Libyen Gaddafis Truppen schlagen zu

Straßenkämpfe in Sirte (Foto)
Erbitterte Straßenschlachten liefern sich in Sirte die Truppen des Übergangsrates mit Gaddafi-Anhängern. Bild: dapd

Von Kim Gamel
Während Gaddafis Tochter ihren Vater als Kämpfer präsentiert, kommen neue Gräueltaten seines Regimes ans Licht: In Tripolis ist ein Massengrab entdeckt worden. Die erbitterten Kämpfe fordern unterdessen immer neue Opfer.

Kämpfer des früheren Machthabers Muammar Gaddafi griffen nach Angaben des Übergangsrats vom Sonntag von Algerien aus den libyschen Ort Ghadamis nahe der Grenze an und töteten sechs Menschen. Der grenzüberschreitende Angriff gilt als Zeichen, dass es Gaddafi-Truppen gelungen sein könnte, sich nach der Flucht neu zu formieren und einen langwierigen Untergrundkrieg in Libyen zu führen.

In Tripolis wurde unterdessen ein grausiger Fund aus der langjährigen Herrschaft Gaddafis bekanntgegeben: In der Nähe eines Gefängnisses in der Hauptstadt seien die sterblichen Überreste von 1270 Häftlingen gefunden worden, teilte der Leiter des Ausschusses der neuen Regierung zur Suche nach Opfern der Herrschaft Gaddafis, Ibrahim Abu Sahima, mit. In dem Gefängnis Abu Salim hatte es am 26. Juni 1996 ein Massaker gegeben, nachdem Häftlinge gegen die Haftbedingungen protestiert hatten. Sahima sagte, der Übergangsrat werde um internationale Hilfe bei der Identifizierung der Toten bitten.

Libyen
Der Kampf gegen Gaddafi

Nach einer fehlgeschlagenen Offensive in Sirte haben die Truppen der neuen libyschen Führung den Belagerungsring um die Heimatstadt des Gaddafis verstärkt. Sie stellten am Sonntag neue Straßensperren und Kontrollpunkte auf. Auch Scharfschützen wurden an wichtigen Stellen positioniert. Ein neuer Angriff sei vorerst nicht geplant, hieß es. NATO-Kampfflugzeuge flogen ungewöhnlich schwere Angriffe auf Ziele in Sirte.

Erbitterte Straßenkämpfe in Sirte

Dutzende Flüchtlinge sprachen bereits am Samstag von immer dramatischeren Zuständen in Sirte. Ganze Familien versteckten sich in Kellern, viele Kinder litten wegen des Mangels an sauberem Wasser an Durchfall, erklärten sie. Nach Angaben von Soldaten der neuen libyschen Führung haben im Laufe der vergangenen Woche mehr als 1300 Familien die Stadt verlassen.

Libyen
Gaddafi gibt nicht auf
Video: dapd

Bei ihrer Offensive gegen die Gaddafi-Anhänger hatten die Revolutionsstreitkräfte am Samstag gegenüber Gaddafis Männer abermals nicht die Oberhand gewinnen können. Sieben Kämpfer wurden in den erbittert geführten Straßenkämpfen getötet, bei denen die früheren Rebellen zunächst bis an den Rand des Zentrums von Sirte vordrangen, mindestens 150 wurden verletzt. Explosionen erschütterten die Stadt, über den Straßen stieg Rauch auf. Es war seit einer Woche der erste größere Vorstoß auf Sirte, eine von drei verbliebenen Bastionen Gaddafis.

In einer am Freitag veröffentlichten Audiobotschaft bezeichnete Gaddafis Tochter Aischa die neuen Führer des Landes als Verräter. In ihrer ersten Nachricht seit dem Fall der Hauptstadt Tripolis vor einem Monat erklärte sie, einige von ihnen hätten dem Gaddafi-Regime angehört, bevor sie im Bürgerkrieg übergelaufen seien.

Lebensbotschaft aus dem Gaddafi-Clan

«Ich versichere Ihnen, es geht ihm gut, er ist gläubig und guten Mutes, trägt seine Waffe und kämpft Seite an Seite mit den Kriegern», sagte Aischa Gaddafi über ihren Vater. Die vierminütige Botschaft wurde von dem in Syrien ansässigen Fernsehsender Al-Rai ausgestrahlt, dem inzwischen wichtigsten Sprachrohr Gaddafis.

Der Nationale Übergangsrat kündigte unterdessen an, in der kommenden Woche eine Interimsregierung für Libyen zu benennen. Das sagte der Ratsvorsitzende Mustafa Abdul Dschalil am Samstag nach seiner Rückkehr von der UN-Vollversammlung in New York. Die Besetzung des Kabinetts war vergangene Woche unter anderem an Differenzen darüber gescheitert, welche Städte in der Regierung vertreten sein sollten.

cvd/news.de/dapd

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Silvia Steiner
  • Kommentar 2
  • 20.10.2011 15:54

Wer und wo ist die Person, die es besser macht? Ich habe noch nie gehört, dass so jemand in Aussicht ist. Dass seine Tochter erst dieses Jahr in Wien war und die Geschäfte guten Umsatz machten, gibt doch zum Nachdenken. Die Konten wurden SPÄTER angeblich eingefroren, WER bekommt es? Das lybische Volk? Keine Rede davon. GELD REGIERT DIE WELT!!! Egal von wo oder wem es kommt.

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  • Karl Stuelpner
  • Kommentar 1
  • 26.09.2011 07:18

Wenn ich diese sogenannten Rebellen wild schreiend schießend und ziemlich undiszipliniert und ohne Uniform sehe wird mir schlecht.Von der Genfer Konvention scheinen sie noch nie was gehört zu haben Was sind das für Menschen, woher kommen sie, wovon leben sie was arbeiten sie ,vovon enähren sie ihre Familien. Ich glaube der Nato wird es noch einmal leidtun dort eingegriffen zu haben.

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