«Spiegel»-Informationen Lügt Wulff?

Holt den Bundespräsidenten die Vergangenheit ein? Die Affäre um den 500.000-Euro-Kredit ist für Christian Wulff noch nicht vorbei. Der Spiegel legt nach und berichtet, das Darlehen sei doch von dem Unternehmer Geerkens. Doch der und Wulff lassen dementieren.

War Egon Geerkens Wulffs Kreditgeber? (Foto)
Bundespräsident Christian Wulff bleibt wegen der Kredit-Affaere unter Druck. Neue Aussagen seines Unternehmer-Freundes Egon Geerkens lassen nach Spiegel-Recherchen den Schluss zu, dass die 500.000 Euro Darlehen de facto von ihm kamen. Bild: dapd

Nicht nur der Bundespräsident selbst wäre vermutlich froh gewesen, wenn sich diese Geschichte um ein privates Darlehen zur Finanzierung des Eigenheims in Großburgwedel allmählich verflüchtigt hätte. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wäre erleichtert, hatte sie doch noch am Donnerstag ihrer Wertschätzung für Christian Wulff zum Ausdruck gebracht.Aber keine 24 Stunden später war es schon wieder vorbei mit dem vorweihnachtlichen Frieden - und ganz überraschend war es nun auch wieder nicht, dass der «Spiegel» noch etwas im Köcher hatte. Auch Christian Wulff und sein Präsidialamt haben davon vermutlich gewusst.

Seit 2009 hatte auch das Hamburger Magazin in Sachen 500 000-Euro-Kredit recherchiert und vor diversen Gerichten Akteneinsicht verlangt. Am 17. August 2011 stimmte der Bundesgerichtshof letztinstanzlich diesem Begehren zu. Von wann genau aber die jetzt publizierten Äußerungen des Unternehmers Egon Geerkens stammen, war nicht klar.

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Zu Erinnerung: In erster Linie ist nicht das Darlehen als solches umstritten, sondern die Tatsache, dass Wulff Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmer Geerkens verneint hatte. Das Darlehen erwähnte er als Ministerpräsident vor dem niedersächsischen Landtag nicht, als er dort 2010 nach seinen Geschäftsbeziehungen zu Egon Geerkens gefragt wurde - weil der Kredit von Frau Geerkens, und nicht von dem befreundeten Geschäftsmann selbst gestammt habe. Nun also berichtet der Spiegel, dass der umstrittene Kredit möglicherweise doch von Wulffs Unternehmerfreund direkt stammte.

Wulff verkündet Akteneinsicht

Am Donnerstag hatte Wulff selbst bekanntgegeben, dass die Kanzlei Redeker Sellner Dahs in der kommenden Woche für alle Interessierten Einsicht in die Darlehensunterlagen organisieren wird. Noch am Freitag veröffentlichte die Kanzlei eine Stellungnahme «im Auftrag von Christian Wulff». Demnach habe die Sparkasse Osnabrück bestätigt, dass der Scheck über 500 000 Euro aus dem Konto von Edith Geerkens gedeckt wurde. Auch der Vertrag über das Privatdarlehen sei von Frau Geerkens geschlossen worden, und auch die Rückzahlung sei auf ihr Konto erfolgt. Genau dies bestätigt auch eine andere Anwaltskanzlei im Namen von Geerkens.

Klar erkennbar ist der Versuch Wulffs, den Wirbel um seinen Privatkredit künftig als Privatsache zu behandeln. Auskunft gibt nicht mehr das Bundespräsidialamt und sein Sprecher Olaf Glaeseker, sondern die Anwaltssozietät. Ob sich diese Trennung durchhalten lässt, ist allerdings zweifelhaft. Die Gefahr wächst, dass auch in der Berliner Politik der Verdruss an der Darlehensaffäre weiter zunimmt.

Welche Folgen könnte der Spiegel-Bericht haben? Wulffs umstrittene Erklärung im Landtag 2010 würde noch ein bisschen unglaubwürdiger. Und die Wiederholung dieser Version unter massivem Druck am Donnerstag noch etwas unverständlicher. Christian Wulff hat an diesem Wochenende mehrere Termine. Niemand weiß, ob er sich noch einmal persönlich zu dem Kredit für das Haus in Großburgwedel erklären wird.

sua/krc/news.de/dapd

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Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • heinrichIV
  • Kommentar 8
  • 19.12.2011 12:02
Antwort auf Kommentar 6

Hallo Klaus! Seit wann sind unsere Politiker denn Volksvertreter?? So wollen die auch nicht genannt werden. Alle etablierten Parteien sind Lobbyisten-Parteien...vertreten also nur deren eigene Klientelgruppe. Volksvertreter gibts dort nicht mehr. Das ist auch so gewünscht und gewollt.

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  • heinrichIV
  • Kommentar 7
  • 19.12.2011 11:56
Antwort auf Kommentar 5

Hallo Marianne SSchmitt: JA, Wulff soll im Amt bleiben! Er passt genau zu der Politriege die wir in Deutschland haben:"Nicht lügen...aber dem Parlament u. Volk die Wahrheit verschweigen". Solche Gestalten regieren unser Land und reden auch noch von einer Werte-Gemeinschaft. Weiterer Kommentar hierzu überflüssig.

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  • Klaus
  • Kommentar 6
  • 18.12.2011 15:09
Antwort auf Kommentar 5

Marianne SSchmitt! Wie ticken Sie denn? Gott sei Dank haben wir noch eine freie Presse die solch unsaubere Machenschaften aufdeckt. Ansonsten würden unsere sogenannten "Volksvertreter",vor allem die der Christ- und Freidemokraten, noch schamloser in die eigene Tasche wirtschaften.

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