Von Berrit Gräber - 01.01.2012, 10.11 Uhr

Ruhestand ab 67: Das bedeutet die neue Rentenregelung für Sie

Ab heute wird es ernst: Die neue Rentenregelung tritt in Kraft. Schrittweise werden die Deutschen an die Rente mit 67 Jahren herangeführt. Was das für den Einzelnen bedeutet und ab wann Sie wirklich in Rente gehen können, verrät news.de.

In den kommenden 19 Jahren steigt das Eintrittsalter für eine Rente ohne Abschläge von 65 auf 67 Jahre. Bild: dpa

Im neuen Jahr 2012 kommt auch die Rente mit 67. Ab sofort müssen Bundesbürger von Jahrgang zu Jahrgang länger arbeiten, wenn sie sich ohne Abzüge zur Ruhe setzen wollen. Gestartet wird mit den 1947 Geborenen. Sie müssen wie die nachfolgenden Geburtsjahrgänge jeweils einen Monat an die bisherige Regelarbeitszeit von 65 Jahren dranhängen. Ab 1958 Geborene müssen dann schon je zwei Monate länger arbeiten. Die Jüngeren trifft es am härtesten. Ab Jahrgang 1964 liegt die Hürde in den Ruhestand bei vollen 67 Jahren. Wer vorher Rente will, kriegt sie frühestens ab 63 - und muss teuer dafür bezahlen. News.de fasst die wichtigsten Eckpunkte der Neuregelung zusammen.

Wer kann wann in Rente?

Die Altersgrenze steigt für die Jahrgänge 1947 bis 1964 in Tippelschritten auf 67 Jahre. 1949 Geborene können beispielsweise mit 65 Jahren und drei Monaten ohne Abzüge in Rente gehen. Der Jahrgang 1960 darf das erst mit 66 Jahren und vier Monaten tun. Wer 1964 oder später geboren ist, erst mit vollen 67 Jahren. Zwei Jahre länger einzuzahlen, bringt wahrscheinlich wenigstens ein bisschen mehr Plus im Geldbeutel. Bei einem Durchschnittsverdiener im Westen macht das derzeit rund 55 Euro im Monat aus, in den neuen Ländern heute etwa 49 Euro, wie die Deutsche Rentenversicherung in Berlin vorrechnet.

Was ist mit einer früheren Rente?

Mit 60 aus dem Job zu gehen wird zum Auslaufmodell. Wer nicht bis 67 arbeiten kann oder will, kann erst ab 63 in Rente gehen. Voraussetzung: Er hat mindestens 35 Jahre Versicherungsbeiträge eingezahlt oder anrechenbare Zeiten für Ausbildung, Wehrdienst, Arbeitslosigkeit oder Kindererziehung vorzuweisen. Außerdem muss er sich das leisten können. Heute verzichten Bürger, die frühzeitig Rente wollen, im Schnitt auf 100 Euro im Monat, lebenslang. Die Einbuße wird sich verdoppeln. Auch die Hinterbliebenenrente für Witwen oder Witwer fällt dann geringer aus.

Wie hoch sind die Abschläge?

Das hängt von Geburtsjahr und Renteneintrittsalter ab. Grundsätzlich werden für jeden Monat, den der Betroffene früher in den Ruhestand geht, 0,3 Prozent von der Rente abgezogen. Wer sich also erst mit 67 Jahren verabschieden dürfte, aber schon volle vier Jahre früher gehen möchte, muss auf 14,4 Prozent seiner Rente verzichten. Das ist noch nicht alles: Weil er vier Jahre weniger einzahlt, schrumpft außerdem der Rentenbetrag, von dem der Abschlag abgerechnet wird. Was das in Euro ausmacht, können Versicherungsberater im Einzelfall vorrechnen. Das kostenlose Servicetelefon ín Berlin ist unter (0800) 10 00 48 00 erreichbar.

Was ist bei Krankheit?

Bei den Erwerbsminderungsrenten steigt das Eintrittsalter ohne Abzüge von 63 auf 65 Jahre. Wer aus gesundheitlichen Gründen früher aus dem Beruf ausscheidet, muss in der Regel Kürzungen bis 10,8 Prozent hinnehmen. Für schwerbehinderte Bürger ab Jahrgang 1952 steigt die Altersgrenze ebenfalls von 63 auf 65. Sie können ab 62 in Rente gehen - wenn sie Abzüge von 0,3 Prozent pro Monat in Kauf nehmen. Sonderfall: Wer vor dem 17. November 1950 geboren ist und spätestens am 16. November 2000 anerkannt schwerbehindert war, kann weiterhin mit 60 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen.

Was ist komplett neu?

Bürger, die 45 Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt haben, werden als «besonders langjährige Versicherte» belohnt und dürfen mit 65 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen. Das gilt auch dann, wenn sie unter die Neuregelung der Rente mit 67 fielen und eigentlich länger arbeiten müssten. Davon können unter Umständen Mütter mit Kindern profitieren. Die Erziehung von Kindern bis zum zehnten Lebensjahr wird angerechnet. Arbeitslosigkeit zählt nicht.

Wie geht nichts an Rente verloren?

Die jährliche Renteninformation gehört kontrolliert. Lücken müssen aus eigenem Antrieb nachgemeldet werden. Denn nur erfasste Zeiten bringen Rente. Jeder Monat, in dem der Versicherte in berufsbildenden Schulen, an Universitäten oder in Ausbildung war, arbeitslos oder krankgemeldet, muss im Versicherungsverlauf auftauchen. Fehlende Zeiten können jederzeit nachgereicht werden. Selbst die Lehrstellensuche zwischen 17 und 25 Jahren kann sich positiv auf spätere Rentenansprüche auswirken. Für Millionen Eltern sind die Kindererziehungszeiten wichtig. Meist sind es Frauen, die ihre spätere Monatsrente mit dem Nachmelden aufpeppen können, bestenfalls um bis zu 81 Euro.

Warum müssen die Deutschen länger arbeiten?

Die Rente mit 67 soll das Rentensystem stabilisieren und die Beiträge für die Jüngeren bezahlbar halten. Der Grund: Die Deutschen leben immer länger und bekommen immer länger Rente vom Staat. Männer etwa 15 Jahre lang (1960 waren es nur etwa zehn Jahre) und Frauen rund 20 Jahre lang (1960: circa elf Jahre).

Seehofer übt Kritik an Rentenregelung und Arbeitgebern

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer stellt die Rente mit 67 in Frage, falls sich die Situation für ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt nicht rasch ändert. Der Bild am Sonntag sagte Seehofer: «Die Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer über 50 in Deutschland müssen spürbar verbessert werden! Sonst wird die Verlängerung der Lebensarbeitszeit zur faktischen Rentenkürzung. Das bisher Erreichte genügt da nicht. Wenn sich das nicht ändert, werden wir über diese Frage eine breite öffentliche Debatte führen müssen. Mit mir ist eine massenhafte Rentenkürzung nicht zu machen.»

Seehofer drohte der Wirtschaft mit gesetzlichen Schritten, falls Unternehmen kurzfristige Arbeitsverhältnisse unverhältnismäßig nutzen: «Alle Regierungen in den letzten 20 Jahren in Deutschland haben befristete Arbeitsverträge und Minijobs als begrenztes Mittel zur Flexibilität akzeptiert. Sie sind aber in vielen Fällen der Regelfall geworden. Das müssen wir wieder ändern.»

som/cvd/news.de/dapd/dpa

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