Guttenberg Der Baron schraubt am Comeback

Er wurde beschimpft und aus dem Amt gejagt, sein Doktortitel wurde aberkannt. Karl-Theodor zu Guttenberg stürzte tief nach seiner anfangs steilen Karriere. Er floh in die USA, von dort scheint «K.T.» sein Comeback vorzubereiten. Grünen-Chefin Roth reagiert genervt.

Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Auftritt im kanadischen Halifax (Foto)
Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Auftritt im kanadischen Halifax. Bild: dpa

Beschimpft und beschämt musste Karl Theodor zu Guttenberg im März als Verteidigungsminister zurücktreten, weil er den Großteil seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat. Nun rappelt sich der gefallene Held der CSU wieder hoch.

20.000 Euro hat der 39-Jährige an die Kinderkrebshilfe gezahlt, im Gegenzug stellte die Staatsanwaltschaft Hof das Ermittlungsverfahren gegen ihn ein. Damit ist seit Mittwoch sicher: Guttenberg, der zurzeit abgeschirmt vor der deutschen Öffentlichkeit in den USA lebt, bleibt ein peinlicher Gerichtsprozess erspart. Auch gilt er als nicht vorbestraft - was ihn für hochrangige politische Posten disqualifiziert hätte.

Wie könnte es nun weitergehen? In der Wochenzeitung Die Zeit ließ sich Guttenberg alle Möglichkeiten offen. «Ich schließe nichts aus, aber es gibt bislang noch keine konkrete Intention. Aber ich werde mit Sicherheit in mein Heimatland zurückkehren und ein politischer Kopf bleiben», sagte er im Interview. Der kanadische Verteidigungsminister Peter MacKay, ein guter Bekannter aus erfolgreicheren Tagen, weiß es genau: «In zwei Jahren wird Guttenberg Kanzlerkandidat.» MacKay traf Guttenberg am Wochenende auf einer Sicherheitskonferenz im kanadischen Halifax, wo der Ex-Minister seinen ersten öffentlichen Auftritt seit Monaten absolvierte.

Plagiatsaffären: Zum Doktor geschummelt

Rund 5500 Kilometer entfernt von seiner bayerischen Heimat referierte Guttenberg in fließendem Englisch versiert über die internationale Sicherheitspolitik. In Deutschland interessierten aber weniger seine Aussagen als sein Aussehen: Guttenberg hat ordentlich zugenommen, trägt keine Brille mehr und hat eine neue Frisur - ohne das früher obligatorische nass-glänzende Haargel.

Ist er nur «Vorerst gescheitert»?

Es war der erste zaghafte Schritt zurück ins Rampenlicht, und weitere sind schon geplant: In einem neuen Buch äußert sich Guttenberg zu seinem spektakulären Absturz. Der vielsagende Titel «Vorerst gescheitert» nährt gezielt Spekulationen über eine baldige Wiederkehr des früheren Publikumsmagneten, der ein Abo auf den Titel des beliebtesten Politikers hatte. Das Buch erscheint am Dienstag, es ist ein «Disput» zwischen Guttenberg und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

Bereitet da jemand strategisch seine Rückkehr auf die große Bühne der Politik vor? Acht lange Monate ist es her, dass Guttenberg sein Ministeramt und alle sonstigen Ämter aufgab. Er sprach damals vom «schmerzlichsten Schritt meines Lebens». Im Sommer zog er mit seiner Familie nach Conneticut, dort gehört er dem Center for Strategic and International Studies an. Gerüchten zufolge feilt er dort an einer neuen, selbst geschriebenen Doktorarbeit - auch um die angekratzte Familienehre seines traditionsreichen Adelsgeschlechts wiederherzustellen.

Hintergrund ist, dass seinem Vater die Plagiatsaffäre immer noch zu schaffen macht. Zu Guttenberg Senior sagte Anfang September im Fernsehen, die Identität seiner Familie - nämlich die Glaubwürdigkeit - sei beschädigt. «Es ist an meinem Sohn, diese Glaubwürdigkeit - wie auch immer - wiederherzustellen», verfügte der 65-jährige renommierte Dirigent.

«Daheim in der CSU» stehen Karl Theodor die Türen offen. Parteichef Horst Seehofer erneuerte am Mittwoch jedenfalls sofort sein Angebot an den früheren Shootingstar, in die Politik zurückzukehren. Der Ex-Minister sei in der CSU nach wie vor «willkommen», sagte Seehofer. Auf dem jüngsten CSU-Parteitag gab es in seiner Abwesenheit Applaus, als Kanzlerin Angela Merkel Guttenbergs Rolle bei der Bundeswehrreform hervorhob.

Auch Merkel will zu Guttenberg zurück

Die Kanzlerin hatte zu Guttenberg im März eine Brücke gebaut. Seine Bitte um Entlassung nahm sie zwar an, zeigte sich gleichzeitig aber überzeugt, «dass wir - in welcher Form auch immer - in Zukunft Gelegenheit zur Zusammenarbeit haben werden». Es gilt in der Union als ausgemacht, dass Merkel bei der Bundestagswahl 2013 noch einmal antritt. 2017 hätte das Jahr von zu Guttenberg sein können - und wer weiß: Vielleicht wird es das nun trotzdem?

Natürlich macht der Freiherr sich mit seinem offenkundigen Versuch, nur ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt wieder in Deutschland Fuß zu fassen, auch unbeliebt. Sein politisches Erbe wird schon länger angezweifelt. Kritik gibt es nicht nur in der Opposition, aber natürlich vor allem dort. Grünen-Chefin Claudia Roth reagierte verärgert auf die Einstellung des Gerichtsverfahrens. Im Hamburger Abendblatt sagte sie, Guttenberg habe erwiesenermaßen abgeschrieben und als Minister das Parlament belogen. «Das war alles andere als ein Kavaliersdelikt», sagte Roth. «Ich denke, dass sich zurzeit nur die CSU nach Guttenberg sehnt, weil sie ihn als Überlebenshilfe braucht.»

Offen bleibt aber, wie der Wiedereinstieg konkret gelingen kann. Es bieten sich mehrere Optionen: Im Jahr 2013 könnte Guttenberg zum Beispiel für den bayerischen Landtag kandidieren und einen Kabinettsposten unter Seehofer anstreben. Oder er lässt sich für die Bundestagswahl im Herbst aufstellen - mit der Hoffnung, einen satisfaktionsfähigen Posten in der Unionsfraktion zu ergattern. So oder so: Am 5. Dezember, seinem 40. Geburtstag, hat «K.T.» nach neun langen, frustrierenden Monaten wieder einen Grund zu feiern.

sua/oro/news.de/dapd/dpa

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Leserkommentare (130) Jetzt Artikel kommentieren
  • MauriceManfredNieszery
  • Kommentar 130
  • 06.02.2012 14:47

Es muß nicht immer ~ (ړײ) ~ die Sonne sein, .~´ / I `~die dein Herz erwärmt Ein liebes Wort tut es auch Tollen Montag ..Namaste ,,Merci

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  • ART
  • Kommentar 129
  • 08.01.2012 21:19
Antwort auf Kommentar 128

Mit nem Bibelspruch einen Betrüger beizukommen ist das allerletzte! Ich hoffe, Sie werden in Ihrer ungeistvollen Leichtigkeit glatt durch das Leben kommen,denn Ihnen ist nicht zu helfen! Widerliche Widerholungen werden auch aus Ihrem dummen Mund nicht besser! Arme Person!

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  • Neumaier Eva
  • Kommentar 128
  • 19.12.2011 00:38

Ich kann es auch nur so sagen wie viele:" Wer ohne Schuld ist werfe den ersten Stein!" Wenn man sämtliche Doktorarbeiten so durchleuchten würde, käme man sicher auf viele Überraschungen! Es muß auch eimnal ein Ende der der schon immeerwährenden Diskussion geben!

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