Alltagsrassismus
Der Nazi in uns

Schräge Blicke, abfällige Bemerkungen: Rassismus im Alltag ist in Deutschland weit verbreitet. So sehr, dass ein NPD-Watchblog nun die gesamte Gesellschaft ins Visier nimmt. Seit Jahren hat sich an den problematischen Einstellungen nichts geändert - mit fatalen Folgen für die Integration.

Rassismus im Alltag: «Allah raus, Islam raus, Türken raus», steht auf einer Parkbank in Berlin. Bild: dapd

Es sollte ein Scherzanruf sein, ein lustiges Zwischenspiel in der Morgenshow des Radiosenders. An einem Ende der Leitung saß der Moderator und erzählte etwas von einer gestohlenen Kaffeemaschine und 40 Polizisten, die gleich vorbei kommen würden. Am anderen Ende saß ein hörbar verwirrter Mann vietnamesischer Herkunft. Zuvor wurde er als «Fidschi» angekündigt - ein Schimpfwort für asiatische Facharbeiter in der DDR - der den Anruf wohl eh nicht verstehen würde.

Für ein paar Lacher bediente der Radiosender die Palette fremdenfeindlicher Vorteile: Der wahrscheinlich durch seinen Namen als «Ausländer» Ausgemachte wurde als potenziell kriminell und der Sprache nicht mächtig hingestellt. Festgehalten hat den Vorfall chronik.LE, ein Projekt des Vereins Engagierte Wissenschaft, das im Internet neonazistische, rassistische und diskriminierende Aktivitäten in Leipzig und Umgebung dokumentiert.

FOTOS: Rechtsextremismus Die braune Gefahr

Eine Unterkategorie der Seite heißt Alltagsrassismus. Nicht ein Monat vergeht ohne neuen Eintrag - einer davon ist die Episode mit dem Radiosender. Dort bemüht man sich um Schadensbegrenzung. «Wir differenzieren in keinster Weise zwischen Hautfarbe, Konfession, Herkunft, Bildung etc.», sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Man nehme sich aber auch die Freiheit, alle Bevölkerungsgruppen in das Programm einzubeziehen. Die Frage ist nur wie.

«Wir» versus «Sie»

Die Haltung des Radiosenders verdeutlicht das Problem Alltagsrassismus: Häufig wird er gar nicht als solcher wahrgenommen. Das macht ihn so gefährlich. Zum Alltagsrassismus gehören laut Rudolf Leiprecht von der Universität Oldenburg Äußerungen, die «relativ verbreitet sind und von den Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft häufig nicht als Rassismus identifiziert werden, sondern als selbstverständlich erscheinen und unhinterfragt hingenommen werden.»

Dadurch wird beinahe täglich das Denkmuster «Wir» versus «Sie» konstruiert und durch die ständige Wiederholung verfestigt. «Einer bestimmten Personengruppe werden bestimmten Eigenschaften zugewiesen und diese negativ bewertet», erklärt Margarete Jäger vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung im Gespräch mit news.de. Alltagsrassismus drücke sich in informellen Gesprächen, in der Familie, beim Einkaufen aus. Mit Begriffen wie «die da» und «da draußen» werde «das Fremde» markiert.

Alltagsrassismus ist kein Problem bestimmter Schichten oder Regionen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. «Die Mehrheitsgesellschaft gehört in den Fokus, nicht eine braune Truppe», sagt Peter Gensing. Fünf Jahre lang dokumentierte der Journalist in seinem erfolgreichen NPD-Blog die Machenschaften der rechtsextremen Partei. Nun hat er die Perspektive erweitert. Es greife zu kurz, sich ausschließlich an einer Partei abzuarbeiten. «Das Hauptproblem ist die Mehrheitsgesellschaft, in der die NPD ignoriert, geduldet oder sogar akzeptiert bis hofiert wird», sagt Gensing.

Schlechte Karten für die Integration

«Alltagsrassismus ist sehr verbreitet», sagt auch Kulturwissenschaftlerin Jäger. Seit dem Beginn ihrer Untersuchungen Anfang der 1990er Jahre hätten die Vorbehalte nicht abgenommen. Der Grund: In Medien und Politik kommt es immer wieder zu Ereignissen, wie der Sarrazin-Debatte, bei denen zu Rassismus aufgerufen wird und dadurch Argumente für die Vorurteile geliefert werden. Auch in den Schulen werden noch immer fragwürdige Dinge vermittelt. «Dies sind Kontinuitäten, die den Alltagsrassismus weiter stützen», sagt Jäger.

In Deutschland ist laut der Wissenschaftlerin vor allem der Einwanderungsdiskurs «rassistisch durchsetzt». Mit schwerwiegenden Folgen: «Die Vorbehalte behindern massiv die Integration», sagt Jäger. Migranten bleiben in den Köpfen vieler «die Anderen». Menschen, die teilweise hier geboren sind, fühlen sich nicht richtig anerkannt und respektiert. Sie werden einer bestimmten Gruppe zugeordnet und müssen sich ständig mit Vorurteilen auseinandersetzen. So wie der Mann am anderen Ende des vermeintlichen Spaßanrufs.

rzf/news.de

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41 Kommentare
  • schmidt

    24.01.2015 19:35

    fidschi ist die aus ostzonenzeiten stammende sächsische aussprache für die englische abkürzung für VC ...also vietcong , sprich die vietnamesischen kommunisten, die in den 70ern in der ostzone als gastarbeiter ohne rechte aufgenommen und ausgebeutet wurden....von deutschen kommunisten. man kann auch vietchi schreiben. es ist also in keiner weise rassistisch, nur westdeutsche linke institute für sprachhygiene behaupten das. ich habe die entstehung erlebt und weiss es sehr genau. ball flach halten.

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  • schmidt

    24.01.2015 07:46

    fidschi ist die aus ostzonenzeiten stammende sächsische aussprache für die englische abkürzung für VC ...also vietcong , sprich die vietnamesischen kommunisten, die in den 70ern in der ostzone als gastarbeiter ohne rechte aufgenommen und ausgebeutet wurden....von deutschen kommunisten. man kann auch vietchi schreiben. es ist also in keiner weise rassistisch, nur westdeutsche linke institute für sprachhygiene behaupten das. ich habe die entstehung erlebt und weiss es sehr genau. ball flach halten.

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  • Joachim Koßmann

    14.11.2011 16:57

    Die Probleme haben ihre Ursachen in dem nicht vorhandenen Laizismus in der Bundesrepublik, der zwangsläufig auch den Islam zur "Staatsreligion" machen wird - siehe Einführung des isl. Religionsunterrichts - und das Fehlen einer vernünftigen Einwanderungsgesetzgebung. Ich empfehle die Übernahme der entspr. kanadischen Gesetze.

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