Putin-Doku Der will doch nur mitspielen

Wladimir Putin ist der große Favorit in Russland (Foto)
Wladimir Putin weiß sich immer und überall in Szene zu setzen - im kalten Sibirien genau wie am Schwarzen Meer. Bild: ARD

Von news.de-Mitarbeiter Christian Vock
Ich, Putin: Machtmensch und Einzelkämpfer - am 4. März wird Wladimir Putin wieder Präsident Russlands werden, da sind sich alle einig. Der Dokumentarfilmer Hubert Seipel ist dem Ex- und Bald-Wieder-Präsidenten so nahe gekommen wie sonst kaum jemand.

Wenn am 4. März die Russen zur Urne schreiten, dann scheint das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen schon festzustehen. Die Meinungsumfragen sprechen eine eindeutige Sprache und Amtsinhaber Dmitri Medwedew hatte bereits offen verkündet, dass sein Vorgänger auch sein Nachfolger sein wird: Wladimir Putin. Und für die ARD ist der Dokumentarfilmer Hubert Seipel angetreten, um dem zuweilen enigmatisch wirkenden Präsidenten näher zu kommen.

Den westlichen Beobachter werden diese Ränkespiele nicht überraschen, passt es doch in das Bild, das man hierzulande vom derzeitigen Russland hat: Putin, der Alleinherrscher, regiert in seiner Scheindemokratie. Doch irgendetwas ändert sich, es rumort im Land. Spätestens seit den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr zeigen die Russen ganz offen, was ihnen nicht passt in diesem System Putin: Putin.

Wladimir Putin
Ein Mann setzt sich in Szene

Der Kampf um den Kreml ist, so scheint es, kein Kampf darum, wer die besseren Inhalte oder wer das bessere Programm hat. Es geht einzig um die Frage: Putin oder nicht Putin? Seit Wochen gehen die Menschen in Russlands Metropolen zu Tausenden auf die Straßen und fordern freie Wahlen und ein Ende von Putins Macht.

Der Wunsch, bei den Großen dabei zu sein

Für Putin sind die Angriffe nicht einfach ein politisches Statement der Opposition, sondern ein Angriff auf ihn persönlich. Auf ihn und seine Vision von Russland. Einem starken Russland. Das nach außen als gleichberechtigter Partner am Tisch sitzt und innen mit harter Hand regiert wird.

Der Wunsch nach Stärke beginnt bei Putin schon in der Kindheit und wird für ihn zur Triebfeder seines persönlichen Weges und später dem eines ganzen Landes. Der kleine Putin wächst im Arbeitermilieu in St. Peterburg auf. Beim Spielen mit den Kindern im Hof ist der schmächtige Junge seinen Altersgenossen körperlich unterlegen. Also sucht er sich etwas, «um seine Stellung im Rudel aufrecht zu erhalten.» Putin beginnt mit Judo, um mit den anderen mithalten zu können.

Mithalten zu können, dabei zu sein - darum ging es Putin damals, darum geht es Putin auch heute. Er will ein gleichberechtigter Partner des Westens sein und ernst genommen werden. Er will vor allem mitspielen im Konzert der Großen. Am liebsten nach seinen eigenen Spielregeln. Außen wie innen. Und wer diese Spielregeln nicht einhalten will, der hat bei Putin schlechte Karten.

So wie Michail Chodorkowski. Der wollte nicht mitspielen, als Putin das Land von der Oligarchenherrschaft befreien wollte und wanderte prompt hinter Gitter. Zuerst wegen Steuerhinterziehung, dann wegen Geldwäscherei und Unterschlagung. Putin ist einer, der durchgreift, wenn es gilt, seine Vision von Russland durchzusetzen.

Putin, der Einzelkämpfer

Es gehe nicht um ihn, erklärt Putin im Interview. Er hätte die Verfassung ändern können, was ihm einige auch geraten hätten. Aber das wollte er nicht. Es ist schwer, ihm diese Worte abzunehmen. Putin ist ein Einzelkämpfer. Seine Partei ist nur für ihn da. Er ist Chef, aber nicht Mitglied. Er ist Judokämpfer und Jäger und stellt dieses Einzelkämpfertum gerne zur Schau. In den Medien zeigt er sich als starker Mann, gerne auch mit freiem Oberkörper. Bei Kabinettssitzungen wartet er bis alle sitzen, erst dann betritt er den Raum. Mit diesem Kämpferwillen hat es einer wie Putin vom KGB-Offizier bis ins höchste Amt des Staates geschafft. Einen Unterstützer, so sagt Putin selbst, habe er dabei nicht gehabt.

Wenn sich also jemand in den wirren 1990er Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion so ganz ohne Unterstützung nach oben gekämpft hat, dann kann man davon ausgehen, dass er weiß, wie das Spiel mit der Macht funktioniert. Am Sonntag wird sich zeigen, was von Putins Spielregeln zu halten ist. Einen Vorgeschmack gibt er bereits im Interview, wenn er über die Kritik an Russlands Pressefreiheit spricht «Wenn jemand den Zustand der Pressefreiheit beklagt, dann kann er das ja tun» und sieht das bereits als Beweis für Meinungsfreiheit. Nur eine von Putins Spielregeln.

Umso mehr dürfte es einen wie Putin ärgern, wenn plötzlich jemand mitspielen will, den er bisher nur ungern dabei haben wollte: das russische Volk. Noch dazu nach Regeln, die für alle gelten. Denn wenn man etwas über Menschen weiß, die gerne nach ihren eigenen Regeln spielen, dann, dass sie ungern verlieren.

Hier können Sie die Dokumentation Ich, Putin noch einmal sehen.

sua/news.de

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • pe00
  • Kommentar 8
  • 08.03.2012 14:50

Mir ist ein Putin tausendmal lieber als ein Wulff! Die Russen wissen schon, was sie an ihm haben! Er kann Milliardäre zügeln, Bären bändigen und auch diese vom Westen gesponserte sogenannte Opposition! Das kann nicht mal Obama und schon gar nicht diese Bürokraft Merkel!

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  • LUTZ -PETER SCHMITZ
  • Kommentar 7
  • 28.02.2012 15:11

Ich habe die Sendung gesehen und es war keinerlei "Eitelkeit" produziert. Es solle einen Putin zeigen wie er leibt und lebt und es hat mir gefallen und mir gefällt der mann Putin. Die Weibertratscherei der Journalisten wie wir es im Westen kennen gibt es in Russland, seis gepriesen, noch nicht.

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  • dietel
  • Kommentar 6
  • 28.02.2012 13:35

Seine Aussagen in den jeweiligen Interviews fand ich gut. Da kann man zu ihm stehem wie man will. Ich kann nicht beurteilen, ob nun jeder Russe sich wie im Paradies fühlt. Merkwürdig ist vor allem, dass unter Jelzin, mancher vom verherigen Volkseigentümer, da gab es vorher nichts Privates, es zum Milliardär gebracht hat. Denke, da liegen die Ursachen.

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