NPD im Nordosten
Nazifrauen beflügeln den braunen Spuk 

Seit der Wahl ist klar: Die NPD ist in Mecklenburg-Vorpommern fest verankert. Ihren Erfolg verdankt die Partei auch den Frauen, die für die rechte Szene eine immer wichtigere Rolle spielen. Denn sie erziehen die Kinder und holen die Partei aus der Schmuddelecke.

23 Prozent der NPD-Mitglieder sind Frauen. Bild: dapd

Auf einmal standen die Frauen mitten in der Redaktion. Sie hatten eine unmissverständliche Forderung und zur Verstärkung ein paar Männer mitgebracht. Die Redakteure des Nordkuriers in Pasewalk sollten eine Gegendarstellung drucken. Den Inhalt des kleinen Textes, der auf der Lokalseite der Tageszeitung in Mecklenburg-Vorpommern geschrieben stand, wollten sich die Frauen nicht gefallen lassen. Sie drohten mit Gewalt, wurden ausfällig und laut. Am Ende informierten die Journalisten die Polizei und die Frauen samt Gefolge wurden des Hauses verwiesen.

Was war geschehen? Der rüde Vorfall in der Lokalredaktion ereignete sich vor rund zwei Jahren. Der Nordkurier hatte im Vorfeld einer Veranstaltung einen Hinweis bekommen und darüber berichtet. Der Pferdemarkt in Viereck, einem kleinen Dorf sieben Kilometer von Pasewalk entfernt, würde, so erzählten die Informanten, von Frauen der rechtsextremen Szene veranstaltet. Als die Lokalzeitung davon erfuhr, machte sie es öffentlich. «Aus meiner Erfahrung ist das der beste Selbstschutz, wenn man von Extremisten unter Druck genommen wird. Das gilt auch für organisierte Kriminelle», sagt der Chefredakteur der Zeitung, Michael Seidel, im Gespräch mit news.de.

FOTOS: Rechtsextremismus Die braune Gefahr

Längst sind solche Vorfälle in Mecklenburg-Vorpommern kein Einzelfall mehr. Für die einen ist das Bundesland im Norden ein reines Urlaubsidyll, in vielen ländlichen Regionen ist es derweil längst zu einer Hochburg der Neonazi-Szene geworden. Der Wiedereinzug der NPD in den Schweriner Landtag am Sonntag beweist das mehr als deutlich. Dass sich die Rechtsextremen in der Bevölkerung fest etablieren konnten, verdanken die Kameraden dabei zum Großteil ihren Frauen.

Gefährliche Rollenverteilung in der NPD

Experten warnen schon seit geraumer Zeit davor, dass die Frauen für die Szene immer stärker an Bedeutung gewinnen. Nach Recherchen der Journalistin und Rechtsextremismusforscherin Andrea Röpke sind 23 Prozent der NPD-Mitglieder weiblich. Damit haben sie zwar noch nicht den Wert anderer Parteien erreicht (zum Beispiel Die Linke Ende 2008 mit 39,4 Prozent), stellen aber eine starke Fraktion innerhalb der Partei dar. Allerdings nur an der Basis. Denn in die Führungsspitze hat es noch keine Frau geschafft. «In den ländlichen Gebieten haben die rechten Kameraden ein Problem mit Frauen», sagte Röpke kürzlich bei einer Veranstaltung der Grünen-Bundestagsfraktion in Berlin. Noch immer herrsche in der Szene die klassische Rollenverteilung vor: Der Mann verdient das Geld, die Frau kümmert sich um Haus und Kinder - was sie aber nicht minder gefährlich macht.

So sorgen die Frauen dafür, dass sich die Szene hinter einer bürgerlichen Fassade immer tiefer in der Gesellschaft verankert. Laut Röpke wachsen mittlerweile mehrere tausend Kinder ungefragt in der Neonazi-Ideologie auf. So werden Fußballturniere organisiert, genauso wie Ferienfreizeiten und Zeltlager. Oder eben ein Pferdemarkt wie in Viereck. Mitunter muss das Angebot auch nicht auf die eigenen Kinder beschränkt bleiben. So arbeiten die Nazi-Frauen mittlerweile geschickt daran, andere gesellschaftliche Organisationen zu unterwandern. So werden Babykrabbelgruppen initiiert oder die braunen Kameradinnen lassen sich gezielt in den Schulen als Elternvertreter wählen. In Internetforen werden dafür bereits Erfolgsstrategien diskutiert und ausgetauscht.

Für die Außendarstellung der NPD macht das die Frauen besonders wertvoll. Denn ihre zahlreichen Aktivitäten verleihen der rechtsextremen Partei ein soziales Antlitz und verhelfen ihr aus der Schmuddelecke. Lange war das Image von den rechten Schlägertypen gekennzeichnet. Doch dank der Untriebigkeit der Frauen können sie sich als die Kümmerpartei aufplustern. Für viele macht das neue Image die rechten Kameraden wählbar. Wie sehr diese Unterwanderungsstrategie mittlerweile aufgeht, lässt sich an den jüngsten Landtagswahlergebnissen ablesen.

In ihren Hochburgen kommt die Szene auf 33 Prozent

Zwar verzeichnete die NPD in einigen Hochburgen vereinzelt Stimmverluste. Trotzdem werden in fast allen Kreistagen sowie im Landesparlament Neonazis sitzen. Besonders in Südvorpommern fuhren die Rechtsextremen ein überdurchschnittliches Ergebnis ein. In Koblentz, das nahe Pasewalk liegt, wählten 33 Prozent der Wähler die Rechten mit der Zweitstimme - Rekord. In Postlow und Blesewitz waren es 28,9 Prozent. Für das Regionalzentrum für demokratische Kultur ist das kein Wunder. Seit längerem gelinge es den demokratischen Parteien nicht mehr, im ländlichen Raum die Stammwähler zu erreichen. Die Spitzenkandidaten von SPD und CDU hätten sich zu sehr auf den Städtewahlkampf konzentriert, kritisiert der Politiwissenschaftler Ingmar Dette laut Welt Online.

Die Ratlosigkeit ist indes groß in der Politik. Bereits im Wahlkampf hatten die beiden Spitzenkandidaten im news.de-Interview mit Durchhalteparolen geworben. «Wir müssen den dumpfen Parolen mit Spott begegnen», schlug etwa Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) vor. Und sein Herausforderer Lorenz Caffier (CDU) erneuerte die umstrittene Forderung nach einem NPD-Verbot und stellte zugleich klar, dass die Verantwortung bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus nicht nur auf Schultern der Parteien liegen könnte: «Ich finde, dass die Auseinandersetzung mit der NPD eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist», so Caffier.

Tatsächlich fehlt den politischen Parteien die Kraft. Allein personell reicht es an einigen Orten in dem vom Aussterben bedrohten Bundesland schon nicht mehr, um der NPD einen demokratischen Gegenkandidaten entgegenzusetzen. Kein Wunder also, dass die Rechtsextremen zum Teil auch schon ganze Dörfer in Beschlag nehmen können. Jamel, nahe Wismar, ist da nur ein Beispiel.

Auch in Pasewalk treten die Rechten weiterhin lautstark auf. Der Vorfall in der Nordkurier-Lokalredaktion jedenfalls war nach dem verbalen Disput noch nicht beendet. Es sprangen Sponsoren ab, die den Pferdemarkt unterstützen wollten und die Zeitung berichtete weiter. Die Kameraden ließen keine Ruhe. In der Innenstadt tauchten plötzlich A4-Blätter auf, die an Bäumen hingen. «Der Redaktionsleiter», sagt Chefredakteur Seidel, «wurde namentlich öffentlich angeprangert». Natürlich anonym. Ob auch die Frauen der rechten Szene dahinter steckten, ist zwar nicht bewiesen - aber anzunehmen. 

jek/bjm/news.de

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29 Kommentare
  • mattenb

    08.11.2011 12:39

    Antwort auf Kommentar 28

    Mag ja gut sein, eine positiv gestimmte Vorausschau zu geben, nur leider sehe ich eher die andere Richtung am Horizont: 1.) Die sozial und finanziell immer mehr absinkende Bevölkerung wird sich eher dem braunen Gedankengut zuwenden, denn dort wird vermeindliche soziale Wärme vorgetäuscht. Die Rollenverteilung Heim/Herd/Kind fördert hier Frauen. 2.) Frauen waren auch im 3. Reich oft die treibende Kraft hinter den dumm-dämlichen Männern. 3.) Die Politik im Bund ist nicht in der Lage oder Willens, den Niedergang ganzer Landstriche zu verhindern. In diesem Vakuum wird eher der braune Mob stark.

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  • npdAD

    19.10.2011 10:23

    Antwort auf Kommentar 25

    "Rechtsrandige Hilfsschreiber"stehlen Ausdrücke wie das von mir zu den"schwarz-braunen Haselnüssen"kreierte "Hirn-Mumien",um in ihrer Sprachlosigkeit und Einfallslosigkeit überhaupt noch in den aus altersgründen entzündeten Gehörgängen bei 0,05 % Altnazis und"pro-blem-Deutschen"anzukommen.Wie die Verwirrtheit bei diesem Schreiber "FRANZ - i",bemitleidenswert zeigt,ist der Verlust an Gegenwartserkennung schon so weit vorangeschritten,das er ein Anwachsen der Nazis erwartet!Durch die Grünen und Piraten wird der Bodensatz der Nazis bei 0,05% bis zu derem natürlichen ausscheiden stagnieren,gut so!

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  • Franzi

    16.10.2011 17:36

    Antwort auf Kommentar 1

    Sehr gut,alles andere erübrigt sich von selbst.

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