Ägypten und Israel «Ein Angriff auf den Frieden»

Israels Botschaft in Kairo (Foto)
Ägyptische Soldaten bewachen den Eingang der israelischen Botschaft in Kairo. Bild: dapd

Nach dem Sturm eines entfesselten Mobs auf die israelische Botschaft in Kairo sind Ägypten wie auch Israel um Schadensbegrenzung bemüht. Die Regierung in Jerusalem spricht von einem«schwerwiegenden Vorfall», sendet aber zugleich Entspannungssignale nach Ägypten.

Israels Regierung hat die massiven Krawalle gegen ihre Botschaft in Kairo mit Toten und Verletzten als «schwerwiegenden Vorfall» verurteilt und zugleich Entspannungssignale an Ägypten gesandt.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem, Israel berate mit Ägypten über die Rückkehr seines Botschafters und der anderen Diplomaten nach Kairo. Die Ägypter, die sich an dem Sturm auf die Botschaft beteiligt hätten, lehnten das Friedensabkommen sowie den Staat Israel ab. Netanjahu betonte aber: «Ich bin froh, dass es auch andere Stimmen in Ägypten und der Führung gibt, die den Frieden weiterbringen und bewahren wollen.»

Ägypten soll für die Sicherheit bürgen

Ägypten
Der Aufstand der Unterdrückten

Vize-Ministerpräsident und Geheimdienstminister Dan Meridor bezeichnete die Vorkommnisse im israelischen Rundfunk als «Angriff auf den Frieden zwischen Israel und Ägypten und die Stabilität in Nahost». Ungeachtet dessen sei es aber weiterhin im Interesse Israels und Ägyptens, am Friedensabkommen festzuhalten. Sollte der Frieden zwischen den Nachbarländern scheitern, hätte dies weitreichende Folgen für die Region. «Es ist zweifellos sowohl im Interesse Israels als auch Ägyptens, dass wir unseren Botschafter dorthin zurückschicken», sagte Meridor. Ägypten müsse jedoch für die Sicherheit der Diplomaten bürgen.

Die ägyptische Regierung hatte ein hartes Durchgreifen gegen Demonstranten und einen besseren Schutz diplomatischer Vertretungen angekündigt. Gewalttätige Demonstranten hatten in der Nacht zum Samstag die israelische Botschaft gestürmt. Bei den Krawallen wurden drei Ägypter getötet und mehr als 1000 verletzt. Israelis kamen nicht zu Schaden.

«Die Lage ist noch sehr instabil»

Während sich das US-Außenministerium tief besorgt äußerte, nahm die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton die ägyptischen Führung in die Pflicht. «Wir vertrauen darauf, dass dieser bedauerliche Vorfall ein einmaliges Ereignis war und dass die Behörden die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu normalisieren», sagte Ashton in einer am Samstagabend in Brüssel verbreiteten Erklärung.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle ermahnte Ägypten, die Gewalt zu stoppen. Wie das Auswärtige Amt am heitigen Sonntag mitteilte, telefonierte Westerwelle am Vorabend mit dem ägyptischen Außenminister Mohamed Kamel Amr und äußerte seine große Sorge über die Vorgänge rund um die Botschaft. Er erwarte von der Regierung in Kairo, dass ausländische Vertretungen zuverlässig geschützt würden.

Israels Geheimdienstminister Meridor sagte, die Lage in Ägypten sei noch sehr instabil. «Es ist noch völlig offen, wie es ausgehen wird. Es begann mit westlichen Parolen, aber wird es mit einer islamistischen Herrschaft, einer Diktatur oder mit Demokratie enden? Dies werden die Wahlen im November entscheiden.»

wie/cvd/news.de/dpa

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