Di., 21.05.13

Peer Steinbrück Noch längst kein Wirtschaftsprofessor

Peer Steinbrück (Foto)
Politik und Wirtschaft - Peer Steinbrück hält seine Antrittsvorlesung als Professor an der Uni Leipzig. Bild: dpa

Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Peer Steinbrück ist jetzt ein echter Professor, allerdings nur auf dem Papier. In seiner ersten Vorlesung ist der Ex-Finanzminister viel mehr Politiker als Wissenschaftler. Die Leipziger Studenten sind trotzdem begeistert.

Hörsaal 3 im Hauptgebäude der Universität Leipzig ist rammelvoll. «So viele Leute haben wir nicht mal im gesamten Jahrgang», sagt ein Student, während er die Kommilitonen mustert, die auf dem Boden sitzen müssen. Die Vorfreude ist groß. Da werden Handys gezückt, Fotos gemacht, der Facebook-Status aktualisiert oder den Eltern eine SMS geschrieben. «Diese Vorlesung wird die erste, in der ich mucksmäuschenstill sein werde», flüstert eine Studentin ihrer Sitznachbarin zu, um dann mit Blick auf die anwesenden Fernsehkameras gleich zu widerrufen: «Obwohl - ich möchte eigentlich, dass man mich einmal laut schreien hört.»

Es wird in erster Linie der Promifaktor sein, der so viele Menschen hierher gelockt hat: Der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hält seine Antrittsvorlesung als Professor der Wirtschaftswissenschaften in Leipzig. Ohne Steinbrück wäre eine Vorlesung mit dem Thema «Die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Europäischen Währungsunion» vermutlich schlechter besucht, noch dazu an einem Freitag. Doch an diesem Freitag kommt neben dem Promi-Faktor auch noch die Aktualität hinzu: Während der neue Professor sich die Ehre gibt, versucht sich seine ehemalige Chefin Angela Merkel in Brüssel mal wieder an der Euro-Rettung.

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Anekdoten und Stiche gegen Guttenberg

Bevor Steinbrück so richtig loslegt, erzählt er ein paar Anekdoten. Zum Beispiel, warum er keine wissenschaftliche Karriere eingeschlagen hat. Er hätte eine Doktorarbeit geschrieben und wäre so gut wie fertig gewesen, erklärt er, doch dann blieb sie aufgrund seiner beruflichen Karriere auf der Strecke. Zu allem Überfluss sei sie kurz darauf bei einem Hochwasser in einem Karton im Keller zerstört worden, weshalb sie «heute auch nicht mehr gescannt und überprüft werden kann».

Es ist nicht sein einziger Seitenhieb in Richtung Karl-Theodor zu Guttenberg. Im Interview mit der Leipziger Volkszeitung sagte Steinbrück, dass seine Professur rein akademisch viel mehr Wert sei als Guttenbergs abgeschriebene Doktorarbeit. «Ich bin jetzt Honorarprofessor. Das wird den Guttenberg schon treffen, denke ich.»

Doch bevor Steinbrück sich weiter mit parteipolitischem Geplänkel beschäftigen kann, wird er von einem Handy unterbrochen - seinem eigenen. Er stoppt seinen Vortrag, liest die SMS und entschuldigt sich: «Es war nicht die Kanzlerin.»

Ich bin wichtig, ist seine Message

Ich bin noch immer Teil der ganz großen Politik, ist die Botschaft dieser ersten Steinbrück-Vorlesung. Und so wird inhaltlich die Wissenschaft auch schnell überholt von der aktuellen Euro-Politik. Die anwesenden Studenten lernen mehr über Steinbrücks politische Agenda als über Volkswirtschaftslehre. Aber zumindest ist sein Vortrag unterhaltsam und «nicht so langweilig wie eine normale Vorlesung», wie einer der Studenten sagt. Steinbrück möchte sich, das betont er mehrfach, nicht parteipolitisch äußern, aber er kommentiert aktuelle Entscheidungen. «Ich habe keinerlei Verständnis für das Verhalten der Rating-Agenturen», sagt er. Und er begrüße die von Merkel und Sarkozy initiierte Fiskalunion.

Erst danach kommt Professor Steinbrück zu seinem eigentlichen Thema, der europäischen Währungsunion. Er zeichnet ein düsteres Bild, eine Steinbrück-Dystopie, in der Europa zunehmend an Einfluss verliert und China immer mächtiger wird. «Wir sind hochnäsig zu glauben, dass die Dominanz des westlichen Systems anhalten wird. Das geht nicht.»

Deshalb müssten die Mitglieder der EU mit aller Kraft um sie kämpfen, denn nur gemeinsam habe man eine Chance. Außerdem müsse man Europa «als Antwort auf 1945» verstehen, da ist Steinbrück voll auf der Linie von Altkanzler Helmut Schmidt. Deshalb appelliert er direkt an die jungen Studenten, die die vielen Annehmlichkeiten in Europa als völlig normal ansehen und sich einen Krieg oder echte Armut kaum vorstellen können. «Wenn Sie glauben, Sie kriegen das umsonst oder Sie müssten sich nicht dafür einsetzen, dann täuschen Sie sich», ruft der Politiker unter Applaus. «Sie müssen sich dafür einsetzen.»

jag/cvd/news.de

Leserkommentare (14) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Petra Schröder
  • Kommentar 14
  • 01.11.2012 22:04
 Antwort auf Kommentar 13

Frau Angela Merkel hat sich in ihrer Amtszeit nie um die wirklichen Probleme ihrer Bürger im Land interessiert, ständig hat sie sich im Ausland "abknutschen" lassen! Ich würde sie definitiv nicht mehr wählen, auch einen Steinbrück nicht, der hat doch genug "Kohle", ich weiß nicht, was das soll!!! Früher habe ich meine erste Stimme der SPD gegeben, weil ich dachte, nach Kohl würde sich etwas ändern, aber leider wird es immer schlimmer, ich will keinen reichen Arsch, wie Steinbr. an der Macht sehen und mir diese Wahlversprechen reinziehen, Rente mit 67... usw., usw.siehe G. Schröder! Ich sage ne

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  • F. Bornekamp
  • Kommentar 13
  • 30.10.2012 22:00
 

Ihr Volontär hat offenbar die akademischen Unterschiede noch nicht verarbeitet, wenn er Steinbrück als "echten Professor" und "Professor für Wirtschaftswissenschaften" der Uni Leipzig darstellt, gleichzeitig in seinem ansonsten bescheidenen Beitrag von Steinbrück als Honorarprofessor schreibt. Wenn Steinbrück, wie Bundestagspräsident Lammert oder andere Bundestagsabgeordnete, eine Honorarprofessur angetragen bzw. verliehen wurde, ist er deshalb noch kein "echter Pofessor" oder Professor der Wirtschaftswissenschaft oder Finanzwirtschaft. Dazu muss ein Hochschullehrer qua Amt berufen werden.

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  • gundalf
  • Kommentar 12
  • 31.05.2012 11:54
 

Politiker müssen ihre Arbeit als Volksvertreter zum Wohle des Volkes nachkommen. Bei jeder Menge von Nebentätigkeiten sind sie hierzu nicht in der Lage und müssen abgewählt werden!!!!!

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  • anger
  • Kommentar 11
  • 12.12.2011 21:18
 Antwort auf Kommentar 6

Auch Ihr Kommentar ist nur Ausdruck einer Meinung. Eine Attacke im Blindflug auf andere Kommentatoren zeugt nicht per se von Intellekt. "Volle Hütte": Ein Blick in die Historie kann hilfreich sein, um Publikumswirksamkeit als Qualitätsstandard neu einzuordnen.

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  • Dankwart Höllerimg
  • Kommentar 10
  • 12.12.2011 14:20
 Antwort auf Kommentar 9

Es sprch der "Fachmann"!

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 9
  • 12.12.2011 09:59
 Antwort auf Kommentar 6

Welcher Satz des Wissenden (Steinbrück) stammt von ihm selbst? Was Mutterwitz mit Wissenschaft zu tun hat, erschließt sich nicht. Im Übrigen gilt: Was heute an Wirtschaftswissenschaft gelehrt wird, ist halbwahr, vor allem nicht kreativ. Steinbrück passt zu Merkel, beide sind beseelt von Ahnungslosigkeit. Beispiel: HRE wird wegen der Größe für systemrelevant erklärt. Hieraus folgt die Rettung durch Verstaatlichung. Gerade diese Maßnahme führt zum Erhalt der Größe der HRE. Sie wird nicht zerschlagen in drei Banken! Dumm gelaufen, dümmer geht es nicht.Lieber abschreiben,als Dummheiten verbreiten!

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  • Otto Kanter
  • Kommentar 8
  • 11.12.2011 22:15
 Antwort auf Kommentar 7

Zu billig!

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  • Sigrid
  • Kommentar 7
  • 11.12.2011 12:00
 

Ehrendoktor, Ehrenprofessor und das ist alles besser als abschreiben? Dipl.-Volkswirt Peer Steinbrück MdB hat am 07.12.2011 die Ehrendoktorwürde der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) erhalten. 9.12.2011 Ernennung von Peer Steinbrück zum Honorarprofessor der Universität Leipzig. Zu was denn abschreiben, man hat doch genug Beziehungen… Wollen wir diese Politiker wirklich?

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  • Zweistein
  • Kommentar 6
  • 11.12.2011 10:12
 

Mit den bisherigen Kommentaren begibt sich keiner der Sprach-und Wissensgewaltigen in die Gefahr, von einer deutschen Hochschule aufgefordert zu werden, diese Allgemeinplätze an Studierende zu vermitteln. Bei Steinbrück war die "Hütte"voll und nicht nur weil dieser Mutterwitz hat. Er ist ein Wissender,der auch das Talent der Vermittlung besitz. Und das ist nicht streitig!

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  • Nichtwähler
  • Kommentar 5
  • 11.12.2011 00:43
 Antwort auf Kommentar 4

Das ist für mich reiner Machterhalt von diesem Steinbrück. Die SPD hat leider kein erkennbares Konzept aus der Krise und wenn man bei jungen Leuten Indoktriniert, dann kann man sich dumme groß ziehen, die einem auch folgen. Ich bin froh, dass man auf der EU-Tagung England die kalte Schulter gezeigt hat, jetzt müssen erstmal die Länder etwas vereinbaren, die es auch betrifft. Nur müssen wir als Deutsche auch aufpassen, dass wir von den Ländern, die Merkel mit Hitlerbart und Hakenkreuz zeichnen nicht überm Tisch gezogen werden. SPD hat da leider kein Rückrad in solchen Fällen wie in Griechenland

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  • Thomas Lyschik
  • Kommentar 4
  • 10.12.2011 23:17
 

Für mich gehören Spitzenpolitiker nicht an Hochschulen oder Universitäten, den diese Personen können kein objektives Wissen vermitteln (wer kann das schon - aber das ist ein anderes Thema). Das einzige was Steinbrück & Co erreichen wollen ist: eine neue Plattform zu erreichen, nähmlich die junge Elite. Menschen die später Einfluss haben und sie unterstützen. Sollen die Steinbrücks erstmal schauen das unsere Währung wieder auf Touren kommt aber bitte gemeinsam parteiübergreifend hier geht es nicht darum einer Lobby zu helfen sondern uns allen Sicherheit zu geben.

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  • Rainer Steinmetz
  • Kommentar 3
  • 10.12.2011 15:22
 

Ich frage mich, ob es denn sein muß, dass Politiker zusätzlich zu ihrer politischen Tätigkeit mit hohen Entlohnungen auch noch die Arbeitsplätze in der Lehre und Forschung beschlagnahmen müssen. Viele junge Forscher und potenzielle Professorenanwärter stehen dem Geltungsdrang dieser Nimmersatte hintenan. Herr Steinbrück sollte seinen Senf in der Politik abgeben, und dafür sorgen, dass die Steuerhinterzieher ihre Abgaben bezahlen und die Subventionsempfänger ihr Geld mit eigenen Leistungen verdienen. Dann wären viele Diskussionen über Wirtschafts- u. Finanzprobleme überflüssig.

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  • X
  • Kommentar 2
  • 10.12.2011 14:23
 Antwort auf Kommentar 1

Kurzum: Treffend.

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  • Andreas Lauterburg
  • Kommentar 1
  • 10.12.2011 13:03
 

Natürlich dürfen Politiker reden wo sie wollen, insbesondere auch an Universitäten und Hochschulen. An letzteren sitzen zumindest statistisch gesehen ein paar praktisch und funktional intelligente Personen, welche in der Lage sind, das wenig kompetente aber aufgeregte Gebrabbel vieler deutscher Spitzenpolitiker in den richtigen Rahmen zu stellen, etwas, was die (deutschen) Medien leider nicht tun.

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