«Atalanta»-Einsatz Bundeswehr darf Piraten auch an Land verfolgen

Kabinett will Anti-Piraten-Einsatz Atalanta ausweiten (Foto)
Künftig auch auf Land: Der Einsatz der deutschen Bundeswehr im Kampf gegen Piraten in Somalia soll ausgeweitet werden. Bild: dapd

Bisher durfte die Bundeswehr Piraten aus Somalia nur auf See nachsetzen. Waren die Seeräuber einmal an Land, mussten die Soldaten zusehen. Mit einem neuen Mandat wird sich das jetzt ändern. Die Opposition hält die Risiken für zu groß.

Die Bundeswehr wird Piraten aus Somalia künftig auch ins Landesinnere verfolgen dürfen. Das Bundeskabinett beschloss dazu am Mittwoch eine deutliche Ausweitung des Einsatzes am Horn von Afrika. In Zukunft sind in einem bis zu zwei Kilometer breiten Küstenstreifen auch Luftangriffe auf Stellungen der Seeräuber möglich. Ein Einsatz am Boden bleibt - bis auf Notfälle - tabu. Im Bundestag wird mit einer klaren Mehrheit gerechnet, die Opposition will das neue Mandat allerdings nicht mittragen.

«Deutsche Einsatzkräfte dürfen bis zu einer Tiefe von maximal 2000 Metern gegen logistische Einrichtungen der Piraten am Strand vorgehen», heißt es im neuen Mandat. Gemeint damit sind vor allem an Land geschleppte Boote und Materiallager. Die Angriffe sollen von Hubschraubern geflogen werden, die auf Schiffen der internationalen Truppe stationiert sind. An der europäischen «Atalanta»-Mission beteiligen sich auch zahlreiche anderen Nationen.

Bundeswehr
Verordnungen für Soldatendeppen

Am Boden dürfen Bundeswehr-Soldaten laut Mandatstext nur im Notfall eingesetzt werden - beispielsweise, wenn ein Hubschrauber abgeschossen wurde und die Besatzung gerettet werden muss. Trotzdem will die Opposition der Mission nicht mehr zustimmen, weil sie die Risiken nun für zu groß hält. Bislang hatten SPD und Grüne den «Atalanta»-Einsatz mitgetragen.

«Sinnloses Abenteuer?»

Der Bundestag wird vermutlich am 11. Mai über das neue Mandat entscheiden. Wegen der klaren Mehrheit der schwarz-gelben Koalition gilt eine Zustimmung als sicher. Aus Deutschland beteiligt sich an der Mission derzeit die «Berlin», das größte Schiff der Marine mit etwa 230 Mann Besatzung. Im nächsten Monat soll sie von der «Bremen» abgelöst werden, die ebenfalls zwei Hubschrauber an Bord hat.

SPD-Fraktionsvize Gernot Erler bezeichnete den Kabinettsbeschluss als «Scheinlösung», die viele Risiken für Soldaten und Zivilisten mit sich bringen werde. Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour warnte davor, die Bundeswehr in ein «sinnloses Abenteuer» zu schicken. Der Linken-Abgeordnete Paul Schäfer nannte die Regierungspläne eine «hilflose Fortsetzung des bisherigen Mandats».

In der Bundeswehr sorgt für Verwunderung, dass der Mandatstext mit 2000 Metern die genaue Breite des Einsatzgebiets an Land definiert. Darauf könnten sich die Piraten mit ihrer Logistik einstellen, heißt es. Der Operationsplan der EU, der ebenfalls die Breite des Küstenstreifens enthalten soll, wird aus diesem Grund bisher geheim gehalten.

Der Einsatz - benannt nach einer Figur aus der griechischen Sagenwelt - läuft bereits seit Dezember 2008. Fünf bis zehn Kriegsschiffe überwachen dabei ein Gebiet, das etwa eineinhalb mal so groß ist wie das europäische Festland. Derzeit befinden sich nach inoffiziellen Angaben sieben Handelsschiffe und zwei Fischerboote mit insgesamt 215 Besatzungsmitgliedern in der Hand der Piraten.

wam/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Beagle
  • Kommentar 2
  • 21.04.2012 18:25

Das man in ein Land eindringt,das uns weder gehört noch zu verteidigen gilt, sollte den Politikern wohl zu denken geben.Das ist eine reine Kriegserklärung,egal,ob es sich um Piraten handelt, die dort ihre Heimat haben.Wenn man bei Schwarz/Gelb so gerne Krieg spielen will, sollen die Herrschaften selbst dorthin gehen. Afghanistan wurde jahrelang verschwiegen und nun erneut sich in ein Abenteuer zu stürzen ist nicht mehr zu verantworten.Reichen die Millionen deutsche Soldaten des letzten Krieges uns nicht als Mahnung aus?Nie weider Krieg sagten unsere Väter und was machen die Politiker heute?Es

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  • herby
  • Kommentar 1
  • 18.04.2012 19:49

So so der DEUTSCH Soldat darf wieder Krieg spielen. Warum geht denn nicht Merkel,Gabriel,Steinmeier oder anderes Gesocks der Politik ins Gefecht ? oder hat man sich in die Hose Geschissen Frau Merkel, Soldaten können ja ruhig Krepieren ob in Afghanistan oder sonstwo egal, es sind ja nur deutsche Trottel. Die Soldaten würden besser alle Ihren Dienst niederlegen die Politischen Beführworter sollen doch mal selbst Krieg spielen, feiges Gesindel. Kurz gesagt Betrug an den Soldaten, Natobeitritt und es wird Bewacht was der Ami der Merkel und dem BP sagt,ganz einfach. Kriegshetzer =deutsche Politik.

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