Pro Asyl «Stoppt das Sterben im Mittelmeer»

Bootsflüchtlinge (Foto)
Mächtige Wellen umspülen ein Boot mit Flüchtingen, das vor der sizilianischen Insel Pantelleria auf Grund gelaufen ist und erschweren die Rettungsarbeiten der Küstenwache. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Andrea Schartner
In ihrer Heimat sind sie bedroht. Der Weg nach Europa ist lebensgefährlich. Wer es schafft, ist den Behörden ausgeliefert. Die Stiftung Pro Asyl unterstützt seit 25 Jahren Asylsuchende. Im Interview sprechen wir über die Ignoranz Europas und seine empörende Asylpolitik.

Herr Mesovic, welche Menschen suchen Asyl?

Bernd Mesovic: Ein großer Anteil kommt schlicht aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt, aus Afghanistan, aus dem Irak und in letzter Zeit verstärkt aus den nordafrikanische Staaten. Mit Zeitverzögerung werden wir auch die verschlechterte Sicherheitssituation in Afghanistan in den Statistiken wiederfinden.

Ist Asylpolitik gerecht?

Mesovic: Die Frage möchte ich noch präzisieren: Sind die Asylverfahren fair und zielgenau? Bekommen die Menschen Schutz, die ihn brauchen? Und deckt das Gesetz all die Fälle ab, die Hilfe benötigen?

Und?

Mesovic: Wir haben nach wie vor große Probleme mit Verfahrensmängeln im deutschen Asylrecht, ebenso mit der Qualität von Anhörungen. Oft haben Menschen schlimme Fluchterfahrungen hinter sich, Folter oder Gefängnisaufenthalte. Dies muss frühzeitig im Verfahren erkannt werden, um sensibel damit umgehen zu können. Diesbezüglich ist sicher mehr machbar.

Flüchtlingswelle
Ansturm auf Lampedusa

Statistiken zufolge wird die Lage für Asylsuchende in Deutschland schwieriger. Es werden mehr Anträge gestellt und gleichzeitig weniger bewilligt. Warum?

Mesovic: Die Anerkennung lag im europäischen Vergleich lange Zeit statistisch oberhalb des Durchschnitts. Wir haben allerdings den Eindruck, dass sich momentan die Qualität der Anhörungen verschlechtert. Man macht einen größeren Zeitdruck im Verfahren weil die Zahl der Asylantragsteller sich leicht erhöht hat. Das scheint politischen Zwängen zu unterliegen. Die Quoten scheinen auch zum Teil ein Politikum zu sein.

Vor welchen Problemen steht die Asylpolitik?

Mesovic: Die meisten EU-Staaten haben sich bei dem Thema in den letzten Jahren nicht besonders positiv hervorgetan. Seit Jahren beschäftigt uns die Dublin-II-Verordnung. Derzufolge ist das erste Land, das ein Flüchtling durchreist, für das Asylverfahren zuständig. Struktur- und administrationsschwache südeuropäische Länder bekommen seit Jahren die Flüchtlinge – ich sag's mal ganz flapsig - zugeschoben. Das ist eines unserer größten Probleme.

Asylbewerber
Europa in der Verantwortung
Video: san/news.de/Unitec

Griechenland, Malta oder auch Italien sollten also entlastet werden?

Mesovic: Menschen, die die Fluchtrouten nehmen, die es überhaupt noch gibt, kommen über Griechenland, inzwischen auch über Lampedusa oder auch Malta. Da gibt es natürlich Punkte und Staaten, die partiell überfordert sind. Wer es schafft, das Land zu verlassen und einen anderen EU-Staat zu erreichen, wird sofort wieder zurückgeschickt.

Und was kann man dagegen tun?

Mesovic: Wir veröffentlichen Berichte über die Situation der Flüchtlinge in Staaten wie Griechenland, schalten Gerichte hier vor Ort ein und versuchen auf diese Weise, Veränderungen zu erreichen. Bei Griechenland ist es gelungen. Bei Malta schlägt die Diskussion im Moment hohe Wellen. Bei einer Reihe von Fällen ist klar, dass die Betroffenen für lange Monate in Haft kommen, wenn sie nach Malta zurückgeschickt werden. Oft sind das Menschen, die aus Staaten kommen, in denen sie noch vor wenigen Monaten verfolgt wurden, im Gefängnis saßen oder gefoltert wurden. Nach Ansicht der Malteser sind sie mit ihrer Flucht illegal eingereist.

25 Jahre Proasyl. Was haben Sie erreicht?

Mesovic: Unser Ziel ist es, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Es gibt in Deutschland inzwischen jede Menge Menschen, die Flüchtlinge an der Basis unterstützen. Immerhin haben wir erreicht, die Hysterie zu bremsen, die dem Thema Ende des vergangenen Jahrhunderts entgegen gekommen ist. Wir haben sichere Abschiebungen verhindert, Rechtsschutz gewährt, Dialoge mit dem Bundesamt über bessere Verfahren geführt. Schlimm ist, dass die EU derzeit massiv mit menschenrechtsverletzenden Regierungen zusammenarbeitet - bis vor kurzem noch mit Gaddafi, Assad - und versucht, diese in ihren Flüchtlingsschutz mit einzubinden.

Welche Probleme wollen sie zukünftig angehen?

Mesovic: Moralisch auf den Nägeln brennt uns die unglaubliche Abgestumpftheit der europäischen Politik gegenüber dem Sterben im Mittelmeer. Es gibt eine ungeheure Kaltschäuzigkeit gegenüber den Menschen, die sich in Boote setzen, um Diktaturen zu entkommen, - aktuell die Tragödie der schwarzafrikanischen Transitflüchtlinge aus Libyen. Wir fordern Rettung ein, das humanitäre Minimum. Es macht einen zynisch, zu erleben, wie Europa da rumeiert und nichts tut, als mit den neu entstehenden Regierungen erstmal Abkommen zur Verhinderung von Migration zu schließen. Das sehen wir auch als eine unserer Aufgaben an: Empörung über unmoralisches Verhalten in der Flüchtlingspolitik am Leben zu erhalten. 

Bernd Mesovic, 1954 geboren, ist Diplom-Sozialarbeiter und seit mehr als 25 Jahren mit Flüchtlingen und Flüchtlingsthemen befasst. Zur Zeit ist er Referent und stellvertretender Geschäftsführer bei der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge Pro Asyl. 

beu/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Juergen Puppe
  • Kommentar 5
  • 09.10.2013 08:43

Ich halte Pro-Asyl für eine kriminelle Organisation, die sich , -gestützt auf die Vorgehensweise der Hintergrundmächte- darauf "spezialisiert" hat, Europa den afrikanischen u. asiatischen Wirtschafts-u.Asylflüchtlingen auszuliefern. Die jetzt weltweit organisierten Bürgerkriege, die sich- finanziert u.organisiert v. Oligarchen u. Plutokraten in Verbund mit der US-Politik- sehr gut dazu eignen Flüchtlingsströme in die EU zu senden, um damit die betreffenden Länder zu destabilisieren. Der arbeitende u. schaffende Mensch wird durch dieses "Klima" zu einem vagabundierenden Arbeitssklaven.

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  • Peter Lange
  • Kommentar 4
  • 03.10.2013 16:23

Immer hinein nach D. Unsere Sozialkassen sind ja "prall gefüllt". Wir können ja die ganze Welt retten. Dafür gehen dann unsere Rentner Flaschen sammeln und leben teilweise auf der Straße und unter der Armutsgrenze! Aber was soll's, sie haben ja dieses Land nur aufgebaut. Jetzt können völlig fremde Menschen die Früchte ihrer Arbeit genießen. Sind diese jungen Männer die Armen und Verfolgten, die unsere Sozialkassen durch ihre Arbeit auffüllen und für unsere Zukunft sorgen? Merkwürdig ist nur, dass sie aus den Ländern des "arabischen Frühlings" kommen! Jetzt ist doch alles gut, Gaddafi ist weg!

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  • hagal
  • Kommentar 3
  • 03.09.2011 10:48

Diese "Stiftung Pro Asyl" unterstützt mit viel Geld der Bürger,konträr zu deren Meinung, seit 25 Jahren in erster Linie sich selbst und so selbstgerechte "Soziologen" vom Schlage eines Mesovic.Leider sind die Umtriebe dieser und ähnlicher Gruppen schon zum Selbstversorgungszweck verkommen und diese bringen sich mit immer unmöglicheren Forderungen bald um die letzte Glaubwürdigkeit.Von Staats wegen gehören diese Paradiese für Soziologen und sonstige in der freien Wirtschaft nicht überlebensfähigen Subjekte untersucht,bewogen und wo nötig diese sauren Wiesen trockengelegt!

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