Ägypten Blutvergießen nimmt kein Ende

Nach Fußball-Tragödie: Straßenschlachten in Ägypten (Foto)
Nach Fußball-Tragödie: Straßenschlachten in Ägypten. Bild: dpa

Die Lage in Ägypten eskaliert: In Suez starben bei Krawallen zwei Menschen. Mehr als 600 Verletzte gab es bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten in Kairo. Die Opposition kritisiert, das Militär wolle Chaos säen, um sich als Schutzmacht unverzichtbar zu machen.

Das Blutvergießen in Ägypten geht weiter. In Suez starben bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften zwei Menschen. Wie der US-Sender CNN unter Berufung auf den Manager eines Krankenhauses berichtete, wurden die beiden erschossen. 25 Demonstranten wurden nach Polizeiangaben verletzt.

Zuvor hätten Hunderte Protestierende das Hauptquartier der Sicherheitskräfte in Suez mit Steinen und Molotow-Cocktails angegriffen, zitierte der Sender einen hohen Polizeioffizier. Die Sicherheitskräfte hätten Tränengas eingesetzt und in die Luft geschossen. Auslöser der jüngsten Unruhen waren blutige Krawalle nach einem Fußballspiel am Mittwochabend in Port Said, bei denen mindestens 71 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden waren.

Massenpanik und Randale
Todesfalle Stadion

Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurden am Donnerstag in Kairo nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 600 Menschen verletzt. Fast 10.000 Menschen hatten sich vor dem Innenministerium versammelt, um gegen die Untätigkeit der Sicherheitskräfte bei den tödlichen Fußball-Krawallen zu protestieren. Sie riefen Slogans gegen den herrschenden Militärrat und die Polizei.

Die Polizei trieb die Protestierenden mit Tränengas auseinander. Die Demonstranten hätten die Polizei mit Steinen beworfen. Dabei seien 54 Polizisten verletzt worden, berichtete das staatliche Fernsehen unter Berufung auf Sicherheitskreise. TV-Berichten zufolge wollte die aufgebrachte Menge das Hauptgebäude des Innenministeriums stürmen.

Sicherheitskräfte sahen tatenlos zu

Wie Fernsehaufnahmen zeigten, hatten Polizei und Militär am vergangenen Mittwoch in Port Said tatenlos zugesehen, wie Zuschauer mit Flaschen, Steinen und Messern regelrecht Jagd auf Spieler und Fans des Kairoer Traditionsclubs Al-Ahli machten. Ahli-Fans, die eine prominente Rolle bei der vor einem Jahr begonnenen Revolution in Ägypten spielten, kündigten Demonstrationen gegen den herrschenden Militärrat an.

Nach den Gewaltexzessen zog die ägyptische Regierung erste Konsequenzen. Während einer Sondersitzung des Parlaments gab Ministerpräsident Kamal al-Gansuri bekannt, dass er die Führung des ägyptischen Fußballverbandes abgesetzt und den Gouverneur von Port Said abgelöst habe. Der Militärrat verkündete drei Tage Staatstrauer.

Chronologie
Arabien im Umbruch

Das Parlament will jetzt binnen einer Woche die genauen Umstände für das Blutvergießen klären lassen. Ursache dafür sind nicht enden wollende Spekulationen, dass die Gewalt politisch motiviert war. Ziel sei es, die Revolution zu diskreditieren und den demokratischen Wandel zu stoppen, hieß es in Online-Diskussionsforen. Das Militär wolle Chaos säen, um sich als Schutzmacht unverzichtbar zu machen. Nach einer anderen Theorie wollten die Sicherheitskräfte den Ahli-Fans einen Denkzettel verpassen, weil sie Demonstranten vor der Gewalt des Militärs schützten.

Muslimbruderschaft kritisiert die Polizei

Die islamistische Muslimbruderschaft kritisierte die Polizei scharf: Die Sicherheitskräfte hätten bei dem Fußballspiel in Port Said weggeschaut und nichts getan. Sie beschuldigte Kräfte, die in enger Verbindung zum früheren Regime von Langzeitmachthaber Husni Mubarak stünden.

Die Opposition attackierte das Militär scharf. Die Bewegung des 6. April, die mit ihren Massenprotesten vor einem Jahr den Sturz Mubaraks herbeigeführt hatte, erklärte, die Generäle verursachten das Chaos, um die Ägypter davon zu überzeugen, dass das Land ohne den Militärrat nicht zu regieren sei.

Vorgesehen ist, dass der Militärrat um Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi die Macht bis Ende Juni an einen neu gewählten Präsidenten abgibt. Die Jugendbewegung fragte: «Ist es logisch, dass der Militärrat für gewaltfreie Wahlen sorgen, aber ein Fußballspiel nicht absichern konnte?»

san/sua/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • kelevra
  • Kommentar 2
  • 03.02.2012 22:11
Antwort auf Kommentar 1

Weder die Israelis noch die USA wollen eine demokratische Regierung in Ägypten die sie nicht kontrollieren können!Der Militärrat besteht aus mit ihnen schon lange vertrauten, korrupten Gaunern welchen Recht und Bevölkerung egal ist.Die Befürchtung ist in 1.Linie,daß eine neue Regierung in Ägypten das KZ Gazastreifen auflöst indem es die Grenzen zu Ägypten öffnet was einen großen Druck von den vom Genozid bedrohten Palästinensern nehmen würde und Hilfslieferungen wie auch unabhängige Beobachter dort ermöglichen würde was die Zionisten natürlich mit allen Mitteln am Militärrat festhalten läßt!

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  • Haiko
  • Kommentar 1
  • 03.02.2012 13:44

Ich sehe nur eines ganz klar: Das Militär hatte schon immer die Macht und wird sie nicht abgeben. Mekrwürdig dass solche schrecklichen Dinge gerade passieren, wenn die Abgabe der Macht angekündigt wird. Soll erreicht werden, dass man sagt, dass das Militär die Macht behalten soll, weil sonst keine Ruhe und Ordnung kommen kann etc.? Is nur so'n Verdacht.

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