Steuererklärung Freibetrag soll auf 1150 Euro steigen

Mit einem Elf-Punkte-Plan wollen die Bundesländer einen neuen Vorstoß zur Steuervereinfachung unternehmen. Zentrales Vorhaben soll nach Medienberichten die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrages um 150 Euro sein.

Arbeitnehmer-Freibetrag soll angehoben werden (Foto)
Mehr Geld und weniger Arbeit: Ein höherer Arbeitnehmer-Pauschbetrag würde die Steuererklärung erheblich vereinfachen. Bild: dpa

Ein entsprechender Vorschlag soll heute von der Finanzministerkonferenz beraten werden. Zentrales Vorhaben sei die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrages um 150 Euro auf 1150 Euro, berichten die Süddeutschen Zeitung und Die Welt. Davon profitierten rund eine Million Arbeitnehmer.

Ein höherer Arbeitnehmer-Pauschbetrag vereinfacht die Steuererklärung erheblich, da der Nachweis der einzelnen Ausgaben entfällt. Hat der Steuerpflichtige Werbungskosten, die unter diesem Betrag liegen, muss er durch die Anhebung zudem weniger Steuern zahlen. Bereits im vergangenen Jahr war der Betrag um 80 Euro auf 1000 Euro angehoben worden. Dieser Betrag war aber im Gesetzgebungsverfahren als zu gering bezeichnet worden.

Vereinfachung auch bei Nutzung des häusliches Arbeitszimmers

Auch für die Nutzer eines häuslichen Arbeitszimmers wollen die Finanzminister der Vorlage zufolge die Steuererklärung vereinfachen. Künftig soll es Arbeitnehmern möglich sein, pauschal pro Monat 100 Euro beim Finanzamt als Aufwand anzugeben.

Finanzbetrug: Riskante Steuertricks

Bisher mussten die Steuerpflichtigen die anteilig auf das Arbeitszimmer entfallenen Kosten für Miete, Finanzierung, Strom und Heizung nachweisen. Das bedeutete für sie, aber auch für die Mitarbeiter der Finanzämter, einen hohen Aufwand.

Damit die Steuererleichterungen keine Löcher in die staatlichen Kassen reißen, wollen die Länder an anderer Stelle Mehreinnahmen erwirtschaften. So sollen beispielsweise Handwerkerrechnungen unter 300 Euro künftig nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden können. Das trifft eine verhältnismäßig hohe Anzahl von Steuerzahlern. Nach Daten der Länder lagen 2008 rund 56 Prozent der geltend gemachten Arbeitskosten für Handwerker unterhalb dieser Schwelle.

Eine weitere Regelung betrifft die Beteiligten an Private-Equity-Gesellschaften. Die Länder wollen eine Steuervergünstigung streichen, die bislang für einen Teil ihrer Einnahmen («carried interest») gilt. Derzeit müssen die Investoren auf 40 Prozent dieser Einnahmen keine Steuern zahlen.

Beschlussfassung am Donnerstag noch offen

Bei der Abstimmung mit den anderen Ländern befinde man sich «auf der Zielgeraden», sagte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) der Tageszeitung Die Welt. «Ob wir bereits auf der aktuellen Finanzministerkonferenz einen entsprechenden Beschluss fassen können oder auf der nächsten, ist noch offen.» Man sei zuversichtlich, dass man schon bald einen gemeinsamen Vorschlag machen und im Bundesrat eine Gesetzesinitiative starten könne, sagte Carsten Kühl (SPD), Finanzminister von Rheinland-Pfalz.

Nach Informationen der Welt sollen auch die Pauschalbeträge für behinderte Menschen angehoben werden. Nach Angaben von Kühl führt das Steuervereinfachungspaket nicht zu Einnahmeausfällen. «Die Maßnahmen sind unter dem Strich aufkommensneutral», sagte Kühl.

Das bedeutet allerdings auch, dass einige Gesetzesänderungen zu Belastungen bei den Steuerzahlern führen werden. So soll die Freigrenze für Sachbezüge des Arbeitgebers nach den Vorschlägen gesenkt werden. Bisher können Arbeitnehmer monatlich 44 Euro steuerfrei erhalten, etwa in Form eines Tankgutscheins. Künftig soll alles über 20 Euro besteuert werden. Zudem sollen Zuschüsse des Arbeitgebers zu Kinderbetreuungskosten künftig stärker besteuert werden.

wam/news.de/dapd

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pazifiko
  • Kommentar 3
  • 15.12.2012 00:53

In einer Schmarotzerrepublik investiert ein Arbeitnehmer viel Geld in ein Auto aus heimischer Produktion um damit zur Arbeit zu fahren zwecks Einkommen für seine Familie und sich sowie nebenbei auch den Staat (Steuerabgaben), und um nach einem Unfall mit Totalschaden auf dem Arbeitsweg keine Steuererleichterung zur Abmilderung noch bestehender Restfinanzierung zu bekommen, während Bezieher von staatlichen Fürsorgemitteln Prämien im Rahmen eines Konsumpaketes zur Förderung der nationalen Wirtschaft erhalten, mit der sie sich letztlich doch nur billige Vehikel aus Niedriglohnländern finanzieren!

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  • pazifiko
  • Kommentar 2
  • 30.04.2012 03:32

Die Steuergerechtigkeit in Deutschland ist eine Farce. Zugleich charakterisiert sie eine Zweiklassengesellschaft: Während Arbeitnehmer sich kaum den Abgaben entziehen können scheinen manche Unternehmer absolute Narrenfreiheit zu genießen. Wenn z.B. der Betreiber eines kleinen Imbissbetriebs mit einer Limousine der Oberklasse vorfährt, dann kann etwas nicht ganz korrekt sein!

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  • xxx
  • Kommentar 1
  • 26.04.2012 22:07

Ich sage nur - rechts rein in die Tasche , links aus der Tasche. Unterm Strich immer weniger für den "kleinen Mann". Wer von den "Otto-Normalos" kann sich schon größere Anschaffungen/Reparaturen leisten ? (Bei den immer geringeren Einkommen - es bleibt ja immer weniger übrig-) Niesnutzer sind mal wieder Personen, die eh schon den etwas gepolsterterten Geldbeutel haben. Bisher hatte "Otto-Normalo" durch die 300 € Rechnungen die Möglichkeit noch mal was "abzusetzen". Durch Streichung dieser Regelung wird auch diese "Errungenschaft" klammheimlich ausgehebelt- Clever und keiner merkts gleich !

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