Bundespräsident Wulff rief auch bei Friede Springer an

Friede Springer.jpg (Foto)
Bundespräsident Christian Wulff hat auch bei Springer-Mehrheitsaktionärin Friede Springer angerufen. Bild: news.de

Der Bild-Chefredakteur Kai Diekmann hat den Anruf und die Drohungen des Bundespräsidenten bestätigt. Nun wurde bekannt, dass Wulff auch bei Springer-Chef Mathias Döpfner und auch bei Friede Springer selbst angerufen hat.

Bundespräsident Christian Wulff gerät in der Kreditaffäre wegen seines Umgangs mit den Medien unter zusätzlichen Druck. Wie die Bild-Zeitung am Montag bestätigte, versuchte Wulff persönlich, die erste Veröffentlichung von Recherchen zur Finanzierung seines Privathauses zu verhindern. Bei Bild-Chefredakteur Kai Diekmann habe er mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen Redakteur gedroht. Auch bei Springer-Chef Mathias Döpfner intervenierte Wulff erfolglos. Das bestätigte der Verlag. Außerdem soll Wulff mit einem Anruf bei Springer-Mehrheitsaktionärin Friede Springer versucht haben, die Berichterstattung zu stoppen. Das berichtet das Magazin Cicero. Journalistenverbände reagierten mit Kritik.

Die Wulff-Affäre
Alles begann mit einem Privatkredit

Über die telefonische Intervention Wulffs hatten zuvor die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet. Nach dem Bericht der SZ drohte Wulff am 12. Dezember Diekmann den «endgültigen Bruch» mit dem Springer-Verlag an - für den Fall, dass diese «unglaubliche» Geschichte tatsächlich erscheine. Damit werde «der Rubikon überschritten». Auch die Formulierung «Krieg führen» sei gefallen.

Der Anruf erfolgte einen Tag bevor Bild den ersten Bericht zum umstrittenen 500.000-Euro-Kredit durch das befreundete Unternehmer-Ehepaar Geerkens veröffentlichte.

Wulff hinterließ Nachricht auf Mailbox

Wie das Boulevardblatt (Dienstag) berichtet, hatte Wulff zunächst versucht, Diekmann direkt zu erreichen. «Als das nicht gelang, hinterließ der Bundespräsident eine längere Nachricht auf der Handy-Mailbox des Chefredakteurs.» Der Bundespräsident habe sich «empört über die Recherchen zu dem Hauskredit» gezeigt. Zwei Tage nach der ersten Veröffentlichung habe Wulff in einem Telefonat mit Diekmann persönlich um Entschuldigung für Ton und Inhalt seiner Äußerungen auf der Handy-Mailbox gebeten.

Das Bundespräsidialamt bezog dazu am Montag nicht konkret Stellung, sondern teilte lediglich mit: «Die Presse- und Rundfunkfreiheit ist für den Bundespräsidenten ein hohes Gut. Er hat deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten Transparenz hergestellt, Erklärungen abgegeben und mehrere hundert Medienanfragen beantwortet. Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident aber grundsätzlich keine Auskunft.»

Betrug und Bestechung
Die spektakulärsten Korruptionsfälle

Der Deutsche Journalisten-Verband DJV und die Deutsche Journalisten-Union dju kritisierten das Verhalten Wulffs. «Prominente müssen sich kritische Berichterstattung als Teil der Meinungsfreiheit gefallen lassen», sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken am Montag. «Das müsste niemand besser wissen als der erste Mann im Staat.» «Auch der Bundespräsident muss sich selbstverständlich kritische Berichterstattung gefallen lassen», betonte der dju-Vorsitzende Ulrich Janßen.

Die Bild hatte am 13. Dezember erstmals gemeldet, dass sich der damalige niedersächsische Ministerpräsident Wulff 500.000 Euro bei den Geerkens geliehen hatte. Über die versuchte Einflussnahme des Bundespräsidenten im Dezember berichtete das Blatt nicht. Wulff wusste damals, dass Medien seit Monaten Hinweisen auf die Finanzierung des Einfamilienhauses in Burgwedel bei Hannover nachgingen. Ein Rechtsstreit darüber war durch alle Instanzen gegangen, erst der Bundesgerichtshof hatte die Einsicht für Journalisten in das Grundbuch genehmigt.

«Wulffs Salamitaktik muss ein Ende haben»

Als niedersächsischer CDU-Ministerpräsident sei Wulff einen positiveren Umgang der Springer-Medien mit ihm gewohnt gewesen, daher habe ihn die Bild-Veröffentlichung geschockt, schrieb die SZ weiter. Das Verhältnis habe sich aber schon im Präsidentenwahlkampf abgekühlt, als die Springer-Presse Sympathien für den rot-grünen Gegenkandidaten Joachim Gauck zeigte.

Aus der Opposition in Berlin hält die Kritik an. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil verlangte, Wulff müsse schnellstmöglich Klarheit schaffen. «Die Salamitaktik von Herrn Wulff im Umgang mit dieser Situation muss endlich ein Ende haben.» Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz sagte dem Hamburger Abendblatt: «Dass Herr Wulff nicht sofort reinen Tisch gemacht hat, schadet der ganzen politischen Klasse.»

Politiker & Liebe
Wenn Politik privat wird

Bei der Staatsanwaltschaft in Hannover sind unterdessen elf weitere Strafanzeigen gegen Wulff eingegangen. «Unsere Prüfung hat aber ergeben, dass kein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt», hieß es am Montag aus der Behörde. Es gebe weiterhin keine Ermittlungen. Die Zahl der Strafanzeigen gegen Wulff liege nun bei insgesamt 20, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel.

Christian Wulff
Der Lächel-Präsident

cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (11) Jetzt Artikel kommentieren
  • AlbertusMagnus
  • Kommentar 11
  • 05.01.2012 13:10

Gauck an die Macht !..Macht ?..naja zumindest ist er der Lieblingspräsidentenkandidat des deutschen Volkes. Aber nein..Wulff sieht das nicht so..er bleibt knierschend im Amt.aber wie lange noch. Für uns Bürger sollte bald wieder Normalität einleuten..Lass die Medien weiter stänkern. Sie leben davon. Trotzdem Herr Wulff sag ich mal..tun Sie uns Bürgern den Gefallen und treten Sie endlich zurück....alles was Sie von sich geben klingt.." sorry"..wie an den Haaren herbeigezogen mit bischedn Make up versiert..und somit unglaubwürdig.

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  • Didi
  • Kommentar 10
  • 04.01.2012 22:42

Die Zeiten haben sich geändert. Denn Leistung lohnt sich nicht mehr - sonst hätte ein Politiker, der gute Arbeit leistet es nicht nötig, wie der Normalbürger auch, so viel Geld wie möglich günstig zu bekommen um ein passendes Haus zu bezahlen. Früher haben viele meiner Klassenkameraden von ihrer Oma einen Bauplatz geerbt. Die Zeiten sind halt vorbei. Ich wäre eher dafür , dass sich gute Arbeit wieder lohnen muss. Wenn Vorstände von Industrieunternehmen irrwitzige Summen verdienen, sollen die halt einen Präsident stellen, es ist das gleiche, denn der Normalbürger konnte noch nie bauen.

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  • jotis
  • Kommentar 9
  • 03.01.2012 15:17

Kann ich die Telefonnummer von Friede Springer haben? Ich garantiere keine unverschämten Anrufe.

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