Frankreich Rebell Cantona kokettiert mit Präsidentenamt

Einst war er einer der exzentrischsten Fußballer der Welt. Nun bat Eric Cantona die französischen Bürgermeister, ihn bei seiner Kandidatur für das Amt als französischer Präsident zu unterstützen. Doch offenbar will «King Eric» nicht wirklich kandidieren.

Eric Cantona (Foto)
Ein Blick, der die Mächtigen dieser Welt irritieren könnte: Eric Cantona. Bild: dapd

Eric Cantona will der Zeitung Liberation zufolge bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich im April kandidieren. Der frühere französische Fußballstar habe einen Brief an die 35.000 Bürgermeister des Landes geschickt, um sie für seine Kandidatur zu gewinnen, berichtete die Zeitung am Montagabend auf ihrer Webseite. Mögliche Kandidaten brauchen in Frankreich 500 Unterschriften von «Paten» aus dem öffentlichen Leben, um antreten zu können.

Cantona will durch seine Kandidatur auf soziale Missstände in Frankreich aufmerksam machen. Für viele junge Bürger im Land seien die Möglichkeiten begrenzt, was Gewalt erzeugen würde, schrieb der 45-Jährige in einem veröffentlichten Rundbrief an die Bürgermeister. Sein Hauptaugenmerk liege in der Bekämpfung der Obdachlosigkeit in Frankreich.

«Looking for Eric»: Die Legende und der Postbote

Doch an der Ernsthaftigkeit von Cantonas Vorhaben dürfen Zweifel gehegt werden. «Er sucht nicht wirklich nach Unterschriften, um Präsidentschaftskandidat zu werden. Vielmehr will er die Botschaft der Abbé-Pierre-Stiftung verbreiten, zur Unterstützung für eine bessere Wohnungspolitik und um das Wohnungswesen, das ein Schwerpunktthema für die französische Bevölkerung ist, auch zu einem Schwerpunktthema für die Präsidentschaftskandidaten zu machen», sagte Paul Quinio, stellvertretender Chefredakteur der Liberation dem I-Tele Newskanal.

Bereits in der Vergangenheit war der exzentrische Exstürmer durch politische Kampagnen aufgefallen. So rief er Ende 2010 dazu auf, sämtliches Geld von Bankkonten abzuheben. Dadurch sollte das Finanzsystem zum Zusammenbruch gebracht werden. Der Appell stieß allerdings auf wenig Resonanz.

Kandidatur kein Novum

In Frankreich ist die Kandidatur einer berühmten Persönlichkeit, die nicht aus der Politik kommt, kein Novum. Ende Oktober 1980 hatte der Komiker Michel Gerard Joseph Colucci (Künstlername: Coluche) angekündigt, für das französische Präsidentenamt zu kandidieren, um gegen die politischen Zustände im Land zu protestieren. In Umfragen erhielt er bis zu 16 Prozent der Stimmen, schließlich reichte er aber keine offizielle Kandidatur ein.

Zu seiner aktiven Zeit war Cantona wegen seiner zahlreichen Ausraster einer der umstrittensten Spieler in Englands Premier League. Trauriger Höhepunkt diesbezüglich war sein Kung-Fu-Tritt 1995 gegen einen Fan von Crystal Palace. Seine fußballerischen Fähigkeiten dagegen waren unbestritten. Cantona gewann mit Manchester United insgesamt vier Mal die Meisterschaft. 2005 wurde er zum besten Premiere-League-Spieler aller Zeiten gewählt. Neben ManUnited spielte er bei Leeds, Marseille, Bordeaux und Auxerre.

kru/phs/cvd/news.de/dapd

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig