Politikerberufe Alles können, aber nichts richtig

rösler merkel (Foto)
Philipp Rösler und die Kanzlerin sind eigentlich Arzt und Physikerin. Bild: dapd

Von news.de-Volontär Ronny Janke
Angela Merkel und Philipp Rösler haben es nicht leicht. Ständig wird an ihnen herumkritisiert. Aber was will man erwarten, wenn jemand Medizin studiert hat und als Politiker mit Wirtschaftswissen glänzen soll? Kann das überhaupt gut gehen?

Als Anfang des Monats bekanntgegeben wurde, dass der bayrische Minister Markus Söder (CSU), der bisher das Amt des Umweltministers bestritten hatte, plötzlich für die Finanzen Bayerns verantwortlich sein wird, zeigte sich einmal mehr, wie schnell und einfach Politiker auf den verschiedenen Ministerposten auszutauschen sind. Dem Bürger bleibt dabei nichts anderes übrig, als den Entscheidern zu vertrauen.

Dabei bringen die allermeisten Politiker durchaus eine solide Ausbildung mit. Das Problem ist nur: Mit ihrem aktuellen Amt hat die meist wenig zu tun. Fast scheint es Voraussetzung zu sein, so fachfremd wie nur irgend möglich zu sein, um beispielsweise mit einem Ministerposten betraut zu werden (einen Überblick, was unsere Politiker eigentlich gelernt haben, finden Sie in unserer Fotostrecke). Da gilt wohl das Prinzip: Man wächst mit der Aufgabe.

Politiker und ihre Berufe
Vom Taxifahrer zum Außenminister
Angela Merkel (Foto) Zur Fotostrecke

Anders sieht es Ex-Vizekanzler Franz Müntefering (SPD): Dieser forderte zuletzt eine Ausbildung für Politiker und dürfte damit so manchem Bürger aus der Seele sprechen. Schließlich bleibt die Frage, ob nicht der eine oder andere gewählte Volksvertreter bessere Arbeit machen könnte, wenn er von Anfang an über die nötigen Kompetenzen verfügte.

Vom Terminator zum Gouverneur

Auffälligstes deutsches Beispiel ist der ehemalige Grünen-Politiker Joschka Fischer: Nach einer abgebrochenen Fotografenlehre, einem Job als Spielwarenverkäufer und Taxifahrer, widmete er sich der Politik und wurde 1983 für die Grünen in den Deutschen Bundestag gewählt. Der Rest ist bekannt: Außer den Ämtern der Minister für Umwelt und Energie hat er zuletzt sogar die Posten des Vizekanzlers und Außenministers ausgefüllt. Erfolgreich, wie man zugeben muss.

Politikerberufe
Erst Taxifahrer, dann Außenminister
Video: roj/news.de/Unitec

Nicht nur in Deutschland gibt es Politiker, die anderes gelernt haben, als ihnen in der späteren Ausübung ihrer Ämter nützlich war. Dass es von Vorteil ist, sich als Schauspieler einen Namen gemacht zu haben, um nach Beendigung der Karriere als Politiker durchzustarten, hat Arnold Schwarzenegger spektakulär bewiesen. Seine Rolle als Terminator machte ihn berühmt, doch erst in seiner Funktion als 38. Gouverneur von Kalifornien wurde er berüchtigt. Als ein Befürworter der Todesstrafe und Durchsetzer eines strengen Sparpakets im Bundesstaat Kalifornien, das viele Menschen nicht nur die Arbeit, sondern auch das Zuhause kostete, stand er bis zuletzt häufig in der Kritik. 

Nach der Zeit als Politiker mal eben noch Wirtschaftsboss sein

Auch der amerikanische Politiker Herman Cain, der sich um die Nominierung als republikanischer Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2012 beworben hat, hat mit Politik eigentlich recht wenig am Hut. Die größte Bekanntheit erlangte er als Moderator einer Radiotalkshow, zuvor hatte Cain einer heruntergewirtschaftete Fast-Food-Kette wieder zum Erfolg verholfen.

Wie bei den amerikanischen Politikern bleibt auch bei deren deutschen Kollegen ein seltsamer Beigeschmack, wenn man weiß, welcher Politiker ohne entsprechendes Fachwissen ein Amt ausübt. Vor allem dann, wenn das während eines Studiums angesammelte Wissen dabei helfen kann, kluge und vorausschauende Entscheidungen zu treffen. Umso erstaunlicher ist es, dass für viele Männer und Frauen auch das Politikerdasein nur Teil einer Zwischenstrecke ist: Nach dem Rückzug aus dem Politikgeschäft sind meist hervorragende Verbindungen zur Wirtschaft geknüpft. Beste Voraussetzungen also, um als Boss eines großen Unternehmens noch einmal ein paar Jahre Geld zu verdienen.

Blitzkarrieren
Von der Uni ins Ministerium
Politische Blitzkarrieren 1 (Foto) Zur Fotostrecke
Dürfen die das?
Politiker wechseln in die Wirtschaft
Martin Bangemann (FDP) (Foto) Zur Fotostrecke

iwi/news.de

Leserkommentare (19) Jetzt Artikel kommentieren
  • hector
  • Kommentar 19
  • 18.11.2011 21:50

Die derzeitige Regierung ist zwar nicht herausragend, aber doch effektiv. Ich bin jedenfalls froh, dass wir keine so unfähige Regierung wie die von Schröder und Co. mehr haben. Ich darf daran erinnern, dass Deutschland damals beinahe so weit unten war wie heute Griechenland. Heute steht Deutschland nach sechs Jahren Merkel-Regierung wieder besser da und vielen Bürgern geht es wieder besser. Schröder+Co hätten ja bald das ganze Land in den Ruin getrieben, selbst Leute die Jahrzehnte für dieses Land geschuftet haben.

Kommentar melden
  • Iason
  • Kommentar 18
  • 16.11.2011 17:55

Es ist doch dermaßen egal, welchen Beruf unsere Politiker haben. Jeder der für Geld alles macht und keine Skrupel hat, kann sich zu Handlangern von Banken und Wirtschaft machen.

Kommentar melden
  • hpklimbim
  • Kommentar 17
  • 16.11.2011 12:28
Antwort auf Kommentar 5

Was heißt danach - die Wähler werden nach dem Selbstverständnis der gewählten Volksbetrüger und -verarscher doch fortlaufend entmündigt. Und das, was dann letztendlich als "Qualität und Güte" angeboten wird, ist doch auch nur die fachliche Dokumentierung desselben.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig