Aggressives TV-Duell Sarkozy und Hollande kämpfen drei Stunden

Das erste und einzige direkte Duell zwischen Präsident Sarkozy und Herausforderer Hollande war von A (Foto)
Das erste und einzige direkte Duell zwischen Präsident Sarkozy und Herausforderer Hollande war von Anfang an durch einen offensiven Ton geprägt. Bild: dpa

Knapp drei Stunden erbitterter Kampf mit Worten: Das große TV-Duell galt für Frankreichs Präsident Sarkozy als letzte Chance. In Umfragen zur Wahl am Sonntag lag er bisher hinter Herausforderer Hollande. Kann Sarkozy die Meinung der Franzosen drehen?

Mit dem großen TV-Duell zwischen Nicolas Sarkozy und François Hollande ist der französische Präsidentschaftswahlkampf auf die Zielgerade gegangen. Der amtierende Präsident und sein sozialistischer Herausforderer lieferten sich am Mittwochabend einen knapp dreistündigen verbalen Schlagabtausch.

In beiden Lagern wurde die teilweise sehr hitzig geführte Rededebatte als mögliche Vorentscheidung vor der finalen Stichwahl am Sonntag gesehen. In Umfragen lag der Sozialist Hollande bis zuletzt klar vor dem konservativen Amtsinhaber Sarkozy - etliche Wähler gaben aber an, noch unentschlossen zu sein.

Französischer Präsident
Sarkozy und die Frauen
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Deutschland als Vorbild

Das erste und einzige direkte Duell der Präsidentschaftskandidaten war von Anfang an durch einen offensiven Ton geprägt. Der 57-jährige Sarkozy versuchte mit Angriffen auf das Zahlenwerk im Wahlprogramm seines gleichaltrigen Kontrahenten zu punkten. Hollande dagegen konterte mit Hinweisen auf die Regierungsbilanz des um eine zweite Amtszeit kämpfenden Staatschefs - und die hohen Arbeitslosenzahlen.

«Sie suchen permanent Sündenböcke, es ist nie Ihre Schuld», betonte er, als Sarkozy auf die Krise verwies. Dieser warf Hollande hingegen vor, sich nicht am erfolgreichen Modell Deutschland orientieren zu wollen. «Wettbewerbsfähigkeit ist das Schlüsselwort», sagte Sarkozy. «Glauben Sie wirklich, dass Sie mir alles sagen können?», empörte sich Hollande, als er der Lüge bezichtigt wurde.

Die Pläne der Wahlkämpfer zum Abbau des französischen Budgetdefizits standen im Zentrum der von Millionen Franzosen verfolgten Debatte. Beide bezogen sich in ihren Reden mehrfach auf Deutschland und dessen wirtschaftliche Bilanz. In der Europa-Politik hielt der Sozialist seinem Kontrahenten mit Blick auf Frankreichs wichtigsten Partner Deutschland vor: «Sie haben sich nicht gut gehalten, Sie haben nichts erhalten (von Deutschland)!»

Kernkraft oder Energiewende?

Hollande will unter anderem Spitzenverdiener deutlich höher belasten, projektbezogene Eurobonds einführen und die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) ausweiten, um das Wachstum anzukurbeln. «Selbst von der deutschen Seite gibt es dazu schon eine neue Geisteshaltung», behauptete er.

Sarkozy, der erneut Eurobonds ablehnte, plant nach deutschem Vorbild die Verankerung einer Schuldenbremse in der Verfassung. Hollande will unter anderem den Fiskalpakt neu verhandeln und bis Ende 2012 die französischen Truppen aus Afghanistan abziehen. Sarkozy hält beide Vorschläge für unverantwortlich.

Im Bereich der Atompolitik verteidigte der Präsident die 58 Kernreaktoren des Landes mit den Worten: «Die Atomenergie ist ein französischer Trumpf - unsere deutschen Freunde zahlen 35 Prozent mehr für ihren Strom als wir.» Deutschland habe im Bereich der erneuerbaren Energien eine knappe Viertel Million Arbeitsplätze, Frankreich 50.000», konterte Hollande, der bei seiner Wahl das AKW Fessenheim an der deutsch-französischen Grenze schließen will. Es ist das älteste des Landes.

Stimmungswechsel zugunsten Sarkozy unwahrscheinlich

Erste Analysen zum möglichen Einfluss des TV-Duells auf die Stimmung im Land wurden für diesen Donnerstag erwartet. Frankreichs Medien sahen am Donnerstag in ersten Bilanzen mehrheitlich keinen klaren Sieger. Der Tenor lautete: «Es war eine sehr angespannte und sehr technische Debatte» (Le Parisien). Mit Blick auf die Schärfe des Tons der beiden Kandidaten war von einem «gnadenlosen Duell» die Rede.

Anhänger Sarkozys hofften, dass er mit einer überzeugenden Vorstellung doch noch einen Stimmungsumschwung auslösen könnte. Im Lager des Sozialisten herrschte hingegen Gelassenheit. Es sei unwahrscheinlich, dass Sarkozy infolge des TV-Duells einen Rückstand von rund sieben Prozentpunkten aufholt, hieß es. Meinungsforscher hatten Hollande am Mittwoch bei 53,5 bis 54 Prozent gesehen, Sarkozy bei nur 46 bis 46,5 Prozent.

In der zweiten Runde der französischen Präsidentenwahl sind am kommenden Wochenende rund 46 Millionen Franzosen aufgerufen, das Staatsoberhaupt für die kommenden fünf Jahre zu wählen. Sollte Hollande gewinnen, käme 17 Jahre nach dem Ende der Amtszeit von François Mitterrand erstmals wieder ein Sozialist an die Macht.

jag/zij/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Eso-Vergelter
  • Kommentar 1
  • 03.05.2012 21:18

Mit Hollande wird es eine sozialere Politik geben. Aber leider tut Hollande wenig gegen die Einwanderung. Glücklicherweise wird im Juni die Partei FN ins Parlament einziehen. Und bei der Wahl in NRW werden die Tierschutzpartei und Pro NRW viele Stimmen bekommen. Es wird u. a. die orthodoxe Medizin durch Naturheilkunde und Eso-Heilen ergänzt. Z. B. können Krampfadern mit der Linser-Methode ohne Operation zerstört werden. Diese positive Entwicklung wird sich fortsetzen, und explosionsartig zunehmend, und dessengleichen nie da war! -

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