Parteien im Internet Die Unsichtbaren

Parteien im Netz (Foto)
Internetseiten der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Anika Kreller
Viel Wert legen Politiker auf ihre Auftritte bei Facebook und Co. Doch eine neue Studie zeigt: Sie scheitern bereits an banalen Googlesuchen. Wer nach politischen Themen sucht, landet nur selten bei den deutschen Parteien. Wählerstimmen werden verschenkt.

Mit einem Überraschungssieg zog die Piratenpartei Mitte September in das Berliner Abgeordnetenhaus ein - und einige Politiker gerieten ins Grübeln: Seine Partei müsse sehen, was sie von den Piraten für die Präsentation ihrer politischen Positionen lernen könne, sagte Harald Wolf, Spitzenkandidat der Berliner Linken, nach der Wahl.

Dass sich die Etablierten durchaus noch etwas von den Newcomern in Orange abschauen können, beweist eine neue Studie zu den Webseiten politischer Parteien. Ein Forscherteam der Universität Bamberg hat untersucht, wie professionell CDU, SPD & Co. ihre Internetauftritte einsetzen. 32 Internetseiten der Bundesparteien sowie der Landesebene in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen haben die Forscher geprüft. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Seiten fast aller deutscher Parteien bleiben bei politischen Suchanfragen bei Google weitgehend unsichtbar.

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Die Bamberger Forscher haben bei den meistgesuchten deutschen Begriffen registriert, wann die Parteien unter den ersten 30 Suchergebnissen waren. Während das den Piraten 120 Mal gelang, schaffte es die FDP gerade 37 Mal. Die politischen Begriffe, unter denen die Parteien zu finden waren, dürften auch nur teilweise in deren Interesse liegen: Während die SPD durchaus unter «Mindestlohn» und die Grünen unter «Atomkraft» zu finden waren, war es die CDU lediglich bei «Energiepolitik» - und die FDP bei «Netzsperren».

Das heißt: Wer nach einem bestimmten Thema sucht, wird viele Informationen dazu finden, aber nicht die Internetauftritte und Positionen der deutschen Parteien. Einzige Ausnahme: die Piratenpartei. «Die Parteien versäumen es, dort präsent zu sein, wo interessierte Menschen nach ihnen suchen», sagt Andreas Jungherr, der die Studie mit erarbeitet hat, zu news.de. «Damit verschenken sie viel Informationspotenzial.» Und damit auch potenzielle Wähler. Die Parteien schaffen es mit ihren Webseiten nicht, parteilich ungebundene, aber an politischen Themen interessierte Wähler anzusprechen und abzuholen.

Facebook reicht nicht

Viel Tamtam haben Politiker um ihre Auftritte in sozialen Netzwerken gemacht, die meisten sind bei Facebook, viele twittern. Doch bei einer gewöhnlichen Googlesuche gefunden zu werden - und zwar auch dann, wenn nicht explizit nach dem Parteinamen gesucht wird - daran scheitern die Parteien hierzulande. Der Grund: Sie vernachlässigen die sogenannte Suchmaschinenoptimierung, also die Gestaltung ihrer Netzauftritte auf eine Art, dass sie möglichst weit vorne in der Google-Ergebnisliste landen. «Die Parteien unterschätzen die Bedeutung von Suchanfragen», sagt Politikwissenschaftler Jungherr.

Dabei ist Google der goldene Schlüssel zum Internet. Nur was hier gefunden wird, ist für die Nutzer relevant. Laut der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie verwenden 83 Prozent der 51,7 Millionen deutschen Onlinenutzer ab 14 Jahren regelmäßig Suchmaschinen, um nach Informationen oder Nachrichten zu suchen. Das Allensbacher Institut fand heraus, dass 26 Prozent der Deutschen das Internet mehrmals wöchentlich nutzten, um politische Informationen zu suchen. Weitere 17 Prozent gaben an, sich ein oder mehrmals monatlich online über Politik zu informieren. Ein Pool an Interessierten also, den die Parteien hierzulande allerdings versäumen, anzuzapfen.

Hauptsache, es sieht nett aus

Doch warum hinken die Parteien so hinterher? Forscher Jungherr sieht den Grund vor allem in der Schwerpunktsetzung: «Es wird sich darauf konzentriert, dass die Internetseiten nett aussehen.» Bei den unsichtbaren Elementen wie der Suchmaschinenoptimierung werde gespart. Weitere Gründe für die geringe Sichtbarkeit der Parteien sieht er in der für Suchmaschinen schwer verständlichen Codierung der Seiten und einer mangelnde redaktionellen Betreuung der Inhalte. Außerdem werde sich stark an der öffentlichen Debatte orientiert: «Im Wahlkampf fordern die Medien bestimmte Features, wie Eingebundensein in soziale Netzwerke oder Videos. Das kostet Ressourcen und der Fokus richtet sich darauf, diese Ansprüche zu erfüllen.»

Die Parteien selbst scheinen durchaus um die Bedeutung von Google zu wissen. «Suchmaschinenoptimierung ist wichtig für uns», erklärt Grünen-Sprecher Robert Heinrich auf news.de-Anfrage. «Und wir haben Erfolg: Bei Begriffen wie Datenschutz und Bürgerrecht tauchen wir bei Google jeweils unter den ersten zehn Suchbegriffen auf.» Nur sei die Konkurrenz bei gewissen Themen sehr groß. «Klimaschutz ist zum Beispiel ein hart umkämpfter Suchbegriff, der auch von Umweltverbänden und Unternehmen beansprucht wird», sagt Heinrich. «Hier unter den ersten Suchergebnisse zu landen, ist mit unseren Mitteln enorm anspruchsvoll.» Doch seine Partei würde an der Optimierung arbeiten.

Ein Blick zu den Piraten könnte sich lohnen. «Sie haben am nachhaltigsten überlegt, was sie mit der Technik erreichen können», sagt Jungherr. Zwei Sachen könnten die Parteien von den Piraten lernen: «Sie müssen Technologie einsetzen, die mehr kann, als nur gut aussehen. Bei vielen scheint das System hinter der Webseite auf Design ausgelegt und nicht auf Google-Verständlichkeit.» Zum anderen schneide die Partei so gut durch ihre aktiven und netzaffinen Unterstützer ab. Denn auch die Anzahl der Verlinkungen entscheidet darüber, wie weit vorne eine Seite bei Google auftaucht. Der letzte Punkt dürfte für die etablierten Parteien allerdings nicht so leicht zu kopieren sein.

beu/news.de

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • hpklimbim
  • Kommentar 7
  • 28.09.2011 12:30

Die Zensur bei news.de nimmt langsam aber sicher skurrile Formen an.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 6
  • 28.09.2011 12:22
Antwort auf Kommentar 5

Welche Meinung ich zu einer Sache vertrete, müssen Sie schon mir überlassen. Ihre Bevorschriftungs- und Bevormundungsversuche sind hier bei einem frei denkenden Menschen ebenso wie Ihre dumm-pauschalen Zuordnungsversuche zu politischen Lagern zum Scheitern verurteilt. Es ergibt sich allenfalls die nachvollziehbare Beschränktheit Ihres Geistes, so die jemand nicht aus dem von Ihnen verwendeten Pseudonym und der darin vorgenommenen Standortbestimmung Ihres Gehirns ablesen kann.

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  • Arsch
  • Kommentar 5
  • 27.09.2011 18:06
Antwort auf Kommentar 3

Die Inländer-Diskriminierung ist aber dem R vorbehalten!Wir wollen doch auch im"Rechtsrandigen"einen gewissen deutschen Anstand und eine Verläßlichkeit bewahren,Oder? Heil den Inländern!Das wären in Somalia die Somalialisten?

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