«Occupy Wall Street» Polizei räumt Protestcamps

Hunderte Polizisten, eine große Räumungsaktion und 200 festgenommene Demonstranten. Das ist das Fazit einer Aktion in der vergangenen Nacht, in der das riesige Lager der Banken- und Kapitalismuskritiker in einem New Yorker Park beseitigt wurde.

Occupy Wall Street (Foto)
70 Demonstranten protestierten wegen der Schließung ihres in einem Park aufgeschlagenen Lagers. Bild: dapd

Die Wall-Street-Protestbewegung sucht nach der gewaltsamen Räumung ihrer Zeltstadt in Manhattan eine neue Basis. In der Nacht zu Dienstag waren Polizisten in Kampfmontur angerückt und hatten den New Yorker Zuccotti Park geräumt, in dem die Menschen seit fast zwei Monaten ihre Aktionen gegen die Macht der Banken und soziale Ungerechtigkeiten organisieren. Die Polizeiaktion, bei der es Festnahmen und Verletzte gab, löste auch in Deutschland Proteste aus. In Zürich wurde ebenfalls ein Zeltlager geräumt.

Über soziale Netzwerke wie Facebook begannen die New Yorker Demonstranten gleich wieder, sich zu organisieren. Am Morgen zogen sie in großen Gruppen durch Downtown Manhattan. Hunderte Menschen versammelten sich bis zum Mittag auf einem umzäunten Gelände, das einer Kirche gehört. Hier erhofften sie sich, vorerst bleiben zu dürfen. Allerdings rückte direkt ein starkes Polizeiaufgebot an. Nach Angaben der New York Times gab es etwa zwei Dutzend Festnahmen, darunter auch vier Journalisten.

Die Polizei hatte bereits in der Nacht Kamerateams vom Zuccotti Park abgedrängt, so dass unklar blieb, was genau auf dem Gelände passierte. «Ich habe gesehen, wie die Polizei Leute geschlagen hat», sagte ein Mann in die wartenden Fernsehkameras. Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte auf einer Pressekonferenz: «Es gibt keine ernsthaften Verletzungen, von denen wir wüssten.» Die Polizei sei professionell vorgegangen.

«Wessen Park? Unser Park!»

Nach Bloombergs Worten gab es annähernd 200 Festnahmen im Park und den umliegenden Straßen, in die die Protestler geflüchtet waren. «Wir haben ihnen viel Zeit gegeben, ihre Habseligkeiten zusammenzuräumen.» Viele Menschen hatten den Park unter dem Eindruck der Polizeimacht verlassen. Einige Dutzend harrten weiter aus, ketteten sich teilweise an, um die Räumung zu verhindern. Manche trugen Atemschutzmasken, weil sie den Einsatz von Tränengas fürchteten. «Wessen Park? Unser Park!» skandierten sie.

Die Polizei hatte die Besetzer um ein Uhr nachts mit Handzetteln und Megafonen aufgefordert, den Zuccotti Park zu verlassen. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken angegeben. Diejenigen, die blieben, führten die Polizisten in Handschellen ab. Bis zum Morgen war der Park geräumt, und Putzkolonnen rückten an. Müllwagen standen bereit, um abgebrochene Zelte und andere Habseligkeiten der Demonstranten wegzufahren. Die Menschen hatten in den vergangenen Wochen eine regelrechte Mini-Stadt errichtet mit Küche, Versammlungsort und sogar Bibliothek.

Bürgermeister Bloomberg erklärte, dass die Protestler nach der Reinigung zurückkehren dürften - allerdings ohne Schlafsäcke und Zelte. «Der erste Zusatzartikel der US-Verfassung gibt jedem New Yorker das Recht, frei zu sprechen, aber nicht im Park zu schlafen», sagte er.

Proteste von Kalifornien bis Zürich

Für Donnerstag haben die Demonstranten aber schon die nächste größere Aktion angekündigt. - sie wollen einen Straßenkarneval direkt an der Finanzmeile starten, was die enge Gasse blockieren dürfte. Schon am Dienstag war es für viele Beschäftigte mühsam, an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Die Wall Street liegt nur wenige Blocks vom Zuccotti Park entfernt.

Auch in Zürich rückte die Polizei im Morgengrauen an und brach Zelte der Besetzer ab. 30 der rund 50 Demonstranten wurden abgeführt. Die Besetzer warfen den Beamten vor, zu heftig vorgegangen und Tränengas sowie Pfefferspray versprüht zu haben. Im kalifornischen Okaland hatte die Polizei am Vortag ebenfalls mit einem Großaufgebot ein Camp mit Hunderten Menschen geräumt. Polizei-Chef Howard Jordan sprach laut San Francisco Chronicle von 32 Festnahmen.

Die Bewegung «Occupy Wall Street» («Besetzt die Wall Street») hatte im September in New York ihren Ausgang genommen und sich auf andere Städte in aller Welt ausgeweitet. Auch in deutschen Städten wurden Zeltdörfer errichtet. Unter anderem in Berlin, Frankfurt und Hamburg sollten am Dienstagabend Kundgebungen vor den US-Vertretungen stattfinden. Zu den Protesten wurden in mehreren sozialen Netzwerken aufgerufen.

roj/cvd/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Peter Mann
  • Kommentar 1
  • 17.06.2013 11:01

Wall Street? Wall Street ist ueberall, wo das Volk sich berechtigt wehrt! Schøn ist dabei nur, das sich die Verantwortlichen wieder der eigentlichen Nutzung der Wall Street erinnern! Gibt es eigentlich die Eisenringe in den (wære doch sehr praktisch!) Mauern noch? Es ist doch immer wieder schøn zu sehen, wie sehr sich die Kriminellen (Bankster, Politiker) um unsere "Demokratie" sorgen! Die Tuerkei eben hat Pech gehabt! Genau so wie Zypern mit der Zwangsenteignung. Welches Land ist mit welchem Angriff als næchstes dran? Es wære doch gelacht, wenn man das/die Vølker nicht noch weiter unterdrueck

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