Parteien Geteiltes Echo auf Schmidts Plädoyer für Steinbrück

Mit seinem Eintreten für den früheren Finanzminister Peer Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidaten hat Altkanzler Helmut Schmidt Zustimmung, aber noch mehr Ablehnung hervorgerufen.

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Geteiltes Echo auf Schmidts Plädoyer für Steinbrück Bild: dpa

Berlin (dpa) - Mit seinem Eintreten für den früheren Finanzminister Peer Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidaten hat Altkanzler Helmut Schmidt Zustimmung, aber noch mehr Ablehnung hervorgerufen.

«Ich verstehe nicht, was dieser Ego-Trip zu diesem Zeitpunkt soll», sagte der Juso-Vorsitzende Sascha Vogt dem «Tagesspiegel». «Kanzlerkandidaten werden nicht von Altkanzlern ausgerufen, sondern von der Partei bestimmt.»

Wenn die SPD klug sei, entscheide sie erst in einem Jahr über ihren Kandidaten, sagte SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner vom linken Flügel der Sozialdemokraten dem «Tagesspiegel». «Kanzlerkandidaten werden bei uns nicht ausgerufen, auch nicht von noch so verdienstvollen Politikern», Es gebe mehrere Sozialdemokraten «die das Amt können».

Zustimmung kam vom konservativen Seeheimer Kreis in der SPD. Dessen Sprecher Johannes Kahrs bezeichnete Steinbrück als einen guten Kanzlerkandidaten. «Ich glaube, dass Peer Steinbrück es kann. Er ist ein guter Krisenmanager und genießt als ehemaliger Finanzminister viel Vertrauen in der Bevölkerung», sagte Kahrs der Tageszeitung «Die Welt».

Altkanzler Schmidt bezeichnete Steinbrück unter anderem wegen seines Sachverstands in Finanzfragen als den geeigneten Kanzlerkandidaten. Notwendig seien im Augenblick politische Führer, die in diesem Bereich Bescheid wüssten, sagte der 92-Jährige am Sonntagabend in der ARD-Sendung «Günther Jauch». «Er ist einer von denen, die wirklich wissen, worüber sie reden.»

Steinbrück sagte zur Kanzlerkandidatenfrage, er werde sich erst äußern, falls ihm der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel eine entsprechende Frage stellen würde. Auf mehrere Versuche Jauchs, ihm mehr zu entlocken, sagte Steinbrück schließlich: «Der Knochen ist jetzt abgenagt.»

Die SPD hat bislang nicht über ihren Kanzlerkandidaten für 2013 entschieden. Neben Steinbrück gelten auch Parteichef Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier als mögliche Kandidaten. Auch Berlins Regierungschef Wowereit werden ab und zu Ambitionen für die Aufgabe nachgesagt.

Die Linke kann sich eine Zusammenarbeit mit einem Kanzler Steinbrück nicht vorstellen. «Ob die SPD einen notorischen Wahlverlierer aufstellt, ist ihre Sache», sagte ihr Vorsitzender Klaus Ernst der «Passauer Neuen Presse». «Dass wir mit ihm gut zusammenarbeiten, ist unwahrscheinlich.» In der SPD gewönnen ausgerechnet diejenigen wieder an Macht und Einfluss, «die für Sozialabbau, Rentenkürzungen und Kriegseinsätze stehen».

news.de/dpa

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