FDP-Führungskrise «Ein Abgang vor dem Untergang»

Alarm bei den Liberalen: Nur sieben Monate nach dem Wechsel an der Parteispitze heizt der Rücktritt von Generalsekretär Christian Lindner die Spekulationen über eine Nachfolge von Parteichef Philipp Rösler an. Zerfällt die liberale Parteispitze?

«Ein Abgang vor dem Untergang» (Foto)
Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Zerfällt die Führungsspitze der FDP an Lindners Rücktritt? Bild: dapd

Reisst der Abwärtsstrudel auch Parteichef Philipp Rösler in die Tiefe? Nach außen gibt es sich gelassen, beschwört nach dem überraschenden Abgang des FDP-Vordenkers Lindner den «Blick nach vorn». Doch bei den Liberalen gibt es schon erste Gedankenspiele für eine Übergangsparteispitze.

Als aussichtsreicher Kandidat bei der Suche nach dem Silberrücken - dem erfahrenen Spitzenliberalen, der den Übergang gestalten soll - gilt FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Noch am Dienstag hatte sich dieser gegen solche Spekulationen gestemmt: «Veränderungen stehen nicht an», sagte er. Nicht einmal 24 Stunden später scheint diese Aussage Makulatur. Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki ist der erste, der die Personaldebatte befeuert.

Rösler, Bahr & Co.: Die Köpfe der FDP

Ein junges Trio zerfällt

Auslöser ist Christian Lindners Rücktritt. Nach exakt zwei Jahren im Amt als Generalsekretär der krisengeschüttelten Freidemokraten wirft er das Handtuch. Bislang galt er als fester Bestandteil der sogenannten Boy-Group der Liberalen, zu der auch Rösler und Gesundheitsminister Daniel Bahr gehören. Die drei Unter-40-Jährigen sollten die Partei eigentlich aus dem Tal der Tränen führen und das böse Image FDP als Fast Drei Prozent-Partei zerstören.

FDP-Parteitag: Neue Spitze mit kritischen Stimmen
Video: dapd

Mit dem Rücktritt aber wird offensichtlich: Seit einiger Zeit ist dieses Trio zerbrochen. Zwar dankt Lindner in seiner Rücktrittserklärung Parteichef Rösler - aber eben ausdrücklich auch dessen früheren Rivalen Guido Westerwelle. Dieser hatte Lindner 2009 ins Amt gebracht.

Über den Zeitpunkt des Trio-Zerfalls wird spekuliert. Doch soll der Umgang Röslers mit Westerwelle auf der FDP-Fraktionsklausur im Herbst ein Auslöser gewesen sein, sagen Insider. Damals hatte Rösler gesagt, er habe in der Libyen-Debatte den Kurs vorgegeben, «und der Bundesaußenminister ist dieser Linie klar gefolgt». So hätte der Parteichef nicht mit seinem Vorgänger umgehen dürfen, hieß es schon bei dem Treffen in Bergisch Gladbach.

Nur ein zeitweiliger Rückzug?

Spätestens mit dem aktuellen Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungsschirm geht es um mehr, um die Zukunft der FDP-Spitze. In den vergangenen Tagen war von Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung die Rede, die Lindner als Generalsekretär noch am Montag heftig bestritt. Doch weiß er auch, dass es zumindest unglücklich ist, wenn die Parteiführung noch vor dem Ende der Wahl den Entscheid schon für gescheitert erklärt. Und dass der Wahlausgang ein dickes Fragezeichen hinter Röslers politische Zukunft setzen könnte.

Hat Lindner nun frustriert das Handtuch geworfen oder ist er vor diesem Hintergrund eher rechtzeitig abgesprungen? Es war wohl ein Abgang vor dem Untergang der Parteiführung unter Rösler, heißt es hinter vorgehaltener Hand bei der FDP. So mancher Liberaler ist überzeugt, dass der erst 32 Jahre alte Lindner lediglich zeitweilig in die zweite Reihe zurückgetreten sei. Da bekommt dessen Rücktrittserklärung eine neue Bedeutung, die er mit den Worten abschloss: «Auf Wiedersehen!»

Guido Westerwelle: Der gelbe Vorzeigemann in der Krise

cvd/beu/news.de/dapd

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig