Ausländer in Deutschland Sprache - Grenze der Integration?

Von news.de-Volontär Ronny Janke
Etwa 16 Millionen Ausländer leben in Deutschland. In der Schule und auf dem Arbeitsmarkt stehen sie vor großen Problemen. Mit einem «Nationalen Aktionsplan» soll Migranten nun die Integration erleichtert werden. Doch eine Studie zeigt: Das größte Problem ist die Sprachbarriere bei Kindern.

Mit seinem strittigen Sachbuch Deutschland schafft sich ab hat Thilo Sarrazin ordentlich Staub aufgewirbelt. Schon darin war die Rede von Integrationsproblemen, die Menschen aus der Türkei, Ex-Jugoslawien und den arabischen Ländern in der Bundesrepublik haben. Monatelang wurde über Sarrazins kritische Thesen diskutiert, genauso wie über die Integrationspolitik der Bundesregierung.

Mehr als ein Jahr nach Veröffentlichung des provokanten Sachbuchs zeigt sich, dass es ausländische Kinder schwer haben, sich in Deutschland zu integrieren. Anders als es Sarrazin beschreibt, liegt das jedoch nicht am fehlenden Willen, sondern allein an den geringen Deutschkenntnissen.

Was hat die deutsche Integrationspolitik bisher gebracht?

Integration
Eine deutsche Schlüsselfrage

Auch auf dem fünften Integrationsgipfel, der am gestrigen Dienstag im Kanzleramt stattfand, wurde über die Schwierigkeiten, die Migranten in Deutschland haben, heftig diskutiert. Ein «Nationaler Aktionsplan» soll nun dabei helfen, Ausländer besser in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Dies gab die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, nach dem Ende des Treffens mit rund 120 Teilnehmern in Berlin bekannt. Bund, Länder und kommunale Verbände verpflichten sich darin, weitere Anstrengungen in der Integrationspolitik zu unternehmen.

Und die sind dringend nötig, denn Experten sind sich einig: Schon im Vorschulalter müssen Grundzüge der deutschen Sprache vermittelt werden. Doch das funktioniert noch nicht überall und längst nicht so gut, wie es seitens der Bundesregierung gewollt ist. Wie eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung jetzt herausgefunden hat, beginnt das große Scheitern schon, wenn es darum geht, ausländische Kinder so früh wie möglich an die deutsche Sprache heranzuführen.

Die Folgen sind verheerend. «Ein Kind, das mit geringen deutschen Sprachkenntnissen in die Schule kommt, wird natürlich Probleme haben, dem Unterricht zu folgen», sagt Vera Kreuter, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Berlin-Institut die Studie zur Sprachförderung ausländischer Kinder mit erarbeitet hat, zu news.de. Ganz unabhängig davon, wie klug das Kind eigentlich ist, wird es nichts von dem verstehen, was die Lehrer erklären. Und ohne ausreichende Deutschkenntnisse «ist das Risiko hoch, dass sich dieser Nachteil durch die ganze Bildungslaufbahn zieht und dann natürlich auch die beruflichen Chancen einschränkt».

Die Zahl der ausländischen Kinder im Kita-Alter steigt rapide

Meinungsbild
Sarrazin kommt gut an

Böhmer nennt noch ein weiteres Problem, das ausländische Kinder beim Deutschlernen bewältigen müssen. «Wir haben festgestellt: Wenn der Schulerfolg nicht gut ist, dann hängt es auch daran, dass nicht so viel Deutsch in der Familie gesprochen wird», sagte sie im Morgenmagazin der ARD. Auch die Eltern sollten sich deshalb nicht scheuen, Förderprogramme zu nutzen.

Ganz anders sieht das Kreuter: Ausländische Eltern, die nur schlecht Deutsch sprechen können, seien gar nicht das Hauptproblem. Aus Sicht des Spracherwerbs sei das ohnehin nicht so wünschenswert, meint die studierte Soziologin. Wenn ausländische Eltern starke Probleme in der deutschen Sprache haben, dann «ist es besser, die Kinder erwerben zu Hause die Herkunftssprache, sodass sie eine solide sprachliche Basis haben».

Doch noch etwas anderes ist alarmierend: Die Zahl der Kinder im Kita-Alter, die nicht ausreichend deutsch sprechen, wird wohl weiter steigen. In Großstädten tritt das Problem demnach verstärkt auf. 2010 lag in Berlin der Anteil bei Kindern mit ausländischen Wurzeln bei 34 Prozent, in München bei 46 Prozent. Auch Kinder aus niedrigen sozialen Schichten haben oft Sprachdefizite.

Wenn die Theorie auf den Alltag trifft

Diese Defizite zu beseitigen, ist fast unmöglich. Kreuter kennt den Grund dafür: «Viele Erzieherinnen sind von ihrer Ausbildung her nicht gut genug auf diese Herausforderung vorbereitet und daher manchmal überfordert, gerade in Kita-Gruppen mit vielen nicht-deutschsprachigen Kindern.» Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich, wenn verschiedensprachige Kleinkinder in den Kita-Gruppen aufeinandertreffen. Besonders in Kindertagesstätten in Problembezirken sei das häufig der Fall.

Derzeit müssen Erzieher häufig nach nur wenigen Tagen Schulung das Sprachprogramm übernehmen. «Viele Erwachsene tendieren aber dazu, selbst zu sprechen, anstatt die Kinder sprechen zu lassen», so Kreuter. Dies bringe den Kindern wenig. Eine Kombination aus langfristigen Sprachkursen in kleinen Gruppen und Sprachförderung im Kita-Alltag verspreche die besten Erfolge. Die muss Integrationsbeauftragte Böhmer bald vorweisen. Eine weitere Idee, abseits von Programmen zur Sprachförderung, hat sie schon.

Der öffentliche Dienst in Deutschland soll mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln beschäftigen. Man brauche mehr Migranten als Polizisten, Lehrer, Erzieher und in der Kommunalverwaltung, sagte die CDU-Politikerin im ARD-Morgenmagazin. Doch dies zu realisieren, dürfte anhand der aktuell schlecht umgesetzten Programme zur Sprachförderung und den dadurch entstehenden Verständigungsproblemen schwierig werden.

cvd/news.de/dapd

Leserkommentare (28) Jetzt Artikel kommentieren
  • Avat
  • Kommentar 28
  • 03.03.2012 23:52

Es gibt keine Integration, wenn Menschen, denen die Sharia "Gesetze" näher stehen als das Grundgesetz, sich nicht integrieren lassen WOLLEN. Und ein Erdogan hier vor Ort! ungestraft predigen darf: Integration ist Assimilation ist Rassismus! Und damit alle integrierten Deutschtürken vor den Kopf stößt und die nicht integrierbaren Problem-Türken, als "echte" Türken und als "seine" Landsleute herlobt. Warum darf es da nicht auch bei Deutschen Gedanken geben im Sinne von: Bitte geht wieder heim!? Ach ja, da gibts dann auch wieder das Wort RASSIST für. Ach so...na dann is ja gut.

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  • Alberich
  • Kommentar 27
  • 14.02.2012 00:08

Deutschland tut vieles für die Integration ihrer Migranten. Wenn aber bei 50% der Migranten eine Verweigerungshalung herrscht, besonders in den Migrantenviertel, ist alle Hilfe umsonst. Der Staat müßte solchen Menschen mit Mittelkürzungen begegnen dann würde mehr für Integration getan. Aber hier leben, Geld von uns kassieren und sich dann um nichts kümmern ist schon etwas wie Betrug. Aber die Politik schaut einfach weg. Es ist dem Bürger nicht länger zuzumuten, dass auf dieser Art und Weise Geld von ihm ergaunert wird.

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  • Peter Silie
  • Kommentar 26
  • 12.02.2012 17:46

Der Artikel ist mir zu weichgespült und so furchtbar "politisch korrekt" ! 1. ) Kinder können nun mal garnichts dafür in welche Umgebung sie hineingeboren werden. Sie brauchen den vollen Schutz und die Förderung aller. 2.) Eltern, die Kinder in die Welt setzen, sich aber nicht um deren Entwicklung kümmern, gehört mächtig in den A..h getreten. Wenn das Ausländer (aber auch Präkariaten)nicht einsehen wollen, dann hilft nur die harte Hand 3.) diese ganzen Integrationsbeauftragten sollen mit dem Rumgeschwuchtel aufhören und Gas geben.

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