15.03.2012, 19.02 Uhr

Syrien: So lebt der Assad-Clan

Vor einem Jahr begannen die Massenproteste in Syrien, doch noch immer bombardiert Präsident Baschar al-Assad sein Volk. Auch geplante Demonstationen am Jahrestag erstickte er im Keim. 3000 gehackte E-Mails des Despoten enthüllten nun, wie sehr er selbst im Luxus schwelgt.

Während sich eine Blutspur durch Syrien zieht, leben das Staatsoberhaupt Assad und seine Frau im Luxus. Bild: AP Photo/SANA, File

Pumps mit Kristallbesatz und Country-Musik aus dem Apple-Online-Store: Während Geheimdienst und Armee eine Blutspur durch Syrien ziehen, soll sich der herrschende Assad-Clan seine Zeit mit Späßen, Unterhaltung und Konsum vertreiben. Das geht aus über 3000 E-Mails hervor, die Hacker aus den Postfächern von Präsident Baschar al-Assad und seiner Frau Asmaa heruntergeladen haben wollen.

Sie spielten den Datensatz der britischen Zeitung Guardian zu, die am Donnerstag Auszüge veröffentlichte. Daraus gehe hervor, wie die «First Family» abgeschottet vom Leid im Land in Luxus schwelge, aber auch wie Assad bei der Niederschlagung des Aufstands agiert habe, berichtete der Guardian.

Das Volk hungert und die Assads schwelgen im Reichtum

FOTOS: Syrien-Konflikt Assads brutaler Krieg

Der Präsident soll gerne im iTunes-Store gestöbert haben, wo er sich sowohl Country Musik als auch Songs des Hip-Hoppers Chris Brown gekauft haben soll. Die lange Shoppingliste der «First Lady» weise unter anderem kristallbesetzte Damenschuhe im Wert von 3800 britischen Pfund (4553 Euro) oder eine Blumenvase für 2650 Pfund auf. Auch Kerzenhalter, Tische und Kronleuchter für mehr als 12.000 Euro soll sie via Internet aus Paris bestellt haben, während in Damaskus die Lebensmittelpreise stiegen und der Strom rationiert wurde.

Trotz genauester Prüfung habe sich die Authentizität der E-Mails nicht mit endgültiger Sicherheit verifizieren lassen, schrieb der Guardian in seinem viereinhalbseitigen Bericht. Sie decken sich jedoch mit dem Eindruck, den das Ehepaar Assad zuletzt in der Öffentlichkeit hinterlassen hat. Bei seinen seltenen Auftritten wirkten der Präsident und seine Gattin etwas der Realität entrückt.

So wunderten sich westliche Beobachter und Oppositionelle, weshalb Assad bei einer Rede, in der er Entschlossenheit demonstrieren wollte, kleine Späße einfließen ließ, über die er dann selbst herzhaft lachte.

Militärischer Rat vom verbrüderten Iran

Die dem Guardian zugespielten Dokumente stammen aus der Zeit zwischen Juni 2011 und Anfang Februar 2012. Die Botschaften sollen auch zeigen, dass Assad Rat im verbündeten Iran einholte, wie er mit dem Aufstand in Syrien umgehen soll. Einer der Ratschläge lautete demnach, er solle eine «kraftvolle und brachiale» Ausdrucksweise benutzen und die Militärstärke des Landes durchblicken lassen, um eine Intervention von außen zu verhindern.

Ferner gehe aus den Mails hervor, dass Assad detailliert über die Anwesenheit ausländischer Journalisten im Viertel Baba Amro in der Protesthochburg Homs informiert gewesen war. Im Februar waren zwei Journalisten aus den USA und Frankreich während der Angriffe der syrischen Armee auf Homs getötet worden.

zij/news.de/dpa

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