Guttenberg-Buch Der Plagiator holt die Keule raus

Neues Buch: Guttenberg hält sich für «vorerst gescheitert» (Foto)
Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gut gelaunt bei einer politischen Veranstaltung in Kanada. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Oliver Roscher
Guttenbergs Buch Vorerst gescheitert erscheint heute in den Buchläden. Das Interview opulenten Ausmaßes macht deutlich: Der Baron hat die Asche von seinem Haupt geschüttelt und geht zur Attacke über - auch auf die eigenen Leute.

Da ist er wieder, der Plagiator, der Baron, der Freiherr, «KT», «Gutti» oder wie auch immer ihn der Boulevard gerne nennt. Karl-Theodor zu Guttenberg, der progressive Politstar mit dem traditionellen Adelsnamen, fungiert dieser Tage wieder als «Magneto» der medialen Welt, weil er ein Buch publiziert. Star-Journalist Giovanni di Lorenzo interviewt in Vorerst gescheitert den Ex-Wirtschafts- und Verteidigungsminister. Auf mehr als 200 Seiten werden die Plagiatsvorwürfe, Guttenbergs Herkunft und dessen mögliches Comeback in der Politik thematisiert.

Es ist als kluger Schachzug Guttenbergs zu werten, dass er nicht einfach ein Buch über seine Sicht der Dinge veröffentlicht, sondern sich einem allseits respektierten Interviewer wie Giovanni di Lorenzo stellt. Das erweckt den Eindruck, Guttenberg habe nichts zu verbergen. Und di Lorenzo weist vorsorglich im Vorwort schon einmal darauf hin, dass es «notwendigerweise auch ein Streitgespräch geworden ist». Ist es, es ist aber auch der Türöffner seines politischen Comebacks.

Plagiatsvorwurf
Hier hat Guttenberg abgeschrieben

Kritik an der Universität Bayreuth

«Mir war es wichtig, diese Fragen zu einem Zeitpunkt zu beantworten, an dem meine Erinnerung noch klar genug ist, bevor man also beginnt, die Dinge selbst zu verwischen», begründet Guttenberg das Zustandekommen des Interviews. Soll noch jemand behaupten, der Freiherr sei nicht lernfähig. Wäre er doch nur mal so akkurat bei seiner Doktorarbeit vorgegangen.

Die Doktorarbeit des 39-Jährigen will erklärt werden. Guttenberg beharrt auf seiner Position, er habe nicht mit Absicht kopiert. Er beteuert: «Ich wollte diese Quellen später entsprechend aufarbeiten. Tatsächlich ist das nur mangelhaft geschehen.» Seine Taktik ist klar, er plädiert auf «Dummheit», wie er es nennt. Immer noch besser als als absichtlicher Plagiator dazustehen, mag er sich denken. Er habe aus Überlastung so gehandelt und die «notwendige Selbstreflexion» vermissen lassen, um sich einzugestehen, die Arbeit nicht bewältigen zu können. Deshalb wurde die Arbeit laut Guttenberg so «beschissen». Man möchte ihm fast Trost spenden - bis sich das Blatt radikal wendet.

Guttenbergs Buch
Alle doof, außer ich
Video: mik/news.de

Denn Guttenberg wirft schnell das Büßergewand von sich und geht zur Attacke über. Er akzeptiere die Aberkennung des Doktortitels, geht aber mit der zuständigen Kommission seiner ehemaligen Universität Bayreuth hart ins Gericht. Er wirft der Kommission vor, ihm nicht das Recht einer Stellungnahme eingeräumt zu haben und legt nach: «Offensichtlich ging es aber um den drohenden Verlust von Forschungsgeldern, was das Vorgehen rechtfertigen sollte.» Außerdem bemängelt er die Zusammensetzung der Kommission, in der nur ein Jurist zugegen war. «Das ist zumindest bemerkenswert, weil es ja um die Beurteilung einer juristischen Arbeit ging.» Guttenberg pendelt zwischen Selbstkritik und Lust zur Attacke.

Guttenberg gegen alle

Auch gegen die politische Elite teilt er aus, ohne auf Status oder Parteizugehörigkeit Rücksicht zu nehmen. Die Attacken machen auch dem Leser Spaß, denn da spricht einer, der mit seinen alten Mitstreitern und Weggefährten abgeschlossen hat.

FDP-Politiker Rainer Brüderle bezeichnet er als «beleidigte Leberwurst», weil der sich als Wirtschaftsminister übergangen fühlte. Auch SPD-Kanzlerkandidat in spe, Peer Steinbrück, bekommt sein Fett ab: «Ich habe selten jemanden gesehen, der gleich mehrere 170-Grad-Wendungen mit einer solchen Überzeugungskraft vermitteln kann.»

Außenminister Guido Westerwelle geht er indirekt an. Über die Enthaltung Deutschlands bei der UN-Abstimmung zur Libyen-Resolution war er «entsetzt». Das zweite Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland, Bundestagspräsident Norbert Lammert, sieht sich ebenfalls Guttenberg'scher Kritik ausgesetzt. Lammert hatte die Affäre um Guttenbergs Doktorarbeit als «Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie» bezeichnet. Guttenberg dazu: «Ein Sargnagel braucht immer jemanden, der den Hammer hält und den Sargnagel einschlägt. Diese Rolle würde ich dem Autor dieses Satzes zugestehen. Das war wirklich unglaublich.»

Verlässt er die CSU?

Besonders pikant sind aber seine Auslassungen über die Union. Ihr wirft er vor in der Mitte «zu sitzen und nicht zu stehen». Explizit an die CSU gerichtet, sagt er: «Aber wenn eine Partei ein Bild zeichnet (Laptop und Lederhose, Anm. d. Red.), das zwar expressionistische Züge angenommen hat, aber immer noch den Goldrahmen des 17. Jahrhunderts trägt, dann wird die Vermittlung der eigenen Inhalte nicht leichter.» Dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer dürfte das Lesen dieser Zeilen keinen Spaß bereitet haben. Stand er seinem Karl-Theodor doch auch in der ärgsten Krise zur Seite.

Was aber passiert, wenn Guttenberg tatsächlich auf die politische Bühne zurückkehrt? Das selbsternannte «zoon politikon» («politisches Lebewesen», Anm. d. Red.) Guttenberg lässt mit dem Titel des Buches keinen anderen Schluss zu. Vorerst gescheitert ist ein Eingeständnis mit eingebauter Comeback-Garantie. Schon wird spekuliert, ob Guttenberg gar eine neue Partei gründet, denn er glaube, «dass jede neue Partei in Deutschland in der Mitte erfolgreicher wäre als am Rand. Es herrscht eine große Sehnsucht nach der Mitte.» Die Seehofers, Steinbrücks und Westerwelles sind also vorgewarnt. Dass eine Guttenberg-Partei großes Wählerpotenzial hätte, steht wohl außer Frage. Denn die einzigen, die ähnlich vergesslich sind wie Guttenberg selbst, sind die Wähler.

Plagiatsaffären
Zum Doktor geschummelt

Woher nimmt Guttenberg nur so viel Selbstgerechtigkeit, fragt sich news.de-Redakteur Michael Kraft. Sehen Sie hier seinen Videokommentar.

Titel: Vorerst gescheitert
Autoren: Karl-Theodor zu Guttenberg im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo
Verlag: Herder Verlag
Seiten: 207
Preis: 19,99 Euro
Erscheinungsdatum: 29. Novemder 2011

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Stephanie zu Guttenberg

sua/beu/news.de

Leserkommentare (71) Jetzt Artikel kommentieren
  • Maurice Nieszery
  • Kommentar 71
  • 11.03.2013 15:14

Schon ein einziges Lächeln kann eine Freundschaft begründen, ein einziger Händedruck die Seele heilen. Tollen Montag Namaste ,,,Merci

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  • Volker Schauermann
  • Kommentar 70
  • 27.12.2011 05:03

Ich bin "nur" Diplom Bergingenieur und kein Jurist! Warum nimmt nicht mal ein Jurist, evtl. Herr zu Guttenberg selbst, die frühere Doktorarbeit in die Hand und prüft, ob sie z.B. zu einem Lehrbuch umbauen kann. Denn so ganz schlecht kann das Buch ja nicht sein; hätten sonst 3 (!)Referenten (Professoren der Jurisprudenz) die Arbeit "summa cum laude" bewertet? Also: 1. Prüfung ob das Buch genügend Substanz hat 2. Nachträgliche Kenntlichmachung der Zitate und der "eigenen" Textstellen 3. Durcharbeiten und Straffung des gesamten Textes und dabei z.B. Wiederholungen streichen (Streichkonzert)

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  • ART
  • Kommentar 69
  • 14.12.2011 21:29

Es kommt nun eine harte Zeit auf die Ewigkommentatoren,aber es geht ja im neuen Jahr weiter. Wünsche eine schöne Zeit mit Kerzenlicht,Entenbraten ohne politische Beilagen und viel persönliches Geschick und Glück für 2012! Nazi-Frei!

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