G8-Gipfel Merkel und Cameron im Fußball-Fieber

Das Finale dahoam ging vor. Beim G8-Gipfel in Camp David schlichen sich Kanzlerin Merkel und der britische Premier Cameron davon, um das Champions-League-Endspiel zwischen dem FC Bayern und Chelsea zu verfolgen. Einen Schulterschluss der G8-Nationen gab es indes nicht.

G-8 Gipfeltreffen in Camp David (Foto)
So viel Zeit muss sein: Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premier David Cameron guckten gemeinsam das Champions-League-Finale. Bild: dapd

Die hochdramatische Niederlage der Bayern im Champions-League-Finale hat auch die Staats- und Regierungschefs der G-8 in ihren Bann gezogen. Auf dem Landsitz von US-Präsident Barack Obama in Camp David bei Washington stahlen sich am Samstag Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premier David Cameron aus dem Konferenzraum - und verzogen sich nach nebenan zum Fußballgucken.

Nach und nach gesellten sich immer mehr Staatenlenker hinzu, sodass beim Elfmeterschießen gegen Chelsea unter anderem Obama, der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper, EU-Ratspräsident Herman van Rompuy sowie zahlreiche enge Mitarbeiter mitfieberten.

Cameron fiel Merkel nach Abpfiff um den Hals

Merkel befürchtet nun, dass die frustrierten Bayern-Stars ihren Kopf nicht freihaben für die wichtige EM-Vorbereitung der Nationalelf. «Da ist viel psychologische Aufbauarbeit notwendig», sagte die Regierungschefin auf dem Weiterflug zum Nato-Gipfel nach Chicago. Cameron habe zunächst vorhergesagt, dass das deutsche Team sowieso «wie immer» das Elfmeterschießen gewinnen werde. Als schließlich Chelsea siegte, sei ihr Cameron um den Hals gefallen. «Da hatte ich dann auch nichts von», kommentierte Merkel trocken.

Schuldenkrise: Der Euro in Not

Zuvor, während der dramatischen Schlussphase, sei Obama spaßhaft dazwischen gegangen, um einen deutsch-britischen Fußball-Streit auf höchster Ebene zu verhüten, berichtete Merkel.

Kein Schulterschluss der G8-Nationen

Die Staats- und Regierungschefs wichtiger Industriestaaten hatten sich zwei Tage lang in Camp David getroffen, Gastgeber war erstmals US-Präsident Obama. Einen Schulterschluss gab es dabei nicht, die G8-Nationen fanden keinen gemeinsamen Weg für den Abbau von Schuldenbergen und für mehr Wachstum.

In Camp David bei Washington verabschiedeten die Staats- und Regierungschef lediglich eine unverbindliche Absichtserklärung. Deutschland stellte sich ausdrücklich weiter gegen milliardenschwere Konjunkturprogramme auf Pump. In der Abschlusserklärung betonten die G8 am Samstag (Ortszeit), dass die Ausgangslage ihrer Volkswirtschaften zu unterschiedlich sei. «Unser Gebot ist, Wachstum und Jobs zu schaffen», lautete letztlich der kleinste gemeinsame Nenner.

Somit wurde der von Bundeskanzlerin Merkel geforderte Kurs der Haushaltssanierung genauso gewürdigt wie die Möglichkeit, staatliche Programme für mehr Wachstum aufzulegen.

Mit dieser Position sympathisieren der im Wahlkampf stehende US-Präsident Barack Obama und der neue französische Präsident François Hollande, der bei seinen Wählern im Wort steht. Die Kanzlerin hatte klargemacht, dass gerade auf Pump gekauftes Wachstum zu der noch immer bedrohlichen Euro-Schuldenkrise geführt habe.

G8 sind sich einig: «Wachstum und Jobs haben Priorität»

Unter den westlichen Industriestaaten hat Deutschland derzeit beim Wachstum eine Spitzenposition. Die USA und Frankreich beklagen beispielsweise schwache Wachstumsraten und hohe Arbeitslosigkeit, Großbritannien steckt noch in der Rezession.

Zur Gruppe der Acht gehören die USA, Kanada, Japan, Russland, Deutschland, Frankreich und Italien. Auch die Spitze der Europäischen Union sitzt am Verhandlungstisch. Den G8-Vorsitz übernimmt 2013 Großbritannien.

«Wir haben alle zugestimmt, dass Wachstum und Jobs unsere Priorität sind», sagte Obama zum Abschluss des zweitägigen Gipfels. Wachstum und Haushaltssanierung schlössen sich nicht aus: «Wir wissen, dass dies möglich ist.»

Obama fürchtet angesichts der mäßigen Konjunktur um die Wiederwahl im November. Auch deshalb setzte er sich mit dem Vorschlag durch, im Kampf gegen hohe Ölpreise notfalls strategische Ölreserven freizugeben. In den USA sind die Benzinpreise derzeit relativ hoch.

Hollande pocht auf mehr Wirtschaftswachstum

Hollande pochte - wie zuvor im Wahlkampf - auf mehr Wirtschaftswachstum: «Es gibt kein Wachstum ohne Vertrauen und es wird kein Vertrauen ohne Wachstum geben.»

Auch wenn der Ölpreis in der vergangenen Woche auf ein Sechs-Monats-Tief gefallen waren, wollten die USA offensichtlich für den Fall eines israelischen Angriffs auf die iranischen Atomanlagen vorsorgen. Dann könnte der Iran die Straße von Hormus blockieren, eine wichtige Schiffsroute für den Öltransport.

Griechenland soll in Eurozone bleiben

Angesichts der Turbulenzen in der europäischen Schuldenkrise lehnte die G8 einen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone ab. «Alle G8-Mitgliedstaaten wollen, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt», sagte Merkel. Voraussetzung sei, dass das Land seine Verpflichtungen einhalte. «Das ist von allen gleichermaßen hier so geteilt worden.» Obama sagte: «Die politischen Führer wissen, was auf dem Spiel steht.» Hollande machte sich bei seinem ersten Gipfel dafür stark, Griechenland zusätzlich zu unterstützen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Merkel und Obama trafen nach dem G8-Gipfel in Camp David zu einem Gespräch zusammen. Nach Angaben des Weißen Hauses erörterten sie erneut die Eurokrise sowie die Lage der Weltwirtschaft.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew vertrat Russlands Präsident Wladimir Putin, der Obama eine Absage erteilt hatte. Ohne Putin fehlte es dem Gipfel an Schlagkraft.

Echte Ergebnisse dürften erst beim Treffen der 20 größten Volkswirtschaften der Erde erwarten sein, wenn sich in knapp vier Wochen die G20 im mexikanischen Los Cabos treffen.

cvd/news.de/dapd

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • beagle
  • Kommentar 1
  • 26.05.2012 23:34

Ja mit ihrem eigenem Drachmen und dem Euro als 2. Zahlungsmittel.Nur so können sie erstmal ihr Land in Ordnung bringen.Die DDR hatte die Mark,ddie DM ,Forumscheks. das ging auch.

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