Nach Todesschüssen Wie rassistisch sind die Amerikaner?

Schwarze und Weiße sind in den USA vor dem Gesetz gleich. So will es die Theorie. Doch nach den Todesschüssen auf einen schwarzen Teenager in Florida kommen Zweifel auf. Der Rassismus wird sichtbar, das Land gespalten.

Afro-Amerikaner fordern einer gerechte Strafe für den mutmaßlichen Mörder von Trayvon Martin. (Foto)
Afro-Amerikaner fordern einer gerechte Strafe für den mutmaßlichen Mörder von Trayvon Martin. Bild: dapd

Wie die Eltern des getöteten schwarzen Teenagers Trayvon Martin auf die Mordanklage für den Todesschützen reagierten, konnten Millionen Amerikaner live miterleben. Die Trauer um ihren Sohn war ihnen ins Gesicht geschrieben. «Danke, danke, Herr, danke, Jesus», stammelte die Mutter in die Mikrofone. Sechs lange und quälende Wochen hatten die Eltern warten müssen, bis der mutmaßliche Mörder ihres Sohnes in Haft kam und angeklagt wurde. Immer mehr Amerikaner fragten sich in dieser Zeit: Sind Schwarze und Weiße vor dem Gesetz und vor der Polizei wirklich gleich?

Lange Zeit hat kein Todesfall die USA derart aufgewühlt wie die Schüsse des «Hobby-Polizisten» George Zimmerman (28), auf den unbewaffneten Afro-Amerikaner Trayvon Martin. «Weiß gegen schwarz», nannten das flinke Kommentatoren. 50 Jahre nach der Bürgerechtsbewegung taucht die böse Frage auf, wie tief Rassismus und ethnische Vorurteile in der US-Gesellschaft immer noch präsent sind.

Afro-Amerikaner berichten über rassistische Gewalt

Erschreckend etwa sind die Ergebnisse einer Gallup-Umfrage: Während die meisten Schwarzen überzeugt sind, dass der Bürgerwehr-Mann Zimmerman definitiv schuldig sei, meint dies unter Weißen lediglich eine kleine Minderheit von gerade mal elf Prozent. Da drängt sich die Frage auf: Bestimmt die Hautfarbe das Urteil und das Denken des Durchschnittsamerikaners?

Zudem wagen sich immer mehr Afro-Amerikaner mit Berichten an die Öffentlichkeit, dass ihre Angehörigen ähnliches Leid erfahren hätten. Da berichtet etwa ein Vater aus Texas, ein Polizist, der außer Dienst gewesen sei, habe seinem 14-Jähriger Sohn vor ein paar Jahren von hinten in den Kopf geschossen. Angeblich habe der Junge das Moped des Polizisten gestohlen. Bis zum heutigen Tage sei der Polizist nicht angeklagt worden, berichteten Medien. «Sie können in diesem Land umgebracht werden, weil sie schwarz sind», klagte ein Demonstrant bei einem Protestmarsch in Washington.

Schwarze gelten als verdächtiger

«Racial profiling», heißt das böse Wort in den USA, zu deutsch könnte man etwa sagen: Fahndung nach Rassen-Kriterien. Gemeint ist damit, dass die Polizei bei Ermittlungen Schwarze und Angehörige anderer Minderheiten für «verdächtiger» hält als weiße Bürger. Doch Befürworter der Maßnahme sagen: Statistiken belegen tatsächlich, dass Schwarze mehr Straftaten begehen.

Es heißt, auch der Latino Zimmerman soll bei seinem Hobby-Streifengang das schwarze Opfer erst einmal unter Generalverdacht gestellt haben. «Der Kerl scheint nichts Gutes im Schilde zu führen...», soll er laut im TV veröffentlichten Aufzeichnungen in einem Anruf der Polizei gesagt haben. «Diese Arschlöcher kommen immer davon...» Allein weil der Junge einen Kapuzenpullover trug, soll er Verdacht geschöpft haben - die «Hoodies» gelten als beliebtes Kleidungsstück junger Schwarzer und eben auch junger schwarzer Gesetzesbrecher.

Trotz Obama: Vorurteile grassieren

Zwar residiert im Weißen Haus seit fast vier Jahren ein dunkelhäutiger Präsident, - doch entspannt ist die Beziehung zwischen Schwarzen und Weißen noch längst nicht. Der TV-Sender CNN zeigte unlängst eine schockierende Studie: Schülern unterschiedlichen Alters und Hautfarbe wurde das Bild eines schwarzen und eines weißen Jungen gezeigt. Dann wurden sie gefragt, ob die beiden Freunde werden könnten. Die befragten Sechsjährigen antworteten ohne Zögern: Ja. Doch bereits Zwölfjährige meldeten schwere Zweifel an.

Der Tod des jungen Trayvon Martins habe ein «grelles Licht auf die Misere junger schwarzer Männer in Amerika geworfen und auf den Schatten des Verdachts, der auf sie fällt», meinte die «New York Times». Jetzt ist die Justiz am Zuge, Gerechtigkeit zu schaffen, meinte die Sonder-Staatsanwältin, Angela Corey, zur Mordanklage. Sie versprach, dabei nicht auf die Hautfarbe zu achten.

jag/news.de/dpa

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Leserkommentare (9) Jetzt Artikel kommentieren
  • putinfanatiker
  • Kommentar 9
  • 05.06.2012 04:50
Antwort auf Kommentar 7

Sorry es soll heissen Formuliert !

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  • putinfanatiker
  • Kommentar 8
  • 05.06.2012 04:48
Antwort auf Kommentar 7

Sehr richtig Formiliert und da sollte noch eine Gegenfrage auf dem Fusse folgen ! ??? Wie Rassistisch sind DIE DEUTSCHEN ???

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  • Wächterrat
  • Kommentar 7
  • 19.04.2012 09:29

Die multikulturelle Gesellschaft der USA ist doch unser Vorbild gell.

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