Rachefeldzug im Netz Anonymous legt FBI-Seite lahm

Das Hacker-Kollektiv Anonymous (Foto)
Hacker haben für Stunden die Websites von FBI und Justizministerium lahmgelegt. Bild: dapd

Nachdem US-Behörden eine Datentausch-Plattform dichtgemacht haben, attackieren die Netzaktivisten von Anonymous die Seiten von FBI, amerikanischem Justizministerium und der Musikindustrie. Mit Erfolg.

Die Websites von FBI und Justizministerium gingen erst am frühen Freitagmorgen deutscher Zeit wieder. Die ebenfalls angegriffenen Internet-Seiten des amerikanischen Musikindustrie-Verbandes RIAA und des Musik-Marktführers Universal Music Group waren hingegen immer noch offline.

Die US-Behörden werfen der geschlossenen Megaupload-Plattform massive Urheberrechtsverletzungen vor. Sieben Verdächtige wurden angeklagt, darunter auch mehrere deutsche Staatsbürger. Deutsche sind auch unter den vier in Neuseeland festgenommenen Beschuldigten, wie die amerikanischen und lokalen Behörden mitteilten. Einen von ihnen ist der Gründer: Der aus Deutschland stammende bekannte Internet-Unternehmer hieß früher Kim Schmitz, änderte seinen Namen aber inzwischen in Kim Dotcom. «Auch bekannt als Kim Tim Jim Vestor», zählte das Justizministerium auf. Der 37-Jährige mit deutscher und finnischer Staatsbürgerschaft lebte demnach zuletzt in Hongkong und Neuseeland.

Daten-Portale
Im Graubereich
Megaupload (Foto) Zur Fotostrecke

Nachdem die US-Behörden am späten Donnerstag den Schlag gegen Megaupload meldeten, schwor die berüchtigte Hackergruppe Anonymous Vergeltung. «Anonymous geht auf Rachefeldzug für Megaupload», erklärten die Hacker per Kurznachrichtendienst Twitter. Sie drohte, unter anderem die Website der Bundespolizei FBI und des Justizministeriums vom Netz zu nehmen - und tatsächlich waren die Adressen Minuten später eingeschränkt zu erreichen. Anonymous dürfte dabei zu sogenannten DDOS-Attacken gegriffen haben, bei denen ein Web-Server mit Daten-Anfragen überhäuft wird, bis er unter dieser Last in die Knie geht.

Behörden gehen von Schaden in Millionenhöhe aus

Bei Megaupload konnten Daten aller Art hochgeladen werden. Nach den Vorwürfen der US-Behörden waren darunter auch in großem Stil illegal kopierte Musik, Filme, Fernsehprogramme und digitale Bücher. Den Vorwürfen zufolge geschah dies mit Wissen der Betreiber. Megaupload habe mehr als 175 Millionen Dollar illegalen Gewinn gemacht und den rechtmäßigen Eigentümern der Inhalte einen Schaden von deutlich über einer halben Milliarde Dollar zugefügt, erklärte das Justizministerium. Ein weiterer Vorwurf lautet auf Geldwäsche.

Die neuseeländische Polizei nahm die drei Deutschen und einen Niederländer auf FBI-Ersuchen fest. In Coateville nördlich von Auckland durchsuchten 70 Beamte ein Anwesen des Gründers, wie die Polizei mitteilte. Der Richter am North Shore District-Gericht lehnte eine Freilassung der Festgenommenen gegen Kaution ab. Die vier sollen Montag erneut vor Gericht erscheinen.

Auf dem Anwesen bei Auckland wurden nach Angaben der Polizei Wertgegenstände und Geld im Gesamtwert von sechs Millionen neuseeländischen Dollar (etwa 3,7 Millionen Euro) sichergestellt. Darunter waren ein Rolls Royce Phantom sowie mehrere Gemälde. Bodyguards hätten den Beamten am frühen Morgen zunächst den Zutritt zu dem Anwesen verwehrt, teilte die Polizei mit. Auf den Gelände seien zwei Gewehre sichergestellt worden.

Auch legale Daten nicht mehr erreichbar

Wikipedia und SOPA
Das Netz muss frei bleiben
Video: news.de

Der Kampf gegen Raubkopien im Netz ist gerade ein heiß diskutiertes Thema in den USA. Gerade erst am Mittwoch gab es eine große Internet-Protestaktion gegen neue Gesetzespläne, die unter anderem die Sperrung von Webseiten erlauben sollen. Kritiker dieser Pläne warnen, dass damit eine Zensur-Infrastruktur geschaffen werde, die auch in anderen Fällen zum Einsatz kommen könnte. Aus Protest war unter anderem das englischsprachige Online-Lexikon Wikipedia einen Tag lang nicht erreichbar.

Insofern ist der Zeitpunkt Razzia der US-Behörden interessant - denn jetzt schlugen FBI und Justizministerium auch auf Grundlage der heutigen Gesetze erfolgreich zu. Sie werfen den Megaupload-Betreibern vor, die Verbreitung von Raubkopien unterstützt zu haben. Der Anklage zufolge sollen sie ihnen bekannte Raubkopierer für der Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte bezahlt haben. Unklar ist, was mit den Daten gewöhnlicher Megaupload-Nutzer passiert, die dort ihre Dateien gelagert haben.

wam/ruk/news.de/dpa

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • th3bl1ndf1sh
  • Kommentar 6
  • 24.04.2012 22:11
Antwort auf Kommentar 3

wenn du mich fragst sollten die völker der erde einfach ihre regierungen überrennen, bereitwillige hacktivisten die die fähigkeiten zu einem solchen zusammenbruch hätten gibt es zu wenige ;)

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  • th3bl1ndf1sh
  • Kommentar 5
  • 24.04.2012 22:08
Antwort auf Kommentar 4

stimme dir zu. außerdem kann man rechte ja nicht klauen, weil kein gegenstand (und die rechte sind dann ja immer noch da!!). raubkopierer ist auch falsch, weil das entwendung unter anwendung von gewalt bedeutet... man sollte das rechteerschleichen nennen, und da sind die tätigkeiten unserer politiker DEUTLICH krimineller... außerdem regn sich eh sogar mitlerweile schon viele künstler über gema un co auf, die diese ja eig schützen sollten, weil sie den künstlern nur im weg stehen

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  • herby
  • Kommentar 4
  • 20.01.2012 14:40

Urheberrechte sind doch eh meistens schon vorher geklaut worden, und was sind ein paar Millionen, wir deutschen wurden mit 2 Billionen Euro betrogen für die alle nachfolgenden Generationen noch zahlen werden, der Ami ist doch sowieso der größte Ausbeuter auf Erden, ich kann nur Hoffen das es nicht mehr lange so sein wird, was hat die USA schon alles geklaut bisher, es würde Jahre dauern alles aufzulisten, Sau Bande

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