Landtagswahl 2012 In Schleswig-Holstein ist alles möglich

Landtagswahl in Schleswig-Holstein
Die Kandidaten im Norden
Jost de Jager will Carstensen beerben (Foto) Zur Fotostrecke

17.55 Uhr: Da sag' noch einer, der Norden sei grau. Schaut man sich die in Frage kommenden Koalitionen an, wird es bunt. Die SPD hält die sogenannte Dänen-Ampel aus Sozialdemokraten, Grünen und der Partei für die dänische Minderheit, SSW (Südschleswigscher Wählerverband), für denkbar. Der SSW ist von der Fünf-Prozent-Sperrklausel befreit. Doch für das Dreierbündnis könnte es knapp werden: Einer ARD-Umfrage und dem ZDF-Politbarometer zufolge kommt die Dänen-Ampel auf knapp unter 50 Prozent der Wählerstimmen.

Sollte es folglich nicht reichen, gilt die große Koalition als wahrscheinlich. Vorbild könnte das Bündnis von Union und SPD zwischen 2005 und 2009 im Bund sein: Im Nachhinein bewerten viele diese Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als erfolgreich und stabil. Unklar ist, welche Partei den neuen Ministerpräsidenten stellt: Nach den Umfragen rangeln CDU und SPD mit 31 bis 33 Prozent um Platz eins.

Rechnerisch wahrscheinlich dürfte auch eine Jamaika-Mehrheit aus CDU, FDP und Grünen sein. Doch die Grünen lehnen ab. Zudem ist Jamaika schon im Saarland schiefgegangen. Möglich wäre auch eine Ampel aus SPD, FDP und Grünen. Neben Kubicki hat auch SPD-Fraktions- und Landeschef Ralf Stegner eine solche Koalition jedoch ausgeschlossen.

17.40 Uhr: Nach der Wahl ist vor dem Koalitionspoker. Sollten die Ergebnisse keine deutlichen Mehrheitsbündnisse zulassen, wird eine große Koalition wahrscheinlich. «Sicherlich nicht die erste Wahl», sagte SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig im ZDF. Jost de Jager von der CDU will das aber im Sinne einer «stabilen Regierung» nicht ausschließen.

17:35 Uhr: Für die Wahlbeteiligung in Schleswig-Holstein zeichnet sich ein deutliches Tief ab. Bis 17.30 Uhr hatten geschätzt 55,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, wie die Landeswahlleiterin mitteilte. 2009 waren es bis zu diesem Zeitpunkt bereits 69,1 Prozent. Allerdings fand seinerzeit zeitgleich die Bundestagswahl statt. Die endgültige Wahlbeteiligung lag 2009 bei 73,6 Prozent.

Zum Vergleich: Bei der Stichwahl des französischen Präsidenten an diesem Sonntag bis 17 Uhr 71,96 Prozent der Wähler ihre Stimme ab, wie das Pariser Innenministerium mitteilte. Insgesamt wird mit einer Beteiligung von bis zu 80 Prozent gerechnet.

17.10 Uhr: Noch eine Dreiviertelstunde, dann schließen die Wahllokale in Schleswig-Holstein. Prognosen von ARD und ZDF werden unmittelbar danach erwartet. Bei einer Vorwahlumfrage von infratest dimap im Auftrag der Tagesschau lag die SPD mit 32 Prozent knapp vor der CDU mit 30 Prozent. Die Piraten (9 Prozent) und die FDP (6 Prozent) würden demnach den Sprung in den Landtag schaffen.

Bei der Landtagswahl im September 2009 erzielte die CDU 31,5 Prozent, die SPD 25,4 Prozent, die FDP 14,9 Prozent und die Grünen 12,4 Prozent. Die Linke erhielt 6 Prozent und der Südschleswigschem Wählerverband (SSW) 4,3 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,6 Prozent.

Ob die Nord-SPD eine Koalition mit Grünen und SSW - die sogenannte Dänen-Ampel - bilden kann, hängt auch vom Ergebnis der FDP und der Piraten ab. Die CDU will so viele Stimmen holen, dass eine Regierungsbildung ohne sie nicht möglich ist. Eine Neuauflage der schwarz-gelben Koalition ist nach den Umfragen aber nicht in Sicht.

zij/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • martin1166
  • Kommentar 3
  • 07.05.2012 00:02

Die FDP feiert sich als Wahlsieger, weil sie "nur" 6,7 Prozentpunkte verloren hat - wie bescheiden die Partei der Selbstbereicherer doch plötzlich werden kann ...

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  • Pazifiko
  • Kommentar 2
  • 06.05.2012 21:49

Wäre wirklich interessant zu wissen, wieviele Wähler jeweils von FDP und Linken zu Piraten und SPD die Seiten gewechselt haben. Sehr logisch ist dieses Wanderverhalten jedenfalls nicht. Es zeigt uns dass ein recht großer Anteil der Wählerschaft ganz offensichtlich überhaupt keine Ahnung hat von Politik sowie Ausrichtung und Interessen der einzelnen Parteien. Besonders schlimm sind die Konsequenzen, wenn dieser Anteil der ahnungslosen oder auch der verdrossenen Wählerschaft das Zünglein an der Waage zu einer neuen Regierungsbildung ausmachen. 1933 führte solch eine Situation in die Katastrophe.

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  • Mailyn Pelagio
  • Kommentar 1
  • 06.05.2012 19:05

SPD, CDU, FDP und Grüne stärkste Parteien... das gibt ein Freudenfest bei den Salafisten und ihren muslimischen Bewunderern.

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