Wahlen Schicksalswahl in Griechenland

Schicksalswahl in Griechenland (Foto)
Schicksalswahl in Griechenland Bild: dpa

Athen - Die Griechen sind an diesem Sonntag aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Alle Beobachter sprechen von einer Schicksalswahl für das vom Staatsbankrott bedrohte Land.

Es werde darüber entschieden, ob Athen sein hartes Sparprogramm fortsetzt und weitere Finanzhilfen bekommt - oder ob Griechenland einen eigenen, anderen Weg gehen will. «Wir brauchen einen klaren Kopf und eine klare Wahl, damit es mit Griechenland ab Montag vorangeht», sagte der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias im Fernsehen.

Der scheidende Ministerpräsident Lucas Papademos zeigte sich zuversichtlich, dass das Land in der kommenden Woche eine neue Regierung haben wird. «Ich glaube ja», antwortete der Finanzexperte im griechischen Fernsehen auf eine entsprechende Frage. «Heute wird der Kurs des Landes für die nächsten Jahre definiert», fügte Papademos nach der Stimmabgabe hinzu. Ende Mai braucht Griechenland dringend wieder frisches Geld, um Staatsbedienstete und Renten zu bezahlen.

Nach Angaben von Innenminister Tassos Giannitsis verlief die Wahl zunächst ohne nennenswerte Probleme. «Wir hoffen, dass es so bleibt», sagte er im Fernsehen. Um die 300 Sitze im Parlament kämpfen insgesamt 32 Parteien. Wahlbekrechtigt sind rund 9,7 Millionen Bürgerinnen und Bürger. Die Wahlbeteiligung soll sehr hoch sein. Genaue Zahlen nannte das Innenministerium aber nicht.

Zentrales Thema im Wahlkampf war das umstrittene Sparprogramm, das für Millionen Griechen erhebliche Einschnitte bedeutet. Konservative und Sozialisten setzen sich für die Fortsetzung des Spar- und Stabilisierungskurses ein. «Die Griechen wählen heute für die Zukunft ihrer Kinder. Sie stimmen für Stabilität, für Wachstum, Sicherheit und Gerechtigkeit», sagte der Chef der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, nach der Stimmabgabe im Fernsehen. «Es sind die kritischsten Wahlen seit 1974 (Wiederherstellung der Demokratie in Griechenland)», sagte der Chef der Sozialisten, Evangelos Venizelos. Die Bürger sollten mit Vernunft und nicht unter dem Druck der Wut ihre Stimme abgeben, fügte Venizelos hinzu.

Linke Traditionsparteien sowie extremistische Bündnisse am rechten und linken Rand des Parteienspektrums warben mit dem Versprechen, dass sie das von ausländischen Gläubigern diktierte Sparprogramm lockern könnten. «Das Volk schickt heute eine Nachricht an Europa», meinte der Chef des Bündnisses der Linken, Alexis Tsipras. Es gebe keinen Platz für die «Barbarei der Sparprogramme» in Europa, sagte er im Fernsehen. Umfragen deuten auf eine Zersplitterung der politischen Landschaft im neuen griechischen Parlament hin. Zwar liegt die konservative Nea Dimokratia vorn, ihr dürfte allerdings die nötige Mehrheit für eine Alleinregierung fehlen.

Innenministerium

news.de/dpa

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