Papst in Deutschland Höllisch teuer für den Steuerzahler

Eine Million bei Papst-Messe in Madrid (Foto)
Wie noch vor wenigen Wochen in Madrid, wird Papst Benedikt XVI. auch in Deutschland Tausende Pilger begrüßen. Bild: dpa

Von news.de-Volontär Ronny Janke
Im September erwartet Deutschland hohen Besuch: Papst Benedikt XVI. wird durch Berlin, Erfurt und Freiburg reisen, um Predigten zu halten, die auf Großleinwänden übertragen werden. Der Besuch kostet Millionen. Noch ist unklar, ob diese auch wieder erwirtschaftet werden.

Mitte August hat der Papst-Besuch zum Weltjugendtag in Madrid heftige Demonstrationen ausgelöst: Vor allem deshalb, weil die Finanzkrise auch Spanien zum Sparen zwingt. Trotzdem war das Land bereit, für den Aufenthalt des Kirchenoberhaupts 50 Millionen Euro auszugeben. Wie der Unternehmerverband der Stadt Madrid jetzt bekannt gab, konnte aber mehr als dreimal so viel Geld wieder eingenommen werden.

Im September besucht der Papst auch Deutschland. Schon jetzt wird über die Ausgaben und deren Sinn diskutiert. «Wir rechnen von kirchlicher Seite mit Kosten von rund 25 bis 30 Mio Euro», sagt der Sprecher der deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, zu news.de. Rechtfertigt der Nutzen tatsächlich die hohen Kosten? Als Papst Benedikt XVI. 2005 den Weltjugendtag in Köln besuchte, hat das Deutschland 7,5 Millionen Euro gekostet. Deutlich weniger zwar als Spanien jetzt zahlen musste, trotzdem eine Summe, die vielleicht andernorts besser investiert gewesen wäre.

Staatsbesuch
Der Papst in Deutschland

Wie viel Deutschland für den Papstbesuch Ende September zahlen muss, ist noch nicht bekannt.  Eine offizielle Anfrage, die Die Linke an die Bundesregierung gerichtet hat, wurde wenig zufriedenstellend beantwortet:«Die Größenordnung der entstehenden Kosten kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zuverlässig eingeschätzt werden.» Dass die öffentlichen Kosten des Papstbesuchs, der Monate im Voraus bis ins kleinste Detail durchgeplant ist, nicht beziffert werden können, überrascht.

Immerhin: Die etwa 30 Millionen Euro, mit denen die katholische Kirche den Besuch von Papst Benedikt XVI. finanziert, verteilen sich auf die drei Bistümer in Berlin, Erfurt und Freiburg, wo das Kirchenoberhaupt drei große Messen abhalten wird. Berlin übernimmt davon 3,5 Millionen Euro, wie Spiegel Online berichtet - die übrigen 22 Millionen verteilen sich auf Erfurt und Freiburg. Dass sich die Bistümer der zuletzt genannten Städte stärker an den Kosten beteiligen müssen, hat einen einfachen Grund. «Die infrastrukturellen Maßnahmen sind in Erfurt und Freiburg höher. Hier müssen vor allem Gebiete, die sonst anders genutzt werden, hergerichtet werden», sagt Kopp.

Kreuzweg
Der Papst am Colosseum
Video: news.de/dapd

Das heißt im Klartext, dass Straßen ausgebaut werden, damit an verschiedenen Standorten die Messen via groß angelegtem Public Viewing verfolgt werden können. Die dabei entstehenden Kosten übernimmt die katholische Kirche. Anders sieht es aus, wenn Tausende Polizisten rund um die Uhr im Einsatz sein werden, um die Sicherheit des Papstes zu garantieren. Die Kosten dafür, vermutlich mehrere Millionen Euro, werden die Bundesländer tragen, die das Kirchenoberhaupt als Gast begrüßen.

Restaurants und Hotels profitieren

Klar ist, dass vor allem die Hotelbranche vom Pilgeransturm profitieren wird. Neben Berlin wird auch Erfurt ins Licht der Öffentlichkeit geraten und einen Tag lang Teil der Berichterstattung sein. In Freiburg sind derweil schon alle Zimmer ausgebucht. Die Stadt ruft deshalb gemeinsam mit der Kirche zu einer Aktion auf: Freiburger sollen Zimmer bereit halten, damit Besucher einen Schlafplatz haben. Die private Zimmervermittlung, die Freiburg und die Gemeinden im Umland umfasst, ist für Mieter und Vermieter kostenlos. Während andere sich also eine goldene Nase verdienen, sollen die Freiburger das Konzept der Nächstenliebe zelebrieren.

Bleiben immerhin noch Geschäfte und Restaurants, in denen die Pilger ihr Geld lassen und somit die Wirtschaft ankurbeln können. Doch abgerechnet wird am Ende: Erst wenn die Bundesregierung weiß, welche Kosten durch den Papstbesuch entstanden sind und verlässliche Zahlen belegen können, wie hoch die Einnahmen durch das verstärkte Touristenaufkommen zu dieser Zeit waren, lässt sich sagen, ob die Ausgaben gerechtfertigt waren.

Sprecher Kopp ist derweil wichtig, dass die Deutschen «nicht immer zuerst von Kosten sprechen». Der Besuch von Papst Benedikt XVI. soll als Zeichen der Ermutigung für die Kirche in Deutschland verstanden werden. Möglicherweise aber eine Ermutigung, die am Ende, bei all den schönen Bildern, die im September zu sehen sind, den deutschen Steuerzahler tief in die Geldbörse greift. 

bjm/news.de

Leserkommentare (51) Jetzt Artikel kommentieren
  • mkathrin
  • Kommentar 51
  • 28.10.2011 13:37

Das was die Kirche propagiert, hat nichts mit Gott zu tun. Was den Papst angeht, ich brauche ihn nicht und geh lieber in den Wald, da bin ich meinem Gott näher, als der Papst ihm je war. Diese Schauspieler und Betrüger der sich Klerus nennt, sollten sich an Franz von Assisi ein Beispiel nehmen. Dann könnte man davon ausgehen, dass sie das glauben, was sie uns erzählen wollen. In Armut und Demut und nicht in Protzpalästen auf Kosten der Gläubigen und draußen verhungern die Kinder in der Gosse (siehe Brasilien).

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  • Ellipirelli
  • Kommentar 50
  • 22.09.2011 19:46
Antwort auf Kommentar 47

Darf ich Sie mal was fragen..;Worum geht es?Um die Institution "Kirche",oder um Gott selbst? Worauf kommt es IHNEN an..? Ich will keine Kirche anbeten,und erst recht nicht deren geldschwere Seelen-Verbieger!

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  • Jens Reimer
  • Kommentar 49
  • 19.09.2011 21:54

Hat schon mal einer Überschlagen, wieviele Menschenleben man vor dem Verhungern retten könnte, wenn dieser Vertreter der ewig Gestrigen und geistig Unzurechnungsfähigen zu Hause bleiben würde? Eine unethisch teure Werbeverantstaltung. Wir, die nicht geistig Armen sollten uns empören über diese Verschwendung und immer noch währende Sinnlosigkeit ideologischer Verblendung. Welches Jahrhundert haben wir doch gleich? Wir sollten weiter sein! Hey "loddel" immer schön brav gewesen? Ich kenne keinen Gläubigen, der nicht mindestens eines der Gebote gebrochen hat.

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