wir sind heute hier wegen der entsetzlichen Verbrechen, die gegen das Volk von Sierra Leone begangen wurden», sagte Brenda Hollis. Der Spruch bringe jedoch immerhin eine gewisse Gerechtigkeit.

In Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, wurde die Verkündung des Strafmaßes live vor einer Menschenmenge übertragen. Viele Menschen im ehemaligen Bürgerkriegsland bejubelten den Spruch.

In Taylors Heimatland sieht die Sache anders aus: In Liberia hatten viele bis zuletzt darauf gehofft, dass der charismatische Politiker nach Monrovia zurückkehrt. Vor allem zu Beginn seiner Präsidentschaft 1997 war er ein beliebtes Staatsoberhaupt. Viele Bürger verehrten ihn wie einen Rockstar.

Der Mammutprozess mit über hundert Zeugen in Den Haag hatte im Juni 2007 begonnen. In den Zeugenstand traten auch Prominente wie der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela, die US-Schauspielerin Mia Farrow und das britische Top-Model Naomi Campbell. Letztere hatte in Kapstadt Diamanten geschenkt bekommen, die laut Anklage von Taylor stammten. Sie kenne die Herkunft der Edelsteine nicht, sagte Campbell aus.

UN-Tribunal zu Sierra Leone (auf Englisch)

UNICEF zum Bürgerkrieg

UN zur Friedensmission in Sierra Leone (auf Englisch)

Informationen des Auswärtigen Amts zu Sierra Leone

news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig