Liveticker zur Berlin-Wahl «Partylöwe in der Hauptstadt»

Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus: Wahlparty SPD (Foto)
Der «Partylöwe» Klaus Wowereit feiert.  Bild: dapd

Von den news.de-Redakteuren Jens Kiffmeier und Björn Menzel, Berlin
Klaus Wowereit kann zum dritten Mal Bürgermeister der Hauptstadt werden. Die Piraten können ernsthaft Politik machen und die FDP kämpft mit der Zwei-Prozent-Hürde. Verfolgen Sie die Höhepunkte der Wahl im news.de-Liveticker.
 

19.40 Uhr - Nach der Wahl ist vor der Wahl: Nachdem klar ist, dass Klaus Wowereit in Berlin weiterhin regieren darf, richtet die SPD den Blick auf die nächste Aufgabe: den Regierungssturz von Angela Merkel (CDU). Zusammen mit SPD-Chef Sigmar Gabriel ruft Wowereit den «Regierungsnotstand» im Bund aus. «Die müssen zurücktreten, diese Dilettanten», schimpft Wowereit. Die Genossen sehen das genauso und spenden viel Beifall. 

19.20 Uhr - Die FDP hat gekämpft. So sieht es zumindest ihr Generalsekretär Christian Lindner. «Dieses Wahlergebnis nehmen wir in Demut auf», sagte er im ZDF. «Wir werden uns eine Phase der Nachdenklichkeit verordnen, um zu überlegen, wie wir die FDP insgesamt wieder attraktiver machen für die Menschen, die eigentlich unsere Werte teilen». Im Regierungshandeln und bei der Euro-Rettung sei die FDP klar und sehe keinen Korrekturbedarf. «Hier geht es um mehr als um einzelne Wahlen, hier geht es um ein stabiles Europa und um einen harten Euro.» 

Berlin-Wahl
Kampf um das Rote Rathaus

19.10 Uhr - Klaus Wowereit macht damit weiter, womit er im Wahlkampf aufgehört hat: Er hält sich bedeckt und sagt nicht, welche Politik er in den kommenden Jahren in der Hauptstadt betreiben will. Statt über Arbeitslosigkeit spricht er lieber Dankesworte aus. Seine Wünsche gehen an diesem Abend an die Familien der Wahlkämpfer, die «auch in den vergangenen Monaten viel aushalten mussten». Und an seine Berater, von denen er weit mehr hält, als manch einer meint: «Dass ich beratungsresistent bin, ist so ein böses Gerücht. Das stimmt nicht», lässt der neue und alte Bürgermeister seine Untertanen wissen. 

18.50 Uhr - Jetzt ist klar, was der SPD-Party gefehlt hat: ein Partylöwe. Der Wahlsieger persönlich übernimmt die Rolle. Zu Techno-Musik zieht Klaus Wowereit ins Berliner Kesselhaus ein. Minutenlang tänzelt und klatscht er auf der Bühne und reißt seine Genossen mit. Selbst der Fraktionschef im Bundestag kann sich dem Zauber nicht entziehen. Zunächst lehnt Frank-Walter Steinmeier im oberen Stockwerk an der Theke. Doch dann stellt er sein Bier ab, wippt mit den Füßen, grinst und klatscht. «Wowi. Wowi», schallt es durch den Feiersaal. 

18.40 Uhr - Für die SPD klingt es wie eine Drohung. Bei ihrem ersten Auftritt nach dem Schließen der Wahllokale verspricht die grüne Herausforderin Renate Künast: «Das ist das beste Ergebnis bei einer Abgeordnetenhauswahl. Wir bleiben dran.» Für einen Genossen bei der Wahlparty im Kesselhaus ist das blanker Hohn. «Jetzt will sie wohl als nächstes Bundeskanzlerin werden», ätzt er. Künast gibt sich im Jubel der Grünen jedoch auch realistisch: «Wir haben mehr gewollt und nicht alle Ziele erreicht», sagt sie.

 

18.30 Uhr - Eine ganz große Wahlparty sollte es bei den Sozialdemokraten werden. Im Herzen vom Szenekiez Prenzlauer Berg, wo die Grünen ihre Hochburg haben, bauten die Genossen draußen vor dem Feiersaal eine große Leinwand auf. In den Bratwurstbuden dampft es. Doch die Parteifreunde pfeifen auf Public Viewing. Das Wetter treibt sie ins Haus. Jubelstürme bleiben aus, an der Basis wie in der Parteispitze. Als die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen im Getümmel auftaucht, wirkt sie ernüchtert. «Joa», sagt sie, als sie zu den 29 Prozent befragt wird. Soll wohl heißen: Business as usual. 

18.20 Uhr - Auch die CDU feiert. Zu Recht. Sie kann ihren Abwärtstrend stoppen, gewinnt in der Hauptstadt Stimmen. «Das haben wir uns hart erkämpft», sagt Spitzenkandidat Frank Henkel. Das wichtigste Wahlziel sei allerdings auch schon damit erreicht, dass Rot-Rot aus dem Roten Rathaus vertrieben ist. Über eine Regierungsbeteiligung ließ er sich noch nicht aus.

18.10 Uhr - Grau, nass, gedrückt: Das ist die Stimmung auf Berlins Straßen an diesem verregneten Sonntag. Doch das soll nicht die Stimmung der Genossen sein. Als um 18 Uhr die erste Prognose über die Bildschirme flimmert, wissen sie erst nicht, ob sie jubeln sollen oder nicht. Ein langes «Oooh» raunt durch das total überfüllte Kesselhaus in der Berliner Kulturbrauerei. Sie haben gewonnen, aber auch zwei Prozent zur der Wahl 2006 eingebüßt. Dann entschließen sich die ersten zum kräftigen Applaus. Feierstimmung kommt erst auf, als die zwei Prozent der FDP bekannt werden. Schadenfreude ist doch die schönste Freude. 

18.05 Uhr - Die Piraten sind in Feierlaune. Laute Jubelschreie, die nicht enden wollen im Lokal Ritter Butzke. Die Piratenpartei zieht laut erster Prognose erstmals in einen Landtag ein. Sie holt 8,5 Prozent und damit 14 Sitze im Roten Rathaus. Die Anhänger recken Bierflaschen in die Luft.

18 Uhr - Die erste Prognose ist da! Danach liegt die SPD mit 29,5 Prozent vorn. Dahinter folgt die CDU mit 23,5 Prozent, die Grünen mit 18 Prozent und die Linke mit 11,5 Prozent der Stimmen. Die Piratenpartei holen immerhin 8,5 Prozent. Die FDP verfehlt mit 2 Prozent den Einzug ins Abgeordnetenhaus.

17.40 Uhr - «Was ist denn hier los?» Im Wahllokal in Prenzlauer Berg wundert sich ein Wähler. Vor ihm eine lange Schlange an Gleichgesinnten. Ob man es überhaupt bis 18 Uhr schafft? Doch eine Wahlhelferin beruhigt. «Alle, die in der Schlange stehen, können wählen.» Nur 500 Meter entfernt bekommt man derweil von dem Trubel nichts mit. Hier, in der Kulturbrauerei, bereiten sich die Sozialdemokraten auf einen schönen Wahlabend vor. Zumindest wenn die Umfragen stimmen, steht dem nichts im Wege. 

17.30 Uhr - Es wird spannend: Noch 30 Minuten bis zur ersten Prognose. Vor fünf Jahren hatte die SPD die Wahl gewonnen. Damals landete Spitzenkandidat Klaus Wowereit mit 30,8 Prozent deutlich vor der CDU, die auf 21,3 Prozent kam. Die Linke erhielt 13,4 Prozent, die Grünen lagen mit 13,1 Prozent knapp dahinter auf dem vierten Platz. Die FDP erreichte 7,8 Prozent. 

17.15 Uhr - Noch eine schlechte Nachricht zur Wahlbeteiligung: Laut Landeswahlleiterin Petra Michaelis-Merzbach gaben bis 16 Uhr weniger als 50 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Das berichtet die Berliner Morgenpost. Genau lag sie bei 46 Prozent und damit 1,5 Punkte tiefer als vor fünf Jahren.

16.30 Uhr - «Die Leute sollen wählen gehen, damit die Kleinen nicht so viel Macht bekommen», sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) während er seine Stimme abgab. Damit könnte er auch die Piratenpartei gemeint haben. Sie stehen laut Vorhersagen erstmals vor dem Einzug in ein Länderparlament. Noch haben die Berliner 90 Minuten Zeit, ihr Kreuz zu machen.

16 Uhr - Das Regenwetter könnte für eine niedrige Wahlbeteiligung sorgen. Bis 12 Uhr waren lediglich 19,1 Prozent der Wahlberechtigten an den Urnen. Zur selben Zeit vor fünf Jahren gaben 3,2 Prozent mehr Berliner ihre Stimme ab. Am Ende lag die Wahlbeteiligung bei 58 Prozent. Etwa 450.000 Einwohner haben sich dieses Mal bereits per Briefwahl an der Wahl beteiligt.

8 Uhr -  Berlin wählt. Am heutigen Sonntag entscheiden 2,47 Millionen Wahlberechtigte darüber, ob Klaus Wowereit Regierender Bürgermeister bleibt. Mit der Abstimmung über das neue Abgeordnetenhaus endet in der Hauptstadt der teuerste Wahlkampf aller Zeiten. Insgesamt fünf Millionen Euro haben die Parteien für Plakate und Kundgebungen investiert.

Doch trotz Rekordsumme war die Auseinandersetzung zwischen Wowereit und seiner grünen Herausforderin Renate Künast an Inhaltsleere nicht zu überbieten. Die Grünen verteilten auf türkischen Märkten umweltfreundliche Jutebeutel, die SPD organisierte eine groß angelegte Kieztour. Für Aufregung sorgte allenfalls, dass ein Bierbrauer eine Wahlkampagne nachäffte und sich der grüne Wahlkampfmanager betrunken bei einer Autofahrt erwischen ließ.

Bei der SPD rieb man sich verwundert die Augen. «Worüber wir allerdings auch erstaunt sind, ist das hohe Maß an Unprofessionalität, das die Grünen inzwischen an den Tag legen», sagte der Landeschef der Sozialdemokraten, Michael Müller, im news.de-Interview. Der SPD bescherte das jedenfalls eine unerwartete Wiedergeburt. Laut den Umfragen wird die Partei deutlich als stärkste Kraft aus dem Rennen hervorgehen. Spannend bleibt die Frage: Wer positioniert sich dahinter? Die Grünen? Oder die CDU? Beides ist denkbar, ebenso wie der Einzug der Piratenpartei.

bjm/jek/news.de/dpa/dapd

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