Kirchen Viele Fragen nach dem Papstbesuch

Der Papst geht, die Probleme bleiben. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch bezeichnete den Besuch des Kirchenoberhaupts als wichtigen Anstoß, zugleich habe er die deutschen Katholiken aber auch vor einige Herausforderungen gestellt.

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Viele Fragen nach dem Papstbesuch Bild: dpa

Berlin/Freiburg (dpa) - Der Papst geht, die Probleme bleiben. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch bezeichnete den Besuch des Kirchenoberhaupts als wichtigen Anstoß, zugleich habe er die deutschen Katholiken aber auch vor einige Herausforderungen gestellt.

Darüber müssten die Bischöfe auf ihrer Vollversammlung vom 4. bis 7. Oktober in Fulda reden. Konkrete Lösungsvorschläge für die aktuellen Probleme lieferte der Papst nicht. Vielmehr öffnete er mit seiner Anregung, dass die Kirche auf ihre staatliche Privilegien verzichten soll, noch ein weiteres Diskussionsfeld. Zudem war in seinen Reden eine gewisse Kritik an dem Dialogprozess durchzuhören, den Zollitsch nach den lauten Forderungen nach Reformen ins Leben gerufen hat und der bei der Vollversammlung vorangetrieben werden soll.

Zollitsch verwies jedoch auf eine bislang nicht veröffentlichte Tischrede des Papstes in Freiburg, bei der der Heilige Vater ihm den Rücken gestärkt habe. «Er hat uns ermutigt, den Weg der Erneuerung zu gehen.» Der Papst habe die konkreten Probleme nicht angesprochen, weil es ihm um die grundsätzliche Frage des Glaubens gehe. «Wenn wir diese zentrale Frage nach unserem Glauben klären, wird es uns helfen, die Einzelfragen zu lösen.»

Auch die Feststellung des Papstes, dass sich die Kirche ihren eigentlichen Aufgaben besser zuwenden könnte, wenn sie sich von ihren staatlichen Privilegien trenne, wertete Zollitsch nur als Signal zum Innehalten. Dem Papst gehe es nicht um die Abschaffung der Kirchensteuer oder des Religionsunterrichts. Er habe vielmehr sagen wollen, dass sich die Kirche nicht zu sehr um ihre finanzielle Absicherung kümmern solle, sondern mehr um ihren inneren Geist.

Zum Abschluss seines Deutschlandbesuches hatte der Pontifex in Freiburg eine radikale Neuausrichtung der katholischen Kirche gefordert. Er stellte die Zusammenarbeit mit dem Staat infrage. Die Kirche dürfe sich nicht der Gegenwart anpassen, sondern müsse mehr auf Distanz zur Gesellschaft gehen.

In anderen Reden und Predigten verlangte der 84-Jährige am Wochenende von den Gläubigen Treue zu Rom. An die Jugend appellierte der Papst, «glühende Heilige» zu werden.

Es war der dritte Besuch des deutschen Papstes in seiner Heimat und der erste Staatsbesuch in Deutschland. Am Sonntagabend flog er nach Rom zurück. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi zog eine positive Bilanz der Reise: «Dem Papst geht es außerordentlich gut. Wir sind etwas erstaunt, wie gut er diese Reise überstanden hat.»

Es war ein Deutschlandbesuch mit großem Programm und noch größeren Erwartungen. Als spektakulär und historisch wurden Benedikts Auftritte im Bundestag in Berlin und beim Ökumene-Gipfel in Erfurt gewertet. Allerdings hatten sich viele deutlichere Signale für eine Annäherung zwischen katholischer und evangelischer Kirche gewünscht.

Alles zum Papstbesuch

Programm des Papst-Besuches

Papstbesuch in Erfurt

Papstbesuch in Freiburg

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news.de/dpa

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