Umbruch in Libyen Scharia als Chance?

Die Nato hat ihren Militäreinsatz in Libyen offiziell beendet. Nach sieben Monaten ziehen sich die Verbündeten aus dem Land zurück. Doch wie sieht die Zukunft im neuen Libyen aus?

Die Libyer feiern ihre Befreiung - wie wird es weitergehen? (Foto)
Die Libyer feiern ihre Befreiung - wie wird es weitergehen? Bild: dpa

Nach genau sieben Monaten Dauer waren zum Abschluss der Mission weder in der Nato-Zentrale in Brüssel noch im zuständigen Hauptquartier in Neapel Zeremonien geplant. «Dies ist ein Arbeitstag wie jeder andere», sagte ein Militärsprecher in Neapel.

Libyens Neuanfang indes wird nicht leicht werden. Denn das Land wird ganz vorne beginnen müssen. Libyen ist eine Wüste, was demokratische Strukturen anbelangt. «Im Land gibt es nichts, keine Kommunalverwaltung, keine Gewerkschaften, keine Parteien. Sicherlich werden wir in nächster Zeit auch viel Blödsinn zu hören bekommen. Es wird nicht automatisch alles besser werden», sagt Hajo Lanz, Leiter des Referates Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika der Friedrich-Ebert-Stiftung zu news.de.

Libyen : Der Kampf gegen Gaddafi

Der Experte sieht Unterschiede zwischen Libyen und den anderen Staaten des arabischen Frühlings: «In Ägypten oder Tunesien waren die Herrscher zwar fort, aber der Rest der Schlange war immer noch da. Libyen dagegen kann mit dem Tod Gaddafis – genauso auch, wenn er überlebt und einen Prozess bekommen hätte – wirklich neu anfangen. Denn Gaddafi war Identifikationsfigur, das Herz des Widerstands gegen den Widerstand. »

Der Übergangsrat hat sich klar zur Scharia bekannt, zum einem Staatsrecht, das auf der Grundlage des Islam basiert. Laut Lanz muss das jedoch für den Westen nicht unbedingt ein Grund zur Sorge sein. Die Zeiten seien anders geworden, auch für den Islam. «Libyen wird kein säkularisierter Staat nach westlichen Vorbild werden. Aber hier soll auch kein Gottesstaat entstehen, in denen Menschen die Hände abgehackt werden oder alle verschleiert laufen müssen.»

Libyen ist fortan auf sich allein gestellt

Wohin der Weg des arabischen Frühlings führen wird ist ungewiss. «Diese Staaten müssen erst ihre ganz eigene Art von nordafrikanischer, islamischer, demokratischer Struktur finden. Wie diese aussehen soll können wir nicht sagen. Das wissen die Menschen in diesen Ländern derzeit selbst nicht so genau», sagt der Experte. Sicher ist nur, dass sie sich vom Westen unterscheidet. «Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn ein Mann drei Frauen hat, solange die Frauen Rechte haben», bekennt Lanz.

Rund 30 Jahre wird es dauern, so schätzt er, bis die arabischen Staaten ihren eigenen Kurs gefunden haben. «In dieser Zeit wird es immer wieder Enttäuschungen, Stillstände und Nebenschauplätze geben. Dennoch ist das die große Chance, die in den Umbrüchen liegt.»

Ab heute wird Libyen den Weg alleine gehen. Seit Ende März hatten Kampfflugzeuge von zwölf Nato-Staaten und vier anderen Ländern rund 9600 Einsätze gegen militärische Einrichtungen der Regierung geflogen. Kriegsschiffe kontrollierten mehr als 3100 Schiffe vor der libyschen Mittelmeerküste, um Waffeneinfuhren zu verhindern.

Am Montag endete auch die Gültigkeit der Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates, auf die sich die Nato bei ihrem Einsatz gestützt hatte. Die Resolution erlaubte «alle nötigen Maßnahmen» zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Übergriffen der Sicherheitskräfte des mittlerweile gestürzten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi.

Der Nationale Übergangsrat Libyens hatte das Nordatlantische vergeblich um eine Verlängerung des Einsatzes gebeten. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte den Einsatz als «einen der erfolgreichsten in der Geschichte der Nato» bezeichnet. Die Allianz sei auch in Zukunft zur Hilfe bereit, «falls das benötigt und erbeten wird».

beu/cvd/news.de/dpa

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Leserkommentare (11) Jetzt Artikel kommentieren
  • basba
  • Kommentar 11
  • 02.11.2011 13:27

Zuerst befreit man das Land vom Diktator, dann vom Islamismus dann vom Öl.8

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  • jupi
  • Kommentar 10
  • 31.10.2011 19:13
Antwort auf Kommentar 9

Ja ja Besserwisser

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  • Schulze
  • Kommentar 9
  • 31.10.2011 16:41

Ich habe den Kommentar gelesen. Erstmal sollte jeder ehrlich sein - die Aufgabe der NATO bestand in der Sicherung der Flugverbotszone nicht in Angriffen mit Waffen auf den Boden - also hat die NATO und Ihre Führung einen verbotenen Krieg geführt und man müßte die Verantwortlichen bestrafen . Bei diesem Krieg ging es nicht um Demokratie und Freiheit sondern nur um Macht und Oel . Ich Glaube es wird für dieses Land und den einfachen Menschen noch schwerer als es war . Ich habe nichts gegen Glaubens -und Meinungsfreiheit. Jedoch wie die Auslegungen des Islam von Radikalen ist,kennen wir

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