Parteimitglieder Fahnenflüchtige FDPler und boomende Piraten

Von news.de-Redakteur Martin Walter
Grüne und Piraten feiern Mitgliederrekorde, dagegen laufen den großen Parteien die Mitglieder davon. Drastisch sind vor allem die Verluste bei der FDP. Der Politologe Gerd Langguth sieht einen «großen Umbruch» im Gange.

Als sei die Krise der Partei noch nicht schlimm genug, durften sich die Liberalen kurz vor Jahresende selbst die nächste Hiobsbotschaft servieren. 7,5 Prozent seiner Mitglieder hat das liberale Heer im Jahr 2011 verloren, in realen Zahlen ein Schwund von mehr als 5000 Parteibüchern. Neben desaströsen Umfragewerten und einer schwelenden Führungskrise hat die FDP seit geraumer Zeit auch mit einem bedenklichen Einbruch bei den Mitgliederzahlen zu kämpfen. Bereits 2010 waren der Regierungspartei fünf Prozent ihrer Beitragszahler von der Fahne gegangen.

Mit dem Mitgliederschwund stehen die Liberalen allerdings nicht alleine da. Auch die großen Volksparteien sehen sich seit Langem einem zunehmenden Verlust ausgesetzt. Erstmals seit über 100 Jahren sank die Zahl der SPD-Mitglieder im vergangenen Jahr auf unter eine halbe Million. Die CDU liegt etwa gleichauf - nach noch massiveren Einbrüchen. Auch die Linke klagt über rückläufige Mitgliederzahlen.

Grüne und Piraten können ansesichts solcher Sorgen dagegen nur milde lächeln. Beide Parteien erleben einen Mitgliederboom. «Wir gehen straight auf die 20.000 zu», frohlockt Christopher Lang, Pressesprecher der Piraten, gegenüber news.de. Innerhalb einer Jahresfrist können die Neuankömmlinge damit ein Wachstum von beinahe 100 Prozent verzeichnen.

«Der Erfolg der Piraten besteht darin, dass sie neue Wählerschichten auftun», umschreibt der Bonner Parteienforscher Gerd Langguth die Gründe für das rasante Wachstum. «Ihr größtes Wählersegment in Berlin waren die bisherigen Nichtwähler, aus denen auch die Mitgliedschaften dieser Partei kommen werden», so der Experte über den kometenhaften Aufstieg der Freibeuter in die Riege der mitgliederstärksten Parteien.

Den großen Parteien sterben die Mitglieder weg

Längst dort angekommen sind die Grünen. Sie schicken sich derzeit an, auf der Überholspur an den Liberalen vorbeizuziehen. Nach 10 Prozent Wachstum in 2010 konnten sie 2011 sogar um 11,3 Prozent zulegen. Mit fast 59.000 Mitgliedern (Stand: 20. Dezember 2011) sitzen sie der FDP (63.416) gefährlich im Nacken. Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Fluchtwelle bei den Gelben und der Mitgliederhausse bei Piraten und Grünen sieht Politikwissenschaftler Langguth allerdings nicht. Anzunehmen sei eher, dass «viele ehemalige FDP-Mitglieder nicht in eine andere Partei eintreten».

Den Niedergang von SPD und CDU betrachtet der Politologe als Teil eines historischen Prozesses. «Die großen Volksparteien haben in der Vergangenheit vor allem spezifische Milieus bedient», so Langguth. Gemeint sind damit die Arbeiterschaft auf der einen und die christlich verwurzelte Wählerschaft auf der anderen Seite. «Diese Milieus sind in Auflösung begriffen», so Langguth.

Dazu kommt der demographische Wandel in Deutschland. Den großen Parteien sterben die Mitglieder weg und bei der jungen Generation punkten verstärkt Grüne und Piraten. Nicht nur in den Stadtstaaten. Die meisten Mitglieder verzeichnen die Freibeuter ausgerechnet im Freistaat Bayern. CSU-Boss Horst Seehofer adelte sie jüngst in einem Interview als «Herausforderung».

Denn auch wenn sie für die Etablierten noch ein unliebsames Ärgernis sind, so gewinnen die Piraten - Stichwort Politikverdrossenheit - ein Klientel für die Politik, das für die großen Parteien unerreichbar scheint. Nicht von ungefähr verkündete die SPD diese Woche in einem Zukunftspapier ganz unverblümt, bei der Bundestagswahl 2013 offensiv um Stimmen von Anhängern der Piratenpartei werben zu wollen.

Rösler, Bahr & Co.
Die Köpfe der FDP

Abstieg der FDP
Konsequent in die Krise

eia/news.de/dpa

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • ART
  • Kommentar 5
  • 14.01.2012 10:37
Antwort auf Kommentar 3

Sprachhilfe: "Die Platte des hpklimbim leiert"! Was dieses deutsche Linguistik-Wunder eigentlich ausdrücken wollte,wäre das"Geseiere"! Ich hoffe,dem Wissensstand des "Gebimmel"etwas beigebracht zu haben,und verbleibe mit freundlichen,aufmunternden Grüßen ins Wochenende.Ihr ART!

Kommentar melden
  • Ole
  • Kommentar 4
  • 13.01.2012 22:33
Antwort auf Kommentar 3

Keinen Sex? Gibts doch nicht, doch beim "Gebimmel"! Wenns unten nicht klappt,oral B, Geschmack ist King!

Kommentar melden
  • hpklimbim
  • Kommentar 3
  • 13.01.2012 17:29
Antwort auf Kommentar 2

Wie immer von Ihnen nur monotones und stupides Geleiere. Und dazu noch das Thema völlig verfehlt. Die Wüste werde ich mir von der Insel aus anschauen. Mitsamt der hirnlosen Chaoten wie Ihnen. Und Tschüss!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig