Neue Studien Wie rassistisch ist Deutschland?

Türkische Frauen beobachten eine Demonstration gegen eine Moschee in Köln. (Foto)
Türkische Frauen beobachten eine Demonstration gegen eine Moschee in Köln. Bild: dapd

Isabelle WiedemeierVon news.de-Redakteurin
Zwei Studien über Deutsche und Ausländer, zwei gegenteilige Ergebnisse: Der Hass auf Ausländer und Randgruppen wächst, sagt die eine. Deutsche sind besonders fremdenfreundlich, die andere. Wie passt das zusammen?

Es wird einem warm ums Herz, wenn man die Ergebnisse einer Studie der Uni Köln hört. In keinem anderen europäischen Land ist man so fremdenfreundlich wie bei uns, hat der Psychologieprofessor Ulrich Schmidt-Denter herausgefunden. Zehn Jahre lang befragten er und seine Mitarbeiter insgesamt 6000 Menschen in Europa und stellten fest: Freundliche Aussagen über Migranten werden nirgendwo so oft bejaht wie in Deutschland.

Nicht nur das: Die befragten Deutschen zeigten sich auch besonders selbstkritisch: Dem Satz «Ausländer haben viele positive Eigenschaften, die uns fehlen» stimmten sie häufiger zu als die europäischen Nachbarn.

Ein ganz anderes Gefühl allerdings beschleicht einen, wenn man sich eine andere Langzeitstudie ansieht. Seit zehn Jahren beobachtet die Deutschen auch der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer. Seine als «Deutsche Zustände» bekannte Langzeitstudie vermeldet seit 2002 alljährlich die Boshaftigkeit unserer Gesellschaft: wie sehr die Deutschen Fremdenfeindlichkeit zustimmen, Obdachlose oder Arbeitslose verachten und auf Behinderte herabsehen.

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Ein braunes Netzwerk durchwirkte die vergangenen zehn Jahre

Nach zehn Jahren blickt Heitmeyer jetzt zurück - zehn Jahre, über die wir seit Kurzem mehr wissen, wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sagte, als er die Studie am Montag in Berlin vorstellte. Nämlich, dass ein mörderisches braunes Netzwerk sich in dieser Zeit durch Deutschland sponn, während zunächst die Angehörigen der Opfer zu Tätern gestempelt wurden.

Der wissenschaftliche Rückblick Heitmeyers bestätigt Thierses Empfinden über die deutschen Befindlichkeiten. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und die Abwertung von Langzeitarbeitslosen und Obdachlosen haben zugenommen. Verantwortlich für den Anstieg seien zum einem großen Teil die Besserverdienenden, sagte Heitmeyer im Deutschlandfunk, eine Entwicklung, die er für bedenklich hält: «Das wirft natürlich kein gutes Licht auf den Zustand dieser Gesellschaft.»

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Mehr als die Hälfte der 2000 Befragten ist der Ansicht, Langzeitarbeitslose wollen gar nicht wirklich arbeiten. Ebenso viele haben große Probleme damit, in eine Gegend mit vielen Muslimen zu ziehen - sechs Prozent mehr als in den vergangenen sieben Jahren. 47 Prozent sagten, dass in Deutschland zu viele Ausländer leben. 22 Prozent der Deutschen finden, Aussiedler deutscher Abstammung sollten besser gestellt sein als Ausländer, 13 Prozent finden es richtig so, dass die weiße Rasse in der Welt das Sagen hat. Und 19 Prozent sagten Ja zum dem Satz: «Wenn sich andere bei uns breitmachen, muss man ihnen unter Umständen unter Anwendung von Gewalt zeigen, wer Herr im Hause ist.»

Zwar gibt es auch freundliche Entwicklungen. Die Akzeptanz von Behinderten hat sich verbessert, Sexismus und Homophobie haben abgenommen, der Antisemitismus ist zurückgegangen. Doch das reicht Heitmeyer nicht, um der deutschen Gesellschaft ein positives Zeugnis auszustellen. Ihrem Selbstverständnis, sozial, human, liberal zu sein, werde die Deutschen nicht ausreichend gerecht, sagte er im Deutschlandfunk.

Wie passen Feindlichkeit und Freundlichkeit zusammen?

Ein krasser Gegensatz zu den Ergebnissen der Kölner Psychologen - oder nur ein anderer Ansatz? Heitmeyer ist Soziologe, Schmidt-Denter Psychologe. Auch der Kölner Professor stellt Fremdenfeindlichkeit in Deutschland fest, sie bewegt sich im europäischen Vergleich unauffällig im Mittelfeld. Doch die Kölner Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen dem von Schuld belasteten deutschen Selbstbewusstsein und der schwierigen Annäherung an Migranten. Auf integrationswillige Zuwanderer wirke das sogar verstörend, betont Schmidt-Denter.

Anstatt Nationalgefühl zu deckeln, sei es wichtiger, gemeinsam zu feiern wie bei der Fußball-WM 2006 und auch gemeinsam zu trauern, wie um Opfer von Gewalt und Terrorismus.

Auf wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse führt auch Heitmeyer die Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre zurück. So rückte die Einführung von Hartz IV zum Beispiel die Gruppe der Arbeitslosen in den Fokus, die Anschläge vom 11. September machten aus türkischen Einwanderern Muslime und rückten den religiösen Hintergrund ins Blickfeld, und die Wirtschaftskrise sorgt für allgemeine Verunsicherung, die wiederum auf dem Rücken der Schwachen ausgetragen wird.

«Die zunehmende Spaltung zersetzt das Miteinander. Die Gesellschaft ist vergiftet», sagte Heitmeyer. Dass es auch positive Gewächse gibt, wie die Kölner Studie zeigt, ist ein Hoffnungsschimmer. Aber kein Anlass, sich entspannt zurückzulehnen.

sua/news.de

Leserkommentare (39) Jetzt Artikel kommentieren
  • silvia
  • Kommentar 39
  • 03.08.2013 11:47

Leider ist die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland sehr verbreitet . Ausländerfeindlichkeit ist Menschenfeindlichkeit . Für mich zählt nur der Mensch , egal wo er herkommt . Seine Art und sein Wesen . Schade , dass es so verbreitet ist . Sehr engstirnig !

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  • kmaxell
  • Kommentar 38
  • 15.12.2011 21:34
Antwort auf Kommentar 35

Ja aber was zeichnet den Charakter aus? Wie man aufwächst und vor allem wo. Oder seh ich das falsch? Und was ist mit der Mentalität andere Länder andere Sitten?

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  • kmaxell
  • Kommentar 37
  • 15.12.2011 21:12
Antwort auf Kommentar 34

Gute Frage mal sehen zu allererst ich muss ehrlich zugeben hatte ich mit einen Landsmann auch schon mal reiberreien aber auch nur mit einem und das blieb auch so Gott sei Dank war die Auseinnandersetzung nur verbal und fertig, hatte ich wohl Glück.Ich hatte aber auch mal Ärger mit Ausländischen Landsleuten(Deutschtürken) zu tun das ging so ab, er zog sein Handy und in weniger als 15 Minuten waren gleich seine Brüder da hatte aber auch da Glück weil unser Freund und Helfer gleich um die Ecke stand.Da liegt meines erachten der Unterschied man legt sich nicht mit einen an.

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