Kim Jong Il Der Tod des «Dr. Seltsam»

Am Ende war es ein Herzinfarkt: Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il ist am Wochenende gestorben. Schon seit 2008 war sein Gesundheitszustand ein Thema, die Nachfolge ist bereits geregelt. Aber wer war eigentlich Kim Jong Il?

Kim Jong Il (Foto)
Kim Jong Il ist tot. Bild: dapd

Über Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il kursierten Namen wie «Verrückter mit der Bombe», «Zombie» oder «Dr. Seltsam»: Kim, der im Alter von 69 Jahren gestorben ist, wurde im Westen auch schon mal Größenwahn unterstellt, weil er sich mit der Supermacht USA anlegt hatte. Er unterhielt ein umstrittenes Atom- und Raketenprogramm, während sein Land wirtschaftlich am Boden lag und ein großer Teil der Bevölkerung unter Hunger litt.

Mit dem Start von Langstreckenraketen und zwei Atomtests 2006 und 2009 brachte Nordkorea erneut die gesamte internationale Staatengemeinschaft gegen sich auf. Immer wieder stieß das Regime zudem wüste Kriegsdrohungen gegen das Nachbarland Südkorea aus.

Seit seinem vermuteten Schlaganfall 2008 galt lange Zeit als ungewiss, ob der von Krankheiten gezeichnete Kim überhaupt noch die volle Kontrolle in seinem Herrschaftsbereich ausübe. Doch zuletzt hatte er nach Meinung von Beobachtern die Zügel bei den Regierungsgeschäften noch voll im Griff. Auch trieb er die Regelung für die Nachfolge in dritter Generation voran. Seinen jüngsten Sohn, Kim Jong Un, hatte Kim im September 2010 zum Vier-Sterne-General ernannt und in die erweiterte Führungsriege der herrschenden Arbeiterpartei gehievt. Damit ernannte Kim seinen Sohn praktisch zum Nachfolger.

Tyrannei und Folter: Die Diktaturen, an die keiner denkt

Was man weiß, stammt aus der Propagandamühle

Experten in der Region sind davon überzeugt, dass Kim im Streit um das Atomprogramm des Landes durchaus eine rationale Strategie verfolgt. Durch die Erhöhung des Einsatzes im Atompoker glaubte Kim demnach, die USA nicht nur zum Dialog, sondern auch zu weiteren Zugeständnissen zwingen zu können.

Nach mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze des stalinistischen Staates wurde auch über Kims Politik oftmals nur spekuliert. Das gleiche galt für Kims Privatleben.

Das meiste, was die Außenwelt über den im Schatten des früheren Staatschefs und «Übervaters» Kim Il Sung aufgestiegenen Diktators weiß, stammt aus der unerschöpflichen Propagandamühle Pjöngjangs, die ihn als Halbgott und «Genie in Literatur, Kunst und Kriegskunst» verehrte. Für viele Menschen bleibt Kim deshalb eine rätselhafte Erscheinung. Verlässliche Informationen über Kim, der einst als Lebemann galt und dem Alkohol und gutem Essen zugetan war, gibt es kaum.

beu/news.de/dpa

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 5
  • 20.12.2011 12:04

Die Beileidsbezeugung der linken Sippschaft fehlen auch IHM. Jedenfalls wird ER diesen verblichenen Sklavenhalter in guter Erinnerung behalten und ihn auf eine Stufe mit Mao, Stalin, Hohnecker, Wagenknecht und Gesine Lötzsch stellen. Das gebietet schon die Ehrlichkeit gegenüber unseren kommunistischen Emporkömmlingen und ihrer Verehrung des Steinzeitbolschewismus.

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  • Rüdiger
  • Kommentar 4
  • 19.12.2011 14:34

Ich bin enttäuscht!Warum liegt noch keine Beileidsbekundung der "Linken" vor?So ein "großer und geliebter Führer"darf doch nicht sang-und klanglos dahinscheiden--------

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  • Arno Nimm
  • Kommentar 3
  • 19.12.2011 13:00

Hier zu Lande wissen alle Deppen, dass nur die Siegermächte des 2. WK -und natürlich Israel- das native Recht haben, Atomwaffen zu besitzen. Warum nur begreifen das die Nordkoreaner nicht?

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