Nordkorea Raketentest fällt ins Wasser

Nordkoreas Raketenstart ist fehlgeschlagen. (Foto)
Nordkoreas Raketenstart ist fehlgeschlagen. Bild: dpa

Peinliche Panne auf dem umstrittenen Weg zur Atommacht: Der nordkoreanische Raketenstart ist fehlgeschlagen. Das Geschoss explodierte nach wenigen Minuten und fiel ins Gelbe Meer. Als nächsten Schritt erwarten Experten einen Atomtest des kommunistischen Landes.

Allen internationalen Warnungen zum Trotz hat Nordkorea am Freitag erneut einen umstrittenen Raketenstart unternommen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums im benachbarten Südkorea explodierte die mehrstufige Rakete jedoch schon wenige Minuten nach dem Abheben in der Luft und zerbrach in mehrere Teile, die ins Gelbe Meer fielen. Nordkorea räumte den gescheiteren Start der Rakete ein, mit dem es nach eigenen Angaben einen Satelliten ins All schießen wollte. Die USA und andere Länder sahen in dem Start den verdeckten Test einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte.

Der Satellit in der Trägerrakete Unha-3 habe nicht wie geplant die Erdumlaufbahn erreicht, berichteten die staatlichen Medien des kommunistischen Landes, ohne Details zu nennen. Techniker untersuchten, warum das Ziel nicht erreicht worden sei.

Nordkorea
Ostasiens bizarre Diktatur

Die USA, Südkorea und Japan verurteilten den Start als Provokation und Bedrohung für die regionale Sicherheit. Der UN-Sicherheitsrat wollte sich noch am selben Tag mit dem Thema in einer Dringlichkeitssitzung beschäftigen, hieß es aus diplomatischen Kreisen in New York.

Will Nordkorea nur Wettersatellit ins All schießen?

Der Fehlschlag dürfte nach Ansicht von Beobachtern ein Debakel für Nordkorea sein. Nach Angaben des Landes sollte damit der 100. Geburtstag des als Staatsgründer und «ewigen Präsidenten» verehrten Kim Il Sung an diesem Sonntag gefeiert werden. Zugleich ist Nordkorea dabei, die Stellung des neuen Machthaber Kim Jong Un zu festigen. Dieser ist Enkel Kim Il Sungs und jüngster Sohn und Nachfolger des im Dezember gestorbenen langjährigen Alleinherrschers Kim Jong Il. Am Mittwoch war der noch nicht 30-jährige Kim Jong Un unter anderem zum ersten Sekretär der herrschenden Arbeiterpartei und damit praktisch zum Parteichef ernannt worden.

Nordkorea hatte erklärt, den Beobachtungssatelliten Kwangmyongsong-3 («Heller Stern») auf eine Erdumlaufbahn bringen zu wollen. Dort sollte der Satellit zwei Jahre lang unter anderem zur Wälder- und Wetterbeobachtung genutzt werden.

Die provokativen Aktionen Nordkoreas verletzten internationales Recht, hieß es in einer in der Nacht zum Freitag verbreiteten Erklärung der US-Regierung. Auch wenn man aufgrund des aggressiven Verhaltensmusters der nordkoreanischen Regierung nicht überrascht sei, würde jede Raketen-Aktivität des Landes von der internationalen Gemeinschaft mit Sorge betrachtet. Die US-Regierung warf Nordkorea vor, sich durch das Raketenprogramm nur weiter zu isolieren und Geld für Waffen und Propaganda-Inszenierungen auszugeben, während das Volk hungere.

Trümmer des Raketentraums landen im Meer

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von einer «flagranten Verletzung internationaler Verpflichtungen» durch die nordkoreanische Regierung. Der Raketenstart gefährde die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel, sagte er bei einem Besuch in New York. Der UN-Sicherheitsrat müsse eine «deutliche Antwort» auf diese Verletzung des Völkerrechts geben.

Wie die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Beamten des Verteidigungsministeriums in Seoul meldete, explodierte die Rakete in einer Höhe von 151 Kilometern. Trümmerteile seien rund 100 bis 150 Kilometer südlich der südkoreanischen Westküste ins Meer gestürzt. Die südkoreanische Marine suche das Gebiet ab. Die Rakete war nach südkoreanischen Angaben am Morgen um 7.39 Uhr (00.39 Uhr MESZ) von der Abschussrampe an der Westküste Nordkoreas abgehoben.

Bei der geplanten Sitzung des Weltsicherheitsrats wird es aller Voraussicht nach zu einer formellen Verurteilung Nordkoreas kommen, hieß es in New York. Das mächtigste UN-Gremium hatte Nordkorea mehrfach kritisiert und 2006 und 2009 mit Sanktionen belegt. In Resolutionen des Rats wird Nordkorea aufgerufen, jegliche Raketenstarts «unter Verwendung ballistischer Raketentechnologie» zu unterlassen. Nordkorea war 2009 nach internationaler Kritik an einem Raketenstart aus den Mehrparteiengesprächen über sein Atomprogramm ausgestiegen. Wenige Monate später hatte das Land einen zweiten Kernwaffentest unternommen.

Nordkoreas nächster Schritt: Atomtest

Nach dem fehlgeschlagenen Raketenstart in Nordkorea rechnen chinesische Experten als nächstes mit einen Atomtest. Der stalinistische Staat verfolge das «klare Ziel», eine Atommacht werden zu wollen, sagte der Professor für strategische Forschung an der Parteihochschule in Peking, Zhang Liangui, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Das Scheitern des Raketenstarts werde die Pläne für den nuklearen Test nicht umwerfen.«Es wird Einfluss auf den Atomversuch haben, weil Nordkorea jetzt möglicherweise vorsichtiger und gewissenhafter vorgehen wird», sagte der Professor. «Aber ich glaube nicht, dass sie den Zeitpunkt des Tests vorziehen oder verschieben werden.» Sowohl der Start der Rakete mit dem angeblichen Satelliten und der geplante Atomtest gehörten zu Nordkoreas Plänen, in den Kreis der Atommächte vorzustoßen.

Die Weltgemeinschaft müsse darauf reagieren und Regeln für Nordkorea aufstellen. «Sie können nicht machen, was sie wollen, sich nicht um die internationale Besorgnisse kümmern und keinen Rat annehmen», äußerte sich Zhang Liangui außergewöhnlich kritisch für einen chinesischen Experten. «Es ist nicht hinzunehmen, ein derart widerspenstiges Mitglied in der Weltgemeinschaft zu haben.»

Auch der Forscher Yang Xiyu vom chinesischen Institut für Internationale Studien in Peking geht davon aus, dass Nordkorea weiter auf dem Konfrontationsweg voranschreitet. «Aus technischen Gründen wird Nordkorea früher oder später einen Atomtest abhalten», sagte Yang Xiyu der dpa. «Die Frage ist nicht, ob sondern wann der nächste Atomtest vorgenommen wird.» Der Experte warnte vor einer Verschärfung der Lage. «Es ist Chinas Aufgabe, eine Eskalation zu verhindern.» Die Reaktionen müssten Raum für Diplomatie lassen, weil das Problem nur durch Verhandlungen gelöst werden könne.

jag/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • woco2001
  • Kommentar 2
  • 13.04.2012 14:07

Ach, es ist ja alles so furchtbar mit Nordkorea! Aber wie kann denn nun Israels Weg zur (heimlichen) Atommacht gestoppt werden? Interessiert wohl keine Sau, oder wie? Ein Staat, der ein ganzes Volk von seinem Land verjagt und seit Jahrzehnten grausam unterdrückt, der sämtliche Resolutionen der Uno mißachtet und Nachbarn mit Atomschlägen droht. Sein Volk würde auch hungern, wenn "die Weltgemeinschaft" nicht Waffen und deutsche U-Boote schenken würde. Und wer dagegen einen Einwand einwendet, der wird zum Antisemiten erklärt. Nichts von gewußt, Mailyn Pelagio? So´n Pech.

Kommentar melden
  • Mailyn Pelagio
  • Kommentar 1
  • 13.04.2012 11:27

Wie kann Nordkoreas Weg zur Atommacht gestoppt werden? Diskutieren Sie mit!Der Start dieser Rakete und ihr Zerbersten zeigten bildlich den Zustand dieses Landes. Die weltweite Genugtuung über den Misserfolg dürfte dem Regime enorm zusetzen aufgrund des an "verlorenem Gesicht". Vielleicht sollte KP nun wieder sein (noch vorhandenes) Geld in die hungrige Bevölkerung investieren als in Waffen und Raketen. Dies würde dem Regime wesentlich mehr Ansehen einbringen als hilflose Raketentests.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig