Joachim Gauck Der Präsident ist nachtaktiv

Joachim Gauck winkt den Menschen zu.  (Foto)
Joachim Gauck winkt vor der Thomaskirche in Leipzig im Anschluss an den Festakt den Menschen zu. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Martin Walter, Leipzig
Heimspiel für Joachim Gauck: Leipzig bereitet dem Bundespräsidenten und seiner First Lady Daniela Schadt einen begeisterten Empfang. Bei den Jubiläumsfeiern des weltberühmten Thomanerchors wird Gauck als nachtaktiv geoutet.

Malerischer hätte Joachim Gauck sich die Rahmenbedingungen für seinen ersten Auftritt als Bundespräsident kaum wünschen können. Heimatliches ostdeutsches Terrain, ein vollbesetztes Gotteshaus und, passend zum Frühlingsauftakt, strahlend blauer Himmel über Leipzig.

Gemeinsam mit First Lady Daniela Schadt ist der 72-Jährige anlässlich des  800. Geburtstag des weltberühmten Thomanerchors in die Messestadt gekommen. Und auch wenn die Jubiläumsveranstaltung in der Leipziger Thomaskirche den Sängerknaben gewidmet ist, zieht natürlich der frisch gebackene Bundespräsident die meiste Aufmerksamheit auf sich.

Hunderte Menschen haben sich schon am frühen Mittag vor der Kirche versammelt und dem neuen Staatsoberhaupt und seiner Lebensgefährtin einen begeisterten Empfang bereitet. «Guten Tag Leipzig», ruft Gauck den klatschenden Menschen zu und schüttelt den Chorknaben vor dem Bach-Denkmal die Hände. Dem groß aufgefahrenen Medienaufgebot vor dem historischen Gotteshaus folgen innen minutenlanger Applaus und Blitzlichtgewitter.

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Mit dem obligatorischen Thomana-Jubiläumsschal über den Schultern nehmen Joachim Gauck und Daniela Schadt dort zwischen Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung Platz, um der neunzigminütigen Zeremonie beizuwohnen.

Joachim Gaucks Freiheitsgedanke weht durchs Gotteshaus

Die Politiker zeigen sich unverhohlen stolz über ihren Ehrengast. «Lieber Joachim Gauck, uns ist in Leipzig sehr bewusst, welch eine Ehre es ist, sie vor der Vereidigung am Freitag bei uns zu haben», frohlockt der Oberbürgermeister in seiner Begrüßung. Sachsens Regierungschef tut es ihm gleich: «Ich darf Ihnen Danke sagen, dass Sie am zweiten Tag Ihrer Amtszeit Leipzig und dem Freistaat Sachsen die Ehre erweisen», so Stanislaw Tillich.

Auch wenn das Staatsoberhaupt selbst keine Rede hält, weht in seiner Gegenwart schon eine gute Brise von Joachim Gaucks Freiheitsgedanke durch die von hohen Säulen getragene Thomaskirche. Von der Bedeutung der «Friedlichen Revolution» ist in den Laudationes gleich mehrfach die Rede, vom ersten großen Jubiläum der Thomaner «in einem freiheitlichen, demokratischen und vereinigten Deutschland», spricht Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Worte, denen Joachim Gauck von Herzen zustimmen dürfte.

Bereits kurz nach seiner Nominierung hat er der Einladung aus Leipzig zugesagt. Ganz genau «am 27. Februar um 2.01 Uhr», wie Christian Wolff in seiner Ansprache verrät und Gauck damit als nachtaktiv outet. Der Name des St. Thomas-Pfarrers ist am Tag nach der Schlüsselübergabe von Schloss Bellevue das Einzige, was an Gaucks Vorgänger erinnert.

Joachim Gauck
Vom Pfarrer zum Bundespräsidenten

Hat das Programmheft zum Thomana-Jubiläumsjahr noch Christian Wulff als Ehrengast ausgewiesen, so ist, drei Tage vor der Vereidiung, auf dem Flyer zum Festakt in großen Lettern «in Anwesenheit von Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauck» abgedruckt.

Eilig muss das Staatsoberhaupt den Festakt am Ende verlassen. Ein kurzer Gruß in die Menge, für Händedrücken mit der Bevölkerung bleibt draußen kaum mehr Zeit. Gaucks Amtszeit hat nun begonnen.

san/news.de

Leserkommentare (11) Jetzt Artikel kommentieren
  • herby
  • Kommentar 11
  • 28.03.2012 21:04
Antwort auf Kommentar 10

Sie Glauben an Medien...ich hab mich verschluckt bei diesem Satz. Medien sind noch immer den USA unterstellt, und genau aus diesem Grund werden wir die Bürger niemals die Wahrheit hören. Alles manipuliert, wer bei Pressekonferenzen zugelasssen wird und welche Fragen gestellt werden dürfen ist schon Tage vorher geklärt, lasst euch nicht Verdummen. Selbst eure Geschäftsführerin Merkel tut dies ohne mit der Wimper zu Zucken.

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  • fi4711
  • Kommentar 10
  • 23.03.2012 01:28

Chinesische Verhältnisse??? 72 Jahre ??? Gibt es eigentlich in diesem Land nicht etwas jüngeres Potential??? Kommentar 6 hat sacht auf dessen Verfehlungen hingewiesen. Medien greift an!!!

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 9
  • 22.03.2012 09:58

Zutreffend ist nun, wie in herrlich zu lesenden Kommentaren angedeutet war, dass große Teile des Volkes schon mit dem Wahlgang überfordert sind. Wenn nichts bei Wahlen herauskommt, was an Herrschaftsbestellung erinnert, dann sind auch die sachlichen Stellungnahmen von Niedrigleistern nicht brauchbar. Der Plebs hat, entgegen den Warnungen, einen hervorragenden Präsidenten aus dem Amte getrieben, und nun scheint dies selbst für das naive Gemüt ein bedauernswerter Irrtum gewesen zu sein. R fordert: Gebt dem Plebs die Sporen, sodass Bundespräsidenten wenigstens angemessen bezahlt werden können.

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