Kampf um Wähler Versenken Piraten die Grünen?

Von news.de-Redakteur Oliver Roscher
Wenig Inhalte, viel Erfolg – die Piraten haben die politische Szene im Sturm geentert. Auch, weil sie den Laden mal richtig aufmischen, wie Parteienforscher Nils Diederich sagt. Besonders die Grünen stehen vor einer neuen Herausforderung.

Am 27. März feierten die Grünen einen historischen Wahlerfolg in Baden-Württemberg. Winfried Kretschmann wird der erste grüne Ministerpräsident in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stuttgart 21 und die Atomkatastrophe von Fukushima spülten die Umweltpartei an die Spitze. Ein halbes Jahr später ist die Jubelstimmung verflogen, Nachdenklichkeit dominiert. Stimmungstöter war die Abgeordnetenwahl in Berlin.

Zwar holten die Grünen mit 17,6 Prozent der Stimmen ein ordentliches Ergebnis (Zuwachs um 4,5 Prozent zur vorherigen Wahl), trotzdem sind sie die eigentlichen Verlierer der Wahl. Erstens, weil sie ursprünglich auf eine grüne Bürgermeisterin Renate Künast hofften. Zweitens, weil eine mögliche Regierungskoalition mit der SPD scheiterte, mit erheblichen Folgen für die Bundespolitik. Und drittens, weil mit der Piratenpartei ein neuer politischer Gegner auf der Bildfläche erschien, der in den Gewässern der Grünen auf Beutezug geht. Sie fischen die Stimmen der jungen Wähler.

Berlin-Wahl
Kampf um das Rote Rathaus

«Eine pfiffige Homepage reicht nicht»

Parteienforscher Nils Diederich von der Freien Universität Berlin sieht in den Piraten zwar keine «Gefährdung» für die Grünen, aber dennoch eine «Herausforderung». Der Experte macht den Erfolg der Piraten an der Tatsache fest, «dass die jungen Wähler jemanden gewählt haben, der den Laden mal richtig aufmischt». Ihnen zugute kommt außerdem die Attraktivität, die allem Neuen innewohnt. «Die Piraten sind wie die Tablets. Jeder will eins haben, weil es etwas Neues ist. Dieser Konsumgesinnung entsprechen die Piraten.»

Dazu kommt Kompetenz in Sachen digitaler Welt. Ein Themenbereich, der bei den anderen Parteien nicht vorhanden ist. Das reichte aus, um den Grünen einen Schuss vor den Bug zu verpassen. «Es genügt eben nicht, dass irgendein Abgeordneter mal eine pfiffige Homepage hat oder bloggt», kritisiert Diederich die Ignoranz der etablierten Parteien.

Trotzdem: Für Diederich ist der Wahlerfolg der Piraten in Berlin geradezu «grotesk», denn die meisten Forderungen der Piraten sind idealistische Forderungen, die eher die «Bundesgesetzgebung betreffen oder gar europäische Fragen sind».

Grüne: alt. Piraten: jung

Trittin, Künast und Kollegen büßen für ihre Zugehörigkeit zum Establishment. Der Marsch durch die Institutionen brachte eine erhebliche Erosion der Ideale mit sich. Außerdem: Die Grünen sind älter geworden und mit ihnen auch die Wählerschaft. Es brauchte nur einer Alternative wie die Piraten um dies aufzuzeigen. «Hätten die Grünen ein wenig mehr Stimmen erhalten, wäre deren Ausgansgposition in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD auch besser gewesen», resümiert Diederich.

Die Grünen müssen sich schnellstmöglich verjüngen, auch thematisch, wollen sie nicht noch mehr Wähler an die Piraten verlieren. Die wiederum könnten durch innerparteiliche Differenzen selber ein empfindliches Leck in ihre Barke schlagen. Der Umgang der Piratenpartei mit Mitgliedern, die früher der NPD angehörten, ist umstritten, und die Parteiprogrammatik nur der Transparenz der digitalen Welt zu widmen, ist auf lange Sicht bei Wahlen nicht erfolgversprechend.

Den Wähler stört das vorerst nicht. Nach der jüngsten bundesweiten Umfrage des Instiuts Emnid kämen die Piraten bei der nächsten Bundestagswahl auf satte zehn, die Grünen auf 16 Prozent.

beu/cvd/news.de

Leserkommentare (33) Jetzt Artikel kommentieren
  • Longus
  • Kommentar 33
  • 01.11.2011 12:36
Antwort auf Kommentar 32

Der einzige der hier momentan etwas nicht richtig lesen kann...geschweige denn es versteht...sind doch sie selber. Ich denke sogar, es liegt ganz alleine am verstehen aufgrund des beschränkten horizonts. Das die etablierten parteien seit jahren nicht mehr wählbar sind, wissen wir angesprochenen doch schon lange. Kein grund das sie das hier immer wieder penetrant wiederholen. Die piraten haben keine chance in zukunft. Unter dem namen sowieso nicht. kein grund sie zu wählen, nur weil diese handvoll leute aus der "spassgesellschaft" u. autonomen szene eine geldquelle entdeckt haben.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 32
  • 01.11.2011 08:57
Antwort auf Kommentar 25

Da haben Sie wohl ganz einfach etwas nicht richtig gelesen oder nicht verstanden. Passt aber zu Kommentatoren wie Longus, Art, Ole, etc. CSU/CDU/FDP/SPD/GRÜNE sind in demokratischen Sinne nicht mehr wählbar, weil deren parteiübergreifende Arbeitsweise jeglichen wirklichen Wechsel ausschließt, und Reformen verhindert. Linke und NPD sind nicht wählbar, weil die Herstellung nichtdemokratischer Zustände das erklärte Ziel ist. Was bleibt? Die Piraten sind im Augenblick nur ein kleiner Lichtstreifen am Horizont. Das waren die Grünen bis zu ihrer willenlosen Anpassung an das System auch mal.

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  • ART
  • Kommentar 31
  • 31.10.2011 17:33
Antwort auf Kommentar 25

Ihre Antwort ist wirklich auf K22 geschrieben? Würde bei sonstigen Beiträgen des Nichtwählers auf "blackout"tippen.22 war der Beitrag des "ewigen Geläutes" von hans-peter! Aber immerhin!

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